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Katholische Zeitung für Politik, Gesellschaft & Kultur
Archiv Inhalt Zur Josephsehe - Teil II

„Lieb’ mich!“

Ist die „Josephsehe“ besonders heilig? Die Annäherung an das Ideal der ehelichen Keuschheit muss durch die Einübung des ehelichen Einswerdens erfolgen, nicht ohne es.
Älteres Ehepaar
Foto: IMAGO/Zoonar.com/Iuliia Zavalishina (www.imago-images.de) | Die Sehnsucht nach dem Lebenspartner sollte lebenslang wachsen, nicht geringer werden. Echte Liebe sieht immer tiefer die verborgene Schönheit des anderen, auch wenn das Strahlen der Jugend lange zurückliegt. Echte Liebe umarmt mit aller Milde und Wärme die Unvollkommenheiten des anderen als Teil des gemeinsamen Wegs zur Heiligkeit.

Die vielen Jahre und Jahrzehnte einer Ehe bergen durchaus die Gefahr der emotionalen und körperlichen Entfremdung. Was in jüngeren Jahren als Suche nach dem gemeinsamen Wohl der Ehegatten begann, kann in späteren Jahren immer schwieriger werden. Manchmal lockt sogar die Versuchung, die körperliche Entfremdung als „Josephsehe“ zu spiritualisieren. Eine selbstgewählte Josephsehe wird zur Fluchtburg, obwohl der heilige Paulus die eheliche sexuelle Enthaltsamkeit nur auf begrenzte Zeit erlaubt. Mit einer selbstgewählten Josephsehe verstoßen Ehepaare nicht nur gegen diese paulinische Regel, sondern sie nehmen sich ein ganz wesentliches Feld der Einübung der gegenseitigen Hingabe.

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