Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung TAGESPOSTING

Weihnachtsleiche am „Tussibaum“?

Sicherlich halten es viele für makaber oder geschmacklos, eine Leiche ausgerechnet an der Weihnachtskrippe abzulegen. Aber – wir können und wollen es nicht leugnen: da gehört eine Leiche ja auch eigentlich hin.
Prälat Wilhelm Imkamp

Haben wir doch am zweiten Weihnachtstag den Festtag des ersten Märtyrers der Kirche, den des hl. Stephanus gefeiert. Sein Fest ist sogar älter als das Weihnachtsfest! Seine Leiche verdirbt uns das Fest also nicht, sondern – im Gegenteil – erklärt es uns in seiner ganzen Bedeutungsschwere.

Der hl. Stephanus ist ja nicht umgebracht worden, weil er als erster Caritasdirektor milde Gaben verteilt hätte, er ist umgebracht worden, weil er an die Menschwerdung Gottes geglaubt hat und diesen Glauben nicht versteckte, sondern offen bekannte. Sein gewaltsamer Tod ist tatsächlich ein Kollateralschaden des frühen interreligiösen Dialogs, der damals noch als Mission verstanden wurde. „Missionarisch Kirche sein“ ist zwar „in“, erschöpft sich heute aber zumeist in interreligiösen Dialogforen und binnenkirchlicher Hektik. Die Inkarnation, die Fleischwerdung Gottes, wird dabei häufig sorgfältig beschwiegen; ist sie doch für viele Dialogpartner schlechthin Gotteslästerung.

Aber Weihnachten ist eben nicht das Gründungsfest einer Sozialstation oder einer nachhaltigen, nikotinfreien, birkenstocksandalierten Multi-Kulti-Fete. Wir feiern ja gerade nicht den Geburtstag von Buddhas Sohn im Stall von Mekka. Manche empörte Kritik am Konsumverhalten ist genauso spießig wie das kritisierte Konsumverhalten. Sozialromantik und Klimahysterie, die so gerne im Mittelpunkt gepflegter Dialogprozesse stehen, können sich wie ein Plumeau auf die Krippe legen und die größte Botschaft der Welt, ja der Geschichte des Universums ersticken – und zwar nachhaltig.

In der Krippe geht es schließlich umweltfreundlich zu, Heizenergie wird nicht gebraucht und auf der Flucht ist die hl. Familie ebenfalls. In diesem Sinn ist der aufgeklärte und mündige Christ sozusagen „weihnachtsmäßig voll drauf“ (Bildzeitung). Der Weihnachtsbaum ist keine Jahresendzeitdekoration, kein „Tussibaum“, er soll wirklich ein Christbaum sein und als „Paradiesbaum“ an das Urversagen der Menschheit erinnern und auf die Erlösung am Holz des Kreuzes hinweisen. Die Botschaft von Weihnachten ist eine Botschaft der Erlösung. Und zwar der Erlösung von der Erbsünde und der daraus sich ergebenden Öffnung des himmlischen Reiches.

Die Erlösung, die mit dem „Ja“ Mariens beginnt, tritt Weihnachten in die sichtbare Realität der Weltgeschichte ein. Schöpfung und Menschwerdung sind die Grundpfeiler jeglicher Menschenrechte. Wo dieser Glaube fehlt, triumphieren Abtreibung, Euthanasie und Genderwahnsinn. Die Leiche des hl. Stephanus an der Krippe mahnt uns zum Bekenntnis. Wir wollen, sollen und können nicht „weihnachtsmäßig voll drauf sein“. Die von Herodes getöteten Kinder, der hl. Stephanus, der Hl. Thomas Becket – an dessen Martyrium die Kirche in dieser Woche auch erinnert – waren es jedenfalls nicht.

 

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe

Themen & Autoren
Blasphemie Erlösung Kirchen und Hauptorganisationen einzelner Religionen

Weitere Artikel

Die erste Enzyklika Papst Leos hebt die Kennzeichen des Menschseins hervor: Liebe, Vergebung und das Ziel der Ewigkeit.
03.06.2026, 10 Uhr
Peter Schallenberg
Ein Faktencheck der „Tagesschau“ über Kirchenbrände stößt bei der Beobachtungsstelle OIDAC auf Kritik.
25.10.2026, 09 Uhr
Patrick Peters

Kirche

Künstliche Intelligenz kann Daten verarbeiten, aber keine Verantwortung übernehmen. Papst Leo XIV. verteidigte in „Magnifica Humanitas“ die menschliche Urteilskraft.
01.11.2026, 09 Uhr
Christoph Fehring
Es gibt ab Samstag neue US-amerikanische Selige: Fünf Franziskaner, die 1957 von Ureinwohnern in Georgia ermordet wurden. Der Grund: Sie verteidigten die monogame Ehe.
31.10.2026, 05 Uhr
Claudia Kock
Halloween wurde zum Filmthema – und machte den Grusel-Tag hierzulande populär. Ein Horrorfilm spiegelt gesellschaftliche Verhältnisse und hinterfragt Selbstverständliches.
31.10.2026, 11 Uhr
Fabian Bell
Ist es falsch, dass die Kirche sich gegen die Todesstrafe stellt? Nein, denn jeder Mensch hat eine unantastbare Würde. Und zwar nicht erst seit Papst Franziskus.
29.10.2026, 21 Uhr
Maximilian Welticke