Levi war gerade damit fertig, für seine Mutter den Brotteig zu kneten, da blickte er kurz aus dem Fenster auf die Straße. Ihr Haus lag direkt in der Dorfmitte und da gab es immer allerhand zu sehen. Der kleine Esel Raffi, der vor etwa einem Jahr geboren war, stand angebunden vor dem Haus und scharrte mit seinem rechten Vorderhuf im Sand. „Bald wird ihn Papa einreiten“, dachte Levi und er spürte eine große Vorfreude. Denn sobald er eingeritten sein würde, durfte Levi ihn als sein eigenes Last- und Arbeitstier nutzen und sicher auch das ein oder andere Mal auf ihm reiten.
In der Ferne sah Levi zwei Männer die Dorfstraße entlanggehen. An ihren Kleidern erkannte Levi sofort, dass sie fremd waren. Die Männer blickten suchend um sich. Als sie schon recht nah bei Levis Haus waren, schienen sie mit einem Mal etwas entdeckt zu haben. Sie liefen auf den kleinen Esel Raffi zu und - Levi konnte kaum glauben, was er sah - fingen tatsächlich an, ihn einfach loszubinden. So schnell er konnte, rannte Levi hinter das Haus zu seinem Vater aufs Feld, um ihn über das zu unterrichten, was er beobachtet hatte. Der lief wiederum rasch mit Levi vor das Haus, um nach dem Rechten zu sehen. Als der Vater sah, dass Levis Erzählung stimmte, sprach er sofort die beiden Fremden an: „Warum bindet ihr das Fohlen los?“ Die Männer antworteten: „Weil der Herr es braucht.“ Zu Levis großem Erstaunen, ließ sein Vater sich diese Antwort genügen und Levi sah mit großen Augen, wie sein Esel von den zwei Männern fortgeführt wurde.
Levi schleicht den Männern hinterher
Levis Vater ging seelenruhig wieder zurück zu der Arbeit, die er liegengelassen hatte und gab auf Levis neugierige Fragen keine Antwort. Da wurde es Levi zu dumm. Sollte der Vater etwa den Esel, auf den sich Levi seit einem Jahr gefreut hatte, einfach so abgeben? Würden die Männer ihn zurückbringen? Warum hatte der Vater nichts Näheres mit den Männern abgemacht? Levi zermarterte sich das Hirn mit diesen Fragen und während er grübelte setzen sich schon fast automatisch seine Füße in Bewegung. Er musste den zwei fremden Männern folgen und sehen, was sie mit Raffi machten und wer wohl dieser „Herr“ war, der sich einfach so ohne viele Erklärungen ihren kleinen Esel ausleihen durfte!
In gutem Abstand, aber so, dass er die Männer noch sehen konnte, lief Levi hinter ihnen her. Sein Herz klopfte, aber die beiden drehten sich niemals um und schienen nicht zu bemerken, dass Levi ihnen folgte. Nach einer kurzen Weile gelangten die beiden Fremden zu einer Gruppe von Menschen. Sie führten den Esel Raffi zu einem Mann, der inmitten der ganzen Menschen stand. Dort legten sie ihre Kleider auf den kleinen Esel und halfen dem Mann, sich darauf zu setzen. Andere zogen ebenfalls ihre Kleider aus und breiteten sie auf dem Weg in Richtung Jerusalem aus, auf dem der Mann nun dahinritt, so dass Raffi ganz weich auftreten konnte. Levi hatte nun keine Angst mehr, entdeckt zu werden, denn in der großen Menge von Menschen fiel er gar nicht weiter auf. Als er sah, dass Raffi so gut behandelt wurde, war er erleichtert und irgendwie war es ihm sogar eine Ehre, dass dieser scheinbar sehr edle Mann auf genau seinem Eselfohlen ritt.
