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Adidas als „Partner des politischen Islam“?

Nach Nike passt sich nun auch Adidas muslimischen Forderungen nach einer weiblichen Verschleierung an. In Frankreich erhebt sich in den sozialen Netzwerken jedoch bereits Protest von Feministen gegen die Vermarktung des Sport-Hidschabs.
Diskussion um Sport-Hidschab
Foto: Bernd Thissen (dpa) | Die palästinensische Leichtathletin Worud Sawalcha, aufgenommen am 09.03.2012 während der Hallen-Leichtathletik-WM in der Atakoy Arena in Istanbul.

Dem Vorbild des amerikanischen Sportkonzerns Nike folgend, bietet nun auch der deutsche Sportartikelhersteller Adidas – nach Nike zweitgrößter Produzent in diesem Segment – seinen muslimischen Kundinnen einen besonderen Service: Ab dem 2. Juni verkauft der Markenhersteller über seinen Internet-Shop sogenannte „Sport-Hidschabs“ mit dem Werbetext: „Sag Hallo zum neuen Sport-Hidschab, der dich voller Selbstvertrauen trainieren lässt“. „Adidas France“ eifert dem deutschen Mutterkonzern nach und wird den islamischen Schleier in der Kategorie „bescheidene Mode“ („mode modeste“) offerieren, wie das französische Wochenmagazin "Valeurs actuelles" berichtet.

Zuverlässig Hals und Schultern bedeckt

Der – laut Adidas - auf Wunsch von Muslima hergestellte Sport-Hidschab soll ihnen sportliche Aktivitäten in der Öffentlichkeit ermöglichen, ohne gegen das muslimische Dogma in Bezug auf die Zurschaustellung des weiblichen Körpers zu verstoßen.

In Wirklichkeit handle es sich „mehr oder weniger um einen Hidschab, also um ein muslimisches Kopftuch, das die Haare, die Ohren und den Hals bedeckt, wobei einzig der leichtere Stoff ihm eine sportliche Optik verleiht“, wie Valeurs actuelles bemerkt. Auf dem deutschen Webauftritt von Adidas wird das Kleidungsstück in mehreren „neutralen“ Farbtönen – in Weiß, Schwarz und Rosa – empfohlen, damit es „perfekt zu jedem Outfit“ passt. Der Artikel wird übrigens zum Preis von 29,95 € verkauft. Die Produktseite preist zudem den „ultimativen Tragekomfort“ der Ware, die einen „kühlen Tragekomfort“ garantiere, aber auch sicherstelle, dass durch das „länger geschnittene Design“ „zuverlässig Hals und Schultern“ bedeckt werden, wie es das islamische Gesetz fordert.

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Empörung in sozialen Netzen

Doch die Ankündigung des neuen Katalog-Artikels der Marke mit den drei Streifen hat in Frankreich in den sozialen Netzwerken einen Aufschrei der Empörung ausgelöst, wie Valeurs actuelles notiert. So habe sich die Feministin Lydia Guirous auf Twitter beispielsweise über diese neue Unterwerfung unter islamische Diktate aufgeregt. Sie prangert den Sportkonzern an: „Adidas knickt vor den Islamisten ein und erklärt sich damit einverstanden, dass Frauen in der Unterwerfung eingesperrt werden, indem das Unternehmen den Sport-Hidschab in Frankreich vermarktet! Weit entfernt von den Wertvorstellungen des Sports!“ Und sie erinnert daran, dass dank der Proteste und dem angedrohten Boykott in den sozialen Netzwerken die französische Firma Decathlon vor einem Jahr auf eine Kommerzialisierung des Sport-Hidschabs verzichtete.

Der feministische Aktivist Naëm Bestandji bezeichnet Adidas auf Twitter als „Partner des politischen Islamismus“: „Um Nike auf dem sexistischen Markt einzuholen, lanciert Adidas seinen Hidschab. Die Marke beteiligt sich an der Dämonisierung des weiblichen Körpers, erleichtert den Druck auf die Muslime, die dies ablehnen, und auf die Verbände, um sie zum Nachgeben zu bewegen“. Der Schriftsteller Majid Oukacha erkennt in der Marke die „fortschreitende kulturelle und religiöse Islamisierung in Frankreich“.

DT/ks

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