Dresden

Lammert: Deutsche Kirche muss sich aus Bevormundung durch Vatikan lösen

Ex-Bundestagspräsident Norbert Lammert bringt seine Skepsis zum Synodalen Weg zum Ausdruck. Die jüngsten Interventionen aus Rom würden seine Hoffnung nicht bekräftigen. Der Kirche empfiehlt er, den Gläubigen mehr Mitentscheidungsrechte einzuräumen.

CDU-Politiker Norbert Lammert
Die Kirche der Zukunft braucht kluge Hirten und eine aufgeklärte Herde, die sich ihrer eigenen Verantwortung bewusst ist und davon Gebrauch macht“, so der CDU-Politiker. Foto: Christoph Soeder (dpa)

Der ehemalige Bundestagspräsident Norbert Lammert hat sich skeptisch zum Synodalen Weg geäußert. Wie die „Katholische Nachrichtenagentur“ (KNA) berichtet, erklärte der Vorsitzende der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung  am Freitag bei einer Online-Tagung der Katholischen Akademie des Bistums Dresden-Meißen: „Die jüngsten Äußerungen und Interventionen aus Rom bekräftigen meine Hoffnungen nicht.“ 

Kluge Hirten und eine aufgeklärte Herde

Lammerts Rat: „Wir müssen am Ende tun, was wir glauben, verantworten zu können.“ Wenn die katholische Kirche in Deutschland sich nicht entschließe, sich aus der „wohlwollenden Bevormundung“ von Seiten des Vatikan zu befreien, werde auch der Synodale Weg nicht das angestrebte Ziel erreichen.

Gleichzeitig empfiehlt Lammert der Kirche, den Gläubigen mehr Mitentscheidungsrechte einzuräumen. „Die Kirche der Zukunft braucht kluge Hirten und eine aufgeklärte Herde, die sich ihrer eigenen Verantwortung bewusst ist und davon Gebrauch macht“, so der CDU-Politiker. Dabei werde man unterscheiden und gleichzeitig eine intelligente Verbindung herstellen müssen zwischen Organisationsfragen und ethisch-moralischen Grundsatzfragen, „für die man möglicherweise andere Partizipationsformen braucht“.

Auf weltliche Herausforderungen einlassen

Der Ex-Bundestagspräsident betonte auch: „Überall da, wo es um einen Interessensausgleich geht, sind demokratische Entscheidungsprozesse allen anderen überlegen.“ Durch die Eröffnung der Mitwirkung von Vielen würden Entscheidungsprozesse aber komplexer und länger und „führen häufig zu Kompromisslösungen“. Jedoch werde dadurch auch regelmäßig die Urteilsfähigkeit im jeweiligen Sachverhalt erhöht und das Fehlerrisiko gesenkt, so der 72-Jährige. Bei autoritären Entscheidungsprozessen sei das eher umgekehrt. 

Darüber hinaus erklärte Lammert, dass inzwischen ganz unübersehbar deutlich geworden sei, „wie sehr die Frage der Autorität der Kirche in Zeiten dramatischer Veränderung auch von ihrer Fähigkeit und Bereitschaft abhängt, sich mitten in dieser Welt auf deren Herausforderungen und Fragen einzulassen und einzustellen“. Auch die Akzeptanz der Kirche hänge maßgeblich von ihrer Bereitschaft und Fähigkeit ab, „Neues anzunehmen und zuzulassen, das bislang vielleicht noch nicht hinreichen zur Entfaltung kommen konnte“.  DT/mlu/KNA

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