Die Menschen lobten Gott und riefen „Hosanna“
Als sich Raffi mit dem fremden Mann schon dem Abhang des Ölbergs näherte, begannen die Menschen um Levi herum freudig und mit lauter Stimme zu rufen und Gott zu loben. Ja, Levi hatte sich nicht verhört, die Menschen lobten Gott und riefen laut „Hosanna“. Einige kamen dem Mann auf dem Esel aus der Stadt mit Palmzweigen entgegen und riefen ebenfalls „Hosanna, gepriesen sei unser König!“ Levi war sofort angesteckt: Er lief zu einem Baum, riss einen Zweig ab, rannte schnell wieder zurück zu dem Leuten, zu Raffi und zu dem fremden Mann, der auf ihm ritt und rief aus Leibeskräften „Hosanna, gepriesen sei unser König!“
Während Levi in die Jubelrufe einstimmte, kam einer der Männer, die am Morgen den Esel vor seinem Haus abgebunden hatten, neben ihn. Als Levi es bemerkte, freute er sich über die günstige Gelegenheit, seine Neugier zu stillen und fragte: „Wer ist dieser Mann auf dem Esel?“ „Das weißt du nicht?“, kam eine erstaunte Antwort, „das ist doch Jesus von Nazareth! Wir sind seine Freunde und Anhänger und sind schon lange mit ihm unterwegs. Er hat viele Menschen geheilt und uns von seinem Vater im Himmel erzählt! Heute Morgen trug er uns auf, ihm einen jungen Esel zu bringen.“ „Ja“, fiel ihm Levi eifrig ins Wort, „das ist nämlich mein Esel! Er heißt Raffi“, fügte er stolz hinzu. „Er gehört dir?“ gab der Mann zurück. „Dann musst das ja ein riesiger Freudentag für dich sein, dass Jesus auf deinem Esel reitet. Denn heute erfüllt sich ein altes Schriftwort. Es stammt vom Propheten Sacharja. Er hat vorausgesagt, dass der König, der unser Volk Israel erlösen wird, auf einem Eselsfohlen nach Jerusalem kommt. Ja, dein Esel Raffi trägt unseren König, unseren Retter! Hosianna!“ Levi war sprachlos über die großen Geschehnisse, in die er und sein Esel heute geraten waren. Immer neue Menschen stellten sich an die Ränder des Weges um Jesus zuzujubeln.
Eine kleine Aufgabe für dich, lieber Leser!
Da sah Levi mit einem Mal, wie Jesus ihn anblickte. Ja, er schaute genau ihn, genau Levi an. Mit den schönsten, liebevollsten Augen, die Levi je gesehen hatte, blickte ihn dieser Mann an. Und plötzlich war Levi einfach nur überglücklich. Überglücklich, dass er diesen Mann, der sein König war, gesehen hatte und noch glücklicher, dass er ihm sogar etwas geben konnte, seinen Esel. Er drängte sich zwischen den Menschen hindurch wieder nach draußen und rannte heim, mit einer Freude im Herzen, die er nie wieder verlieren wollte.
Und jetzt zu dir, lieber Leser: Sind dir die Ereignisse in der Geschichte bekannt vorgekommen? Am kommenden Sonntag feiern wir Palmsonntag. Wir erinnern uns daran, wie Jesus auf einem Esel in Jerusalem eingezogen ist und die Menschen ihre Kleider auf die Straße gelegt und mit Palmzweigen gewinkt haben. Sie haben „Hosanna“ gerufen und Jesus als ihren König verehrt. Nur wenige Tage, bevor Jesus dann am Kreuz sterben sollte. Als Levi, unser Junge aus der Geschichte, Jesus sah, hat er ihm auch begeistert zugejubelt. Für ihn war es die größte Freude, Jesus, dem König, etwas schenken zu dürfen.
Fällt auch dir etwas ein, was du Jesus schenken möchtest? Es kann ein Ding sein, es kann auch ein Bild oder etwas Gebasteltes sein oder du darfst Jesus auch mit etwas beschenken, was du ganz besonders gut kannst.

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