Im Streit um das Rahmenkonzept zur sexuellen Bildung an katholischen Schulen hat der Hamburger Generalvikar Pater Sascha-Philipp Geißler in einer E-Mail deutliche Vorwürfe gegen das „Elternnetzwerk Kinderschutz“ erhoben. In dieser internen E-Mail an Mitarbeiter des Erzbistums vom 28. August 2026 verteidigt er zugleich das umstrittene Konzept.
Das Elternnetzwerk gehe seit dem vergangenen Jahr „gezielt gegen das Erzbistum Hamburg vor“, schreibt Geißler. Die Rundmails und Aufrufe der Initiative werte das Erzbistum inzwischen als „Kampagne“ und als Versuch, „Unsicherheit und Unfrieden“ in unseren schulischen Bezugsgruppen“ zu verbreiten.
Inhaltliche Kritik am Rahmenkonzept weist der Generalvikar zurück
Die inhaltliche Kritik am Rahmenkonzept weist Geißler zurück. Dieses sei ein „pädagogisches Papier, das keinen kirchlich-lehramtlichen Anspruch erhebt oder sich gegen kirchliche Lehre positioniert“. Ziel sei „eine zeitgemäße und sich an der Lebenswirklichkeit unserer Schulen orientierende diskriminierungssensible sexuelle Bildung auf der Grundlage des christlichen Menschenbildes“. Der Erziehungsauftrag der Eltern werde „auf keine Weise in Frage gestellt“.
Schulleitungen, Gesamt-Elternvertretung und Beauftragte für Schulpastoral hätten sich „ausdrücklich hinter das Rahmenkonzept gestellt“. Es werde von der „weit überwiegenden Zahl der Eltern und der Mitarbeiterschaft positiv aufgenommen und begrüßt“. Mit dem Elternnetzwerk habe es „entgegen anderslautender Darstellung mehrfach Gespräche“ gegeben. Den Empfängern seiner Mail empfiehlt Geißler schließlich ausdrücklich, auf die Aufrufe des Elternnetzwerks „weder zu antworten noch sich in Debatten einzulassen“.
Auf Nachfrage dieser Zeitung teilte das Erzbistum Hamburg mit, dass man sich bereits ausführlich zu der Kritik am Rahmenkonzept geäußert habe. Eine weitere Stellungnahme lehnte das Erzbistum daher ab.
Das Elternnetzwerk weist Geißlers Darstellung in einem Schreiben vom 18. September 2026 zurück. Der Generalvikar habe die Einwände der Eltern gegen das „Rahmenkonzept für Sexuelle Bildung“ zurückgewiesen, „ohne jedoch auf die konkreten Argumente einzugehen“, heißt es darin. Insbesondere widerspricht die Initiative der Aussage, das Rahmenkonzept positioniere sich nicht gegen die kirchliche Lehre. Sie verweist unter anderem auf Aussagen des Konzepts zu Sexualmoral, Ehe sowie biologischem Geschlecht und sozialer Identität.
Eltern kritisieren Geißlers Darstellung des bisherigen Dialogs
Auch Geißlers Darstellung des bisherigen Dialogs kritisieren die Eltern. Es habe zwar zwei Gespräche gegeben, eines im Dezember und eines im Februar. Auf ihre konkreten Argumente, auf ihr von Eltern erarbeitetes Positionspapier und auf ihre Schreiben sei jedoch nicht reagiert worden. Geißlers jetzige Empfehlung, nicht zu antworten und sich nicht auf Diskussionen einzulassen, sieht das Netzwerk als Bestätigung seiner bisherigen Erfahrung: „Genau das erleben wir seit Juni 2025.“ Die Eltern fragen den Generalvikar: „Sind Gespräche ohne Antworten für Sie wirklich ein Dialog?“
Kritik übt die Initiative auch an der Elternbeteiligung. Geißler hatte geschrieben, die Elterninformation und -mitwirkung bei der Ausgestaltung der schulischen Konzepte beginne nun. Das Elternnetzwerk hält ihm entgegen, dass das Rahmenkonzept zu diesem Zeitpunkt bereits ausgearbeitet und in Kraft gesetzt gewesen sei.
Die Initiative fordert das Erzbistum erneut auf, die Umsetzung des Rahmenkonzepts zu stoppen. Sie verlangt „eine Sexualerziehung, die dem Alter und der Reife unserer Kinder entspricht, mit der katholischen Lehre übereinstimmt und unsere Verantwortung als Eltern achtet“.
Jetzt die „Tagespost" abonnieren und nichts mehr verpassen.









