Die vielen Jahre und Jahrzehnte einer Ehe bergen durchaus die Gefahr der emotionalen und körperlichen Entfremdung. Was in jüngeren Jahren als Suche nach dem gemeinsamen Wohl der Ehegatten begann, kann in späteren Jahren immer schwieriger werden. Manchmal lockt sogar die Versuchung, die körperliche Entfremdung als „Josephsehe“ zu spiritualisieren. Eine selbstgewählte Josephsehe wird zur Fluchtburg, obwohl der heilige Paulus die eheliche sexuelle Enthaltsamkeit nur auf begrenzte Zeit erlaubt. Mit einer selbstgewählten Josephsehe verstoßen Ehepaare nicht nur gegen diese paulinische Regel, sondern sie nehmen sich ein ganz wesentliches Feld der Einübung der gegenseitigen Hingabe.
„Lieb’ mich!“
Ist die „Josephsehe“ besonders heilig? Die Annäherung an das Ideal der ehelichen Keuschheit muss durch die Einübung des ehelichen Einswerdens erfolgen, nicht ohne es.
