Diese Kolumne befasst sich regelmäßig mit Fragen zu Sexualität und Partnerschaft. Am Schluss des Textes können Sie anonym Ihre Fragen einreichen.
„Verantwortungsbewusste Elternschaft“ ist ein wichtiges Stichwort in kirchlichen Dokumenten, speziell in der Enzyklika „Humanae vitae“ vom 25. Juli 1968. Der Papst schreibt dort, dass sich jedes Ehepaar „hochherzig“ für einen größeren Kinderreichtum entscheiden soll. Es gibt jedoch ernste Gründe, zeitweilig oder auf Dauer auf weitere Kinder zu verzichten. Die Zahl der Kinder ist eine höchst persönliche Entscheidung jedes Paares.
Die Enzyklika nennt vier Bereiche, die es erforderlich machen können, zeitweilig oder auf Dauer auf weitere Kinder zu verzichten: die gesundheitliche, wirtschaftliche, seelische und soziale Situation.
Seitens des Lehramtes wird nicht genauer darauf eingegangen, was nun die richtige Kinderzahl ist. In unserem Kulturkreis wird unter Familie verstanden, dass ein Elternpaar oder ein Elternteil zumindest ein Kind hat, wie auch im Duden nachzulesen ist. Aufgabe des Staates und der Gesellschaft wäre es, Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Paare jene Kinder bekommen können, die sie erhoffen und „verantworten“ können. Wenn es eine verantwortungsbewusste Elternschaft gibt, so kann es unter Umständen auch unverantwortlich sein, weitere Kinder zu bekommen! Letztlich geht es um die Hochherzigkeit und das Prüfen, ob weitere Kinder mit der individuellen Lebenssituation vereinbar sind.
Dem göttlichen Schöpfungsplan entsprechen
Wenn die medizinische Situation es erfordert, dass zum gegenwärtigen Zeitpunkt eine Schwangerschaft ausgeschlossen werden sollte, wäre es unverantwortlich, eine Schwangerschaft anzustreben. Auch ein Paar, das keine Kinder bekommen kann oder weniger Kinder hat, als es möchte (was etwa 20 Prozent der Paare betrifft), ist ein gültig verheiratetes Ehepaar.
In der Enzyklika heißt es weiter, dass die verantwortungsbewusste Elternschaft einen inneren Bezug zur sogenannten objektiven sittlichen Ordnung hat, die auf Gott zurückzuführen ist, und deren Deuterin das rechte Gewissen ist, wie „Humanae vitae“ sagt: „Die Aufgabe verantwortungsbewusster Elternschaft verlangt von den Gatten, dass sie in Wahrung der rechten Güter- und Wertordnung ihre Pflichten gegenüber Gott, sich selbst, gegenüber ihrer Familie und der menschlichen Gesellschaft anerkennen. Daraus folgt, dass sie bei der Aufgabe, das Leben weiterzugeben, keineswegs ihrer Willkür folgen dürfen, gleichsam als hinge die Bestimmung der sittlich gangbaren Wege von ihrem eigenen und freien Ermessen ab. Sie sind vielmehr verpflichtet, ihr Verhalten auf den göttlichen Schöpfungsplan auszurichten, der einerseits im Wesen der Ehe selbst und ihrer Akte zum Ausdruck kommt, den andererseits die beständige Lehre der Kirche kundtut.“
Die „Katholizität“ oder das „Familie-Sein“ hängt jedoch nicht davon ab, wie viele Kinder ein Ehepaar hat. Dazu sind die jeweiligen Umstände zu individuell. Die Offenheit für Kinder ist eine Voraussetzung für die Gültigkeit einer Ehe, ernste Gründe können es aber erforderlich machen, unter Umständen sogar gänzlich auf Kinder zu verzichten. Hier ist zu unterscheiden einerseits zwischen der grundsätzlichen Bereitschaft und andererseits den Umständen, die diesem Willen entgegenstehen. Denkbar wären hier medizinische Gründe, aber auch die Situation, dass ein Paar wegen eines Krieges auf der Flucht ist, dass durch Arbeitslosigkeit die finanziellen Mittel sehr knapp sind oder dass psychische Probleme vorliegen, die es massiv erschweren, die Energie für die Erziehung der Kinder aufzubringen.
Es ist jedes Paar gefordert, auch im Gebet und eventuell mit geistlicher Begleitung zu überlegen und zu prüfen, welchen Plan Gott für sie hat.
Der Autor ist Professor und Institutsvorstand für Moraltheologie und Bioethik an der Hochschule Benedikt XVI. Heiligenkreuz sowie Diözesanfamilienseelsorger der Diözese St. Pölten.
Haben Sie Fragen zu Sexualität und Partnerschaft? Hier können Sie unseren Experten anonym Ihre Frage stellen. Wir berücksichtigen Sie bei einer der kommenden Kolumnen. Vielen Dank für Ihre Mitwirkung!
Vertrauensgarantie: Ihre Frage geht anonym ein. Ihre E-Mail-Adresse können Sie freiwillig angeben.
Bei der Kolumne „Sex and Soul“ handelt es sich um einen Meinungsbeitrag, der Leserfragen ausschließlich in allgemeiner Weise aufgreift und keine persönliche Beratung leistet.
Unabhängig davon bietet die Tagespost weder im Rahmen dieser Kolumne noch anderweitig persönliche Beratungsleistungen an.
Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.









