Selbstfindung

Karoline Herfurths Spielfilm „Wunderschön“ prangert an

Karoline Herfurths Spielfilm „Wunderschön“ prangert die Schönheitszwänge und andere gesellschaftlichen Erwartungen an.
Flimszene aus Karoline Herfurths Spielfilm „Wunderschön“
Foto: Warner | Sonja (Karoline Herfurth) wünscht sich, dass ihr Mann Milan (Friedrich Mücke) ihr mehr Aufmerksamkeit widmet und in der Familie mehr hilft. Aber Milan ist zu beschäftigt mit der erfolgten Beförderung in seinem Beruf.

Der Schönheits- oder allgemeiner gefasst der Optimierungswahn gehört zu den Zwängen der modernen Gesellschaft. Jung und schön muss der moderne Mensch und insbesondere die moderne Frau sein. Dass man mit 25 zum „alten Eisen“ gehört, erfährt in Karoline Herfurths dritter Regiearbeit „Wunderschön“ Julie (Emilia Schüle), die alles tut, um ihren Körper dem Schönheitsideal anzupassen, damit sie den lange erhofften Durchbruch auf dem Laufsteg endlich schafft, und dabei sich mit Drogen und Medikamenten vollpumpt.

Ihre Schwägerin Sonja (Karoline Herfurth) findet sich nach dem „Babyspeck“ zweier Schwangerschaften nicht mehr attraktiv, und befürchtet, dass ihr Mann Milan (Friedrich Mücke) genauso empfindet. Er ist allerdings mit seiner Beförderung so sehr beschäftigt, dass der junge Mann keinen Blick für den Druck hat, unter dem Sonja leidet. Sonjas beste Freundin Vicky (Nora Tschirner) möchte sich lieber nicht binden, denn sie meint, ein selbstbestimmtes Leben könne sie nur führen, wenn sie Single bleibt. Ihr neuer Kollege Franz (Maximilian Brückner) würde sie allerdings gern vom Gegenteil überzeugen.

„Hinter der komödiantischen Fassade lauern ernstzunehmende Fragen,
mit denen sich insbesondere die weiblichen Figuren auseinandersetzen müssen, (...)
vor allem jedoch wie sich Familie und Beruf miteinander so vereinbaren lassen,
dass alle damit zufrieden sind“

Julies und Milans Mutter Frauke (Martina Gedeck), die sich auf die 60 zubewegt, steckt in einer Art verspäteter „Middle-Life-Crisis“: Sie versucht alles mögliche, damit ihr Mann Wolfi (Joachim Król) sie wieder wahrnimmt. Wie sein Sohn ist auch er zu sehr mit sich selbst beschäftigt, denn nachdem er in Rente ist, weiß Wolfi nicht so recht, was er anfangen soll. Das Figurenensemble vervollständigt Leyla (Dilara Aylin Ziem), die nicht dem Schlankheitsideal entspricht, das ihre Mutter Gabo (Melika Foroutan) in ihrer Modelagentur einfordert.

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Das von Karoline Herfurth zusammen mit Monika Fäßler und Lena Stahl verfasste Drehbuch verwebt die Geschichten der einzelnen Figuren mehr oder weniger lose miteinander. Wobei der Film von Alltagsbeobachtungen, die teils klischeehaft anmuten, manchmal an Loriots Diktum „Männer und Frauen passen nicht zusammen“ erinnern, teils jedoch echte Überraschungen bieten. Oder auch eine ironische Brechung bekommen, etwa als Vicky meint, Franz' Hinterherpfeifen gelte ihr.

Die Darsteller sind sichtlich mit Freude dabei

 

Die Themen, um die sich Herfurths Film dreht, sind natürlich nicht neu, aber die glaubwürdigen Darsteller – insbesondere selbstverständlich die Darstellerinnen – sind sichtlich mit viel Freude dabei. Sie passen auch gut zueinander – wie es so schön heißt, die Chemie zwischen ihnen stimmt. Zwar nimmt sich der Rhythmus sehr unterschiedlich aus – einige Stränge wirken etwas überdreht, andere viel ruhiger, so insbesondere der um die dickliche Leyla, die sich in den bestaussehenden Baseballspieler ihres Vereins verliebt. Karoline Herfurth gelingt es dennoch, auf Themen wie Aussehen oder auch Emanzipation einen frischen Blick zu werfen.

Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern werden sichtbar

Hinter der komödiantischen Fassade lauern ernstzunehmende Fragen, mit denen sich insbesondere die weiblichen Figuren auseinandersetzen müssen, etwa der Umgang mit dem eigenen Bild und der Frage, wie die anderen uns sehen (sollen), vor allem jedoch wie sich Familie und Beruf miteinander so vereinbaren lassen, dass alle damit zufrieden sind. Interessant dabei, dass „Wunderschön“ offenkundig zwischen den beiden Möglichkeiten schwankt: Beide Elternteile berufstätig und immer im Stress, oder auch die Hausfrau-Variante. „Für Männer ändert sich durchs Kinderkriegen gar nichts, für Frauen alles“, sagt die vermeintliche Emanze Vicky. Aber Sonja kontert mit der scheinbar unzeitgemäßen Feststellung: „Muttersein ist der schwerste Job der Welt. Nur, er wird nicht bezahlt. Wenn Männer ihn machen würden, wäre er am besten bezahlt.“


„Wunderschön“ startet im Kino am 3. Februar

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José García Familie Kinderkriegen

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