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Babyglück für alle, außer das Baby

Leihmutterschaft ist in Deutschland zwar eine Straftat. Doch der Staat drückt beide Augen fest zu, wenn die Käufer Papiere für ein im Ausland gekauftes Kind haben wollen.
Der CDU-Abgeordnete Hendrik Streeck mit seinem Lebenspartner Paul Zubeil
Foto: IMAGO / APress | Seine Mitteilung über das Elternglück hat für viel Aufklärung gesorgt, und wirft Fragen auf: der CDU-Abgeordnete Hendrik Streeck mit seinem Lebenspartner Paul Zubeil.

Die Medienrepublik freut sich über das gemeinsame „Babyglück“ des CDU-Abgeordneten Hendrik Streeck und seines Lebenspartners Paul Zubeil. Gemeinsamer Nachwuchs? Es gehört zum guten Ton des (Lob-)Liedes der Diversität, biologische Tatsachen zu ignorieren. Dennoch ist dem schwer (um-)erziehbaren Zeitgenossen bewusst: Zwei Männer können natürlicherweise unmöglich gemeinsam „Eltern werden“. Einiges deutet darauf hin, dass das Baby, um das es hier geht, durch Leihmutterschaft geboren ist. Denn für eine Adoption muss man nicht in die USA reisen. Und das wirft Fragen auf.

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Denn Leihmutterschaft bedeutet: Eine Einzelperson oder ein Paar schließen mit einer dritten Partei einen Vertrag über die Austragung eines Kindes. Es fließt viel Geld. Sehr viel Geld. Bei Agenturen können die Käufer gegen entsprechenden Aufpreis auch genetische Parameter des Kindes bestimmen. Neun Monate später reisen sie ins Ausland, um dort das Produkt dessen in Empfang zu nehmen, was in Deutschland eine Straftat ist.

Die Medien feiern die Straftat

Der deutsche Staat drückt aber beide Augen fest zu, wenn die Käufer nach begangener Tat Papiere für das gekaufte Kind haben wollen. Auch nach vier Jahren Fortschrittskoalition hält Deutschland theoretisch weiterhin daran fest, Elternschaft biologisch zu definieren. Das heißt: Die Mutter des Kindes ist immer die Geburtsmutter. In den USA zum Beispiel ist das anders: In manchen Bundesstaaten können statt der Geburtsmutter die Käufer in die Geburtsurkunde des Kindes eingetragen werden – auch wenn es zwei Männer sind. Das sollte deutschen Ämtern bei Ausstellung der Papiere eigentlich auffallen. Tut es natürlich auch, wird aber unter Hinweis auf das Kindeswohl geflissentlich ignoriert. Was natürlich weitere Käufer dazu ermutigt, den gleichen Weg zu gehen.

Wie auch immer, die Straftat wird in Deutschland nicht geahndet, sondern in den Medien gefeiert. Die tun ihr Übriges dazu, vergessen zu machen, dass diese Familienkonstellation auf einer Damnatio Memoriae beruht: die der Mutter des Kindes und seiner eigentlichen Herkunft. Nur: Das Kind vergisst das nicht. Es wird nach seiner Geburt von der einzigen Person getrennt, die es kennt, ja, die neun Monate lang seine ganze Welt war.

Entwicklungspsychologie und Neurowissenschaften wissen mittlerweile ziemlich gut, wie entscheidend die Erfahrungen eines Kindes im Mutterleib seinen weiteren Weg prägen. Das Kind startet ins Leben mit einem Verlust. Dem größten, der einem kleinen Menschenkind begegnen kann. Jahre später wird es vielleicht erfahren, dass es gekauft wurde und die Menschen, bei denen es aufgewachsen ist, die sind, die diesen Verlust zu verantworten haben.

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