„Die Christen haben Todesangst“

Der Nahost-Referent des Hilfswerks „Kirche in Not“ beklagt die dramatische Lage der Christen in der syrischen Hauptstadt Damaskus.

Konflikt in Syrien - Ost-Ghuta
24.03.2018, Syrien, Ost-Ghouta: Zivilisten fahren auf einem Pick-up durch eine zerstörte Straße. Die syrische Armee ist mittlerweile in eines der letzten Rebellengebiete Ost-Ghoutas eingerückt und kontrolliert insgesamt etwa 90 Prozent der seit 2013 belagerten Region nahe der Hau... Foto: Anas Alkharboutli (dpa)

Adrzej Halemba, Nahost-Referent des Hilfswerks Kirche in Not, beklagt die dramatische Lage der Zivilbevölkerung im syrischen Ost-Ghouta. Tausende Personen seien dort eingeschlossen und hätten kaum Zugang zu Lebensmitteln, kritisiert Halemba. Zudem erhielten sie keine medizinische Versorgung. „Viele Bewohner sind verletzt und brauchen eine Operation. Es gibt keine Fluchtkorridore“, so der Nahost-Referent. Ost-Ghouta ist nur etwa vier Kilometer von der syrischen Hauptstadt Damaskus entfernt. Halemba weist darauf hin, dass man nicht nur das Vorgehen der Regierungstruppen kritisieren dürfe, denn unter die Rebellentruppen hätten sich auch Islamisten gemischt. Diese hätten die Hauptstadt nun ins Visier genommen: „Mit Terroranschlägen im Innern, mit Granatenbeschuss von Außen.“

Schwer betroffen sei auch das christliche Viertel Bab Tuma, das am östlichen Rand der Altstadt liegt. Dort ist die Lage laut Halemba sehr ernst. So gehe etwa der Beschuss mit Mörsergranaten unvermindert weiter. „Die Christen haben Todesangst.“ Im Gespräch mit einer Ordensfrau habe der Nahost-Referent von Kirche in Not erfahren, dass die Schwestern das Stadtzentrum von Damaskus nicht mehr verlassen könnten, um Christen und Flüchtlingen aus Ost-Ghouta zu helfen. Halemba wörtlich: „Es ist zu gefährlich. Konvois, die humanitäre Hilfe nach Damaskus bringen sollten, sind gestoppt worden. Es ist eine schreckliche Situation.“

Auf die Frage, ob das brutale Vorgehen der Regierungstruppen, das in den westlichen Medien die größte Aufmerksamkeit finde, antwortete Halemba: „Im Krieg stirbt die Wahrheit immer zuerst. Beide Seiten sind im Unrecht. Beide Seiten begehen Verbrechen. Beide Seiten sind schuldig. Beide Seiten haben unzählige Menschen zu Opfern gemacht.“

DT/KiN