Gespaltene Gesellschaften

Eine internationale Umfrage zeigt, dass rund drei Viertel der Menschen eine Spaltung ihrer Gesellschaft empfinden – kulturell, politisch, wirtschaftlich.

Müllsammler vor modernen Wolkenkratzern in Peking
Müllsammler vor modernen Wolkenkratzern in Peking. Foto: UPI Photo /Landov +++(c) dpa - Report+++ Foto: Stephen Shaver 6317144 (UPI_/Landov)

In einer Umfrage in 27 Staaten weltweit sehen drei Viertel der Befragten beziehungsweise 76 Prozent eine Spaltung der Gesellschaft in ihrem jeweiligen Land. In Deutschland liegt der Wert darüber, hier gehen 81 Prozent von einer Spaltung aus, wie aus den am Montag veröffentlichten Daten der Ipsos Studie hervorgeht, die für den britischen Sender BBC in 27 Ländern durchgeführt wurde.

Am stärksten sehen sich demnach die Befragten in Serbien (93 Prozent) und Argentinien (92) von einer Teilung der Gesellschaft betroffen. Vor allem Deutsche, Schweden, Italiener und Briten beobachten eine gesellschaftliche Spaltung in ihrem Land. In Saudi Arabien (34 Prozent), China (48) und Japan (52) liegen die Werte dagegen unter dem Durchschnitt. Mehr als in anderen Ländern empfinden die Befragten in Europa eine Spaltung heute stärker als noch vor zehn Jahren.

In allen 27 Ländern werden der Umfrage zufolge Spannungen zwischen Menschen mit verschiedenen politischen Ansichten gesehen: 44 Prozent sind dieser Meinung, vor allem in Malaysia (74 Prozent) und Argentinien (70). In Deutschland teilt jeder Dritte diese Ansicht.

Größer ist offenbar der Anteil derjenigen, die meinen, das größte Konfliktpotenzial liege zwischen Immigranten und in Deutschland geborenen Menschen. Mit 46 Prozent Zustimmung steht Deutschland in einer Reihe europäischer Länder, die für ihre Staaten dies ebenfalls sehen: Italien (61 Prozent), Großbritannien (50) Schweden (49) und Frankreich (45).

An zweiter und dritter Stelle stehen in diesen Ländern nach Ansicht der Befragten Spannungen zwischen Religionen - in Deutschland sind es 37 Prozent. In China und Russland machen die Befragten die größten Konflikte an anderer Stelle aus: zwischen Arm und Reich mit jeweils zwei Drittel (65 Prozent).

Jeder zweite Deutsche (47 Prozent) bezeichnet in der Umfrage seine Landsleute als tolerant gegenüber Menschen mit anderer Herkunft oder anderen Ansichten. Damit liegt Deutschland etwa im Mittelfeld. Deutlich schlechter ist es mit der Toleranz in Ungarn (16 Prozent), Südkorea (20), Brasilien (29) und Polen (30) bestellt. Am tolerantesten schätzen sich mit großem Abstand die Kanadier ein (74). Fast jeder zweite Deutsche (48 Prozent) meint, eine abnehmende Toleranz in seinem Land zu spüren.

Insgesamt geben die Menschen in der Umfrage mehrheitlich mit 65 Prozent an, dass Menschen weltweit mehr Gemeinsamkeiten haben, als Dinge, die sie unterscheiden. In Deutschland teilen 61 Prozent diese Meinung, die höchste Zustimmung gibt es in Russland und Serbien (je 81). Japan (35 Prozent), Ungarn (48) und Südkorea (49) sind pessimistischer eingestellt.

Die Befragung zwischen dem 26. Januar und 9. Februar wurde den Angaben zufolge in 27 Ländern durchgeführt. Die Stichprobe lag bei 19.428 Erwachsenen im Alter von 16 bis 64 Jahren, in Kanada und den USA waren es 18 bis 64 Jahren.

KNA / DT (jbj)