Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung London/Rotherham

Britische Regierung will Vergewaltigungen durch pakistanische Banden aufklären

Jahrzehntelang gelang es pakistanischen „Grooming“-Banden, mindestens 1500 Kinder im nordenglischen Rotherham systematisch zu missbrauchen und sexuell zu versklaven. Die neue Innenministerin verspricht eine schonungslose Aufarbeitung des Skandals.
Britische Innenministerin Priti Patel
Foto: Stefan Rousseau (PA Wire) | "Opfer dieser widerlichen Kindesmissbrauchsgruppen sagten mir, wie sie vom Staat im Namen der Political Correctness im Stich gelassen wurden", so Innenministerin Patel.

Noch in diesem Jahr wird eine Untersuchung über die Massenvergewaltigungen von Kindern im Vereinigten Königreich veröffentlicht. Dies wurde von der Innenministerin Priti Patel in einer Mitteilung auf einer Informationswebseite der britischen Regierung bekannt gegeben. Ziel der bereits von ihrem Vorgänger in Auftrag gegebenen Arbeit sei es, „die charakteristischen Merkmale“ der Missbrauchstäter zu verstehen und den Opfern Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Die Herkunft der Täter solle nicht mehr verschwiegen werden, und es werde nach dem Kontext gefragt, in dem diese Verbrechen begangen wurden.

Lesen Sie auch:

Sexuellen Übergriffe an Kindern bewusst ignoriert

Im Januar dieses Jahres hatte ein leitender Polizeibeamter gegenüber der britischen Tageszeitung „The Times“ zugegeben, dass die Ordnungskräfte die, in den Jahren 1980 bis 2010 von einer britisch-pakistanischen Gang verübten, sexuellen Übergriffe an Kindern bewusst ignoriert hätten – und zwar aus Gründen der Political Correctness. Der IOPC (Independent Office for Police Conduct), eine öffentliche Einrichtung in England und Wales zur Überwachung von Beschwerden gegenüber der britischen Polizei, hatte in einer fünfjährigen Untersuchung unter anderem herausgefunden, dass ein Rotherhamer Polizeibeamter dem Vater eines verschwundenen Mädchens gesagt hatte, dass „die Stadt in Flammen aufginge“, wenn öffentlich bekannt würde, dass es sich bei den Tätern um Männer „asiatischer Herkunft“ handelte.

Innenministerin Priti Patel stellt fest: „Opfer dieser widerlichen Kindesmissbrauchsgruppen sagten mir, wie sie vom Staat im Namen der Political Correctness im Stich gelassen wurden. Was diesen Kindern passierte, bleibt einer der größten Schandflecke auf dem Gewissen unseres Landes. Es ist beschämend.“ Patel sei entschlossen, den Opfern Gerechtigkeit widerfahren zu lassen und dafür zu sorgen, dass „so etwas nie mehr geschehen kann“.

Gemeinsame Strategien zum Schutz gefährdeter Kinder

In der Pressemitteilung der Regierung heißt es weiter: Das Innenministerium stütze und treibe „Verbesserungen beim polizeilichen Vorgehen im Hinblick auf sexuellen Kindesmissbrauch weiter voran“. Auf dem „Hidden Harms Summit“, einer online geführten Konferenz von Regierung, Strafverfolgungsbehörden und karitativen Organisationen, die am 21. Mai stattfand, wurden gemeinsame Strategien erarbeitet, „um schutzbedürftige Personen während des Lockdown, einschließlich missbrauchsgefährdeter Kinder, zu schützen“.

Im September 2019 hatte die Regierung zusätzliche 30 Millionen £ Sterling angekündigt, „um die schlimmsten Täter zur Strecke zu bringen und Kinder zu schützen“. 

DT/ks

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe

Themen & Autoren
Redaktion

Weitere Artikel

In England will die Labour-Regierung einen neuen Beauftragten einsetzen – Kritiker befürchten Einschnitte in die Redefreiheit.
10.04.2026, 18 Uhr
Claudia Hansen
Heute suche man sich Ersatzreligionen, ist der Kabarettist Vince Ebert überzeugt. Jetzt müssten „die Vernünftigen Widerstand leisten“.
07.11.2025, 17 Uhr
Ute Cohen

Kirche

Die Kirche, ein mütterlicher Schoß für alle Völker der Erde: Nach dem Besuch in Hippo predigt Papst Leo über Augustinus, das Wesen der Kirche und das Kriterium jeder Reform.
14.04.2026, 19 Uhr
Regina Einig
Donald Trump knüpft ikonografisch an das mittelalterliche Königtum an und wirft Papst Leo XIV. vor, als schlechter Politiker zu agieren. Ein bedeutungsschweres Missverständnis.
13.04.2026, 18 Uhr
Franziska Harter
Leo XIV. hat den zentralen Termin seiner Spanienreise bestätigt. Zugleich rückte er die spanischen Märtyrer des 20. Jahrhunderts als Vorbilder des Glaubens in den Mittelpunkt.
13.04.2026, 16 Uhr
José García
Leo sei nur Papst, weil er selbst US-Präsident sei: So sieht Donald Trump sein Verhältnis zum Pontifex. Das geht auch Bischof Robert Barron zu weit. Chronik eines (einseitigen) Konflikts.
13.04.2026, 16 Uhr
Franziska Harter