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Sendeschluss für „Church Militant“

Das traditionalistische Nachrichtenportal steht nach einem Rechtsstreit vor dem Aus.
Für Michael Voris und „Church Militant“ schließt sich das finale Kapitