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Preußens Gloria mit viel Italien und ein bisschen Orient vereint

Vor 150 Jahren wurde die katholische Kirche St. Peter und Paul in Potsdam geweiht. Der Bau untermauert den Machtanspruch Preußens auch in Kirchenfragen. Eine Kirchweihe am Vorabend des Kulturkampfes.
Blick über Potsdam Holländisches Viertel mit Kirche St Peter und Paul
Foto: imago stock&people | Blick über Potsdam, Holländisches Viertel mit Kirche St. Peter und Paul.

Das gesamte europäische Staatensystem war in Bewegung, als am 7. August 1870 die Kirchweihe  der katholischen Kirche St. Peter und Paul in Potsdam stattfand. Einen Monat später hatten italienische Truppen den Kirchenstaat besetzt, der fast kampflos unterging. Zum 150. Jubiläum der Kirchweihe hat drei Tage lang ein Erzbistum Berlin ein Festprogramm veranstaltet.

Los von Rom

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Die Kirchweihe lief noch friedlich ab, der Kulturkampf schwelte um 1870 erst langsam. Der preußischen König wollte einen „Kulturuniversalismus“, in dem auch südliche und südöstliche Einflüsse in dem Kirchenbau Einzug hielten. Denn Preußen hat im ausgehenden 19. Jahrhundert mit großer Anstrengung versucht, auf die katholischen Untertanen Einfluss zu gewinnen.

Die Loslösung von Rom war eine Forderung, für die man sich großzügig bei großen Kirchenbauprojekten wie in Potsdam oder der Vollendung des Kölner Doms gab. So fällt der Bau von St. Peter und Paul vor 150 Jahren genau auf den Vorabend der Auseinandersetzungen, die in die stärkere Trennung von Staat und Kirche mündeten. Dass  mitten im evangelischen Preußen eine katholische Kirche entstand, ist vor diesem geschichtlichen Hintergrund zu verstehen.

 

DT/ari

Vor 150 Jahren wurde St. Peter und Paul in Potsdam geweiht. Lesen Sie mehr zur Geschichte und zur Jubiläumsfestwoche des Erzbistums Berlin in der kommenden Ausgabe der Tagespost. Holen Sie sich das ePaper dieser Ausgabe

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