Bestimmt kennst Du die Weihnachtsgeschichte und weißt, wie es dazu kam, dass Joseph, ein einfacher Zimmermann aus Bethlehem, zum heiligen Ziehvater Jesu und zum Oberhaupt der Heiligen Familie wurde. Vielleicht weißt Du aber auch, dass die Kirche solche Menschen heiligspricht, die Gott schon zu Lebzeiten besonders nahe waren. „Nur“ der Ehemann der Frau zu sein, die den Sohn Gottes zur Welt gebracht hat, machte Joseph noch nicht zum Heiligen. Worin besteht also seine Heiligkeit? Die Antwort ist einfach: Joseph vertraute Gott und gehorchte ihm, wenn dieser zu ihm sprach – unabhängig davon, ob er verstand, was von ihm verlangt wurde.
Als seine Verlobte ihm erklärte, dass sie schwanger sei, muss er sehr verwirrt und auch verletzt gewesen sein. Er konnte sich nur vorstellen, dass das Kind von einem anderen Mann stammte. Dennoch vermied er es, seine Braut bloßzustellen. Als ihm im Traum ein Engel Marias Erklärung wiederholte, dass das Kind von Gott sei und die Menschheit erlösen sollte, glaubte er ihm. Als dieser ihm sagte, er solle Maria heiraten und dem Kind den Namen Jesus geben, gehorchte er. Als er erfuhr, dass er mit Maria und dem neugeborenen Jesus nach Ägypten fliehen sollte, gehorchte er wieder und lebte dort mit seiner Familie, getreu der Anweisung Gottes, Jesus und seine Mutter zu beschützen. Als ihm in weiteren Träumen geboten wurde, nach Israel zurückzukehren und nach Nazareth zu ziehen, tat er wieder genau so, wie es ihm gesagt worden war – voller Vertrauen und in großer Treue.
Der starke Patron der Kirche
Während es von anderen Heiligen Schriften, Reden, Briefe und sogar ganze Bücher gibt, ist von Joseph kein einziges gesprochenes Wort überliefert. Nachdem Maria und er den zwölfjährigen Jesus in Jerusalem verloren und im Tempel wiedergefunden hatten, wird er in der Bibel sogar nie wieder erwähnt. Keiner weiß genau, wie er gelebt hat und wann er gestorben ist. Und doch war dieser stille, starke Mann wesentlich für das Leben Jesu und für die ganze Kirche. Er schaffte und prägte das Umfeld, in dem Jesus aufwuchs, in dem er erzogen wurde und lernte, was es bedeutet, ein Mann, ein Handwerker und ein gläubiger Jude zu sein. Er wird Jesus beigebracht haben, wie man betet, er muss ihn mit der heiligen Schrift und den jüdischen Traditionen vertraut gemacht haben. Zusammen mit Maria lebte er ganz dafür, für Jesus zu sorgen – im großen Vertrauen darauf, dass dieser zum richtigen Zeitpunkt seine Aufgabe wahrnehmen würde, die Welt zu erlösen.
In der Tradition der Kirche spiegelt sich die Bedeutung Josephs wider – er gilt sogar als Schutzpatron der ganzen Kirche. Ihm sind nicht nur einer, sondern gleich drei Gedenktage gewidmet: Am 19. März gedenken wir seiner als Ehemann der Jungfrau Maria, am 1. Mai wird er als Patron der Arbeiter gefeiert, und am Sonntag nach Weihnachten, dem Fest der Heiligen Familie, als Ziehvater Jesu und Beschützer der Heiligen Familie. Der 19. März ist sogar ein Hochfest, was in der Fastenzeit besonders schön ist: An diesem Tag dürfen wir zu seinen Ehren sogar das Fasten unterbrechen!
Saubohnen und Semmelbrösel
An vielen Orten auf der Welt wird der heilige Joseph besonders verehrt und sein Gedenktag mit verschiedenen Traditionen gefeiert. So gilt er als Schutzpatron der Insel Sizilien, weil durch seine Fürsprache im Mittelalter eine große Hungersnot abgewendet worden sein soll. Die Sizilianer feiern das mit der „tavola di San Giuseppe“, einem dreistöckigen Tisch voller köstlicher Speisen und Dankesgaben. Üblicherweise werden Arme aus der Nachbarschaft von wohlhabenderen Familien zum Essen eingeladen und die Reste an benachteiligte Menschen verteilt.
An anderen Orten in Italien werden zu seinen Ehren Freudenfeuer entzündet und „zeppole“ (eine Art Krapfen) gebacken. „Maccu di San Giuseppe“, eine besondere Suppe oder Paste aus Saubohnen, erinnert an die Bohnen, die eigentlich als Schweinefutter gedacht waren und den Sizilianern während der Hungersnot das Leben retteten. Auf Malta feiern Familien am Josephstag zusammen die Messe und machen danach gemeinsam ein Picknick. In Spanien wird der „día de San José“ sogar als Vatertag gefeiert. Kinder machen ihren Vätern Frühstück und schenken ihnen eine Kleinigkeit.
Eine besonders lustige Tradition ist die „pasta alla tavola“: Italienische Pasta, vermischt mit gerösteten Semmelbröseln und geriebenem Parmesan, wird direkt vom Tisch oder von einem großen Holzbrett gegessen – ohne Teller und Besteck! Die Brösel und Parmesanflocken symbolisieren Sägemehl und Sägespäne aus Josephs Werkstatt, das Holzbrett (oder der Holztisch) steht für seinen Beruf und auch das Essen mit bloßen Händen soll an den Heiligen erinnern, der immer mit den Händen gearbeitet hat.
Den heiligen Josef mal ganz besonders feiern
Vielleicht bekommst auch Du Lust, mit Deiner Familie den Josephstag besonders zu feiern. Hier sind ein paar Ideen dafür:
Stellt eine Statue des heiligen Joseph auf – bestimmt habt ihr eine Krippenfigur, die ihr dafür noch einmal auspacken könnt. Vielleicht dekoriert ihr den Tisch mit Werkzeug und Lilien, die ein Symbol für die Reinheit des Heiligen sind. Wer gerne bastelt, kann auf einen Karton mit Flüssigkleber den Namen „Joseph“ schreiben oder den Umriss eines Werkzeugs malen. Danach könnt ihr den Schriftzug mit trockenen Bohnen bekleben. Tragt die Farbe rot, die auch in Italien zum Fest des Heiligen Joseph getragen wird. Betet besonders für die Kirche, die Familien, Väter, schwangere Mütter, Reisende, Einwanderer, Handwerker, Ingenieure und Arbeiter, und alle die, die ein Haus bauen, kaufen oder verkaufen wollen – denn Joseph gilt als Schutzpatron für sie alle. Und wer weiß, vielleicht schafft ihr es, Eure Eltern zu einer „pasta alla tavola“ zu überreden?

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