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Reformation: Wegbereiter der Aufklärung

Die protestantische Geschichtsschreibung nicht nur alte, katholische Mythen verworfen, sondern auch neue, evangelische Mythen erschaffen.
Briefmarken zu Martin Luther
Foto: Martin Schutt (ZB) | Preußen inszenierte Luther als deutschen Volkshelden. Seine historische Substanz baute maßgeblich auf der Erfolgsgeschichte seit der Reformation auf. Im Bild: Luther-Briefmarken aus Brasilien aus dem Jahr 2017.

Historikern gilt die Reformation als Wegbereiter der Aufklärung. Dabei hat die protestantische Geschichtsschreibung nicht nur alte, katholische Mythen verworfen, sondern auch neue, evangelische Mythen erschaffen. Dass die Reformation ihren Siegeszug eher fürstlicher Reichspolitik als einer Volksbewegung zu verdanken hat, ist eine Ansicht, die sich heute nicht nur bei Apologeten des Trienter Konzils findet.

Preußen inszenierte Luther als deutschen Volkshelden

Das war vor 100 Jahren noch anders. Preußen inszenierte Luther als deutschen Volkshelden. Seine historische Substanz baute maßgeblich auf der Erfolgsgeschichte seit der Reformation auf: von der Mark Brandenburg über das Königreich Preußen zum Einiger Deutschlands. Die katholische Phase Brandenburgs geriet zu einer bloßen Patina, die sich auf die märkische Volksseele gelegt hatte, und nur darauf wartete, von Luther zum wahren Christentum zu finden. Der Norden und der Osten Deutschlands wurden quasi über Nacht protestantisch.

Dabei zeigt gerade das Haus der brandenburgischen Hohenzollern eine bemerkenswerte katholische Kontinuität auf – trotz äußeren Bekenntnisses zum Luthertum. Die von Luther bekämpfte Reliquienverehrung hielten die Kurfürsten bei. Als Johann Sigismund 1613 zum Calvinismus konvertierte, begehrte die lutherische Mehrheitsbevölkerung auf. Die calvinistische Bedrohung führte zu einer Konservierung katholischer Traditionen, um sich abzugrenzen: Fronleichnamsprozessionen galten den Berliner Lutheranern als Beweis der Orthodoxie.

Fall Brandenburg nur ein Beispiel von vielen

Der Fall Brandenburg ist dabei nur ein Beispiel von vielen. Katholische Substrate überlebten im protestantischen Deutschland bis zum Dreißigjährigen Krieg – in einigen Gemeinden sogar noch bis ins 19. Jahrhundert. Sie sind nicht nur der Beweis für eine längere Transformationsphase in der Geschichte der Reformation – sondern auch für die Beharrungskräfte des Katholizismus.

DT/mga

Warum die Reformation vor allem auch eine Verteilung von Reichtum war, lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der „Tagespost“ .

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Redaktion Evangelische Kirche Martin Luther

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