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Chef des Deutschen Lehrerverbandes für Kopftuchverbot bei Mädchen

Heinz-Peter Meidinger stützt den Vorschlag, in Deutschland ein Kopftuchverbot für Mädchen unter 14 Jahren einzuführen. Er äußerte sich auch zur Idee des bayerischen Ministerpräsidenten Söder, Migrantenkinder zu "Sprach- und Wertekursen" zu verpflichten.
Muslime im Unterricht
Foto: Bernd Thissen (dpa) | ARCHIV - ILLUSTRATION - 27.01.2009, Nordrhein-Westfalen, Hamm: Eine türkische Schülerin mit Kopftuch nimmt am Unterricht in einer Schule teil.

Nachdem in Österreich bereits seit einigen Tagen ein Kopftuchverbot in Kindergärten und Volksschulen diskutiert wird, hat die Debatte nun auch die Bundesrepublik erreicht. So sprach sich Nordrhein-Westfalens Integrationsminister Joachim Stamp (FDP) für ein Kopftuchverbot für Mädchen unter 14 Jahren aus. Dieser Vorstoß stößt beim Chef des Deutschen Lehrerverbandes auf Zustimmung. „Ich bin gegen Kopftücher bei Mädchen in Kindergärten und Grundschulen“, erklärt Heinz-Peter Meidinger gegenüber der „Tagespost“. Kopftücher trügen Streitigkeiten und Trennlinien dort hinein, wo es mehr Integration und weniger Diskriminierung und Abgrenzung brauche. Die Anlässe für Diskriminierung und antireligiöses Mobbing fielen oft weg, wenn es keine äußeren Zeichen für Abgrenzung und die bewusste Demonstration religiöser Überzeugungen gebe. Von Diskriminierung, so Meidinger, könnten dann alle betroffen sein, „die Mädchen mit Kopftuch, muslimische Schülerinnen ohne Kopftuch, ,Ungläubige' und Anhänger christlicher oder anderer Religionen“.

Zudem weist Meidinger darauf hin, dass es auch aus dem Koran heraus keine Begründung dafür gebe, dass bereits Kinder vor der Pubertät Kopftücher tragen sollten. „Es besteht der Verdacht, dass die steigende Anzahl an Kopftuchmädchen in Grundschulen und Kindergärten wenig mit der freien Entfaltung der Kindespersönlichkeit und viel mit dem an Zwang grenzenden Einfluss von Eltern zu tun hat“, gibt der 63-Jährige zu bedenken. Dennoch sähe es der Chef des Deutschen Lehrerverbandes gerne, wenn die Diskussion weniger an juristischen Argumenten sondern eher an pädagogischen, religionsethischen und integrationspolitischen Überlegungen orientiert geführt würde.

Gegenüber dieser Zeitung nahm Meidinger auch zum jüngsten Vorschlag des neuen bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder Stellung. Dieser sieht vor, Kinder und Jugendliche aus Migrantenfamilien erst dann zum regulären Schulunterricht zuzulassen, wenn sie Sprach- und Wertekurse bestanden haben. Hierfür erntet Söder vom Bundesvorsitzenden des Philologenverbandes teilweise Zustimmung: „Das schlechte Abschneiden von Kindern mit Migrationshintergrund bei  den ersten PISA-Tests von 2000 hat uns in allen Bundesländern zu einem Umdenken bewegt“, so Meidinger. Damals habe man Kinder von Zuwanderern einfach in die regulären Klassen gesteckt, wo sie laut dem 63-Jährigen weder die deutsche Sprache richtig erlenten noch dem Fachunterricht folgen konnten. „Heute wissen wir, dass der Besuch von eigenen Sprachförder-,  Sprachlernklassen beziehungsweise Übergangsklassen oder Willkommensklassen, wie sie in anderen Bundesländern heißen, absolut sinnvoll ist, bevor diese Kinder in Regelklassen wechseln“, meint Meidinger.

Zwar hält es Meidinger, der selbst Gymnasiallehrer ist, für sinnvoll, dass in solchen Sprachlernklassen auch auf die Vermittlung „unserer demokratischen und kulturellen Werte“ verstärkter Wert gelegt werde. Auf die Absolvierung regelrechter Tests über „Wertekurse“, wie von Söder vorgeschlagen, würde er jedoch verzichten. „Das macht eher Angst als dass es Integration fördert.“

mlu

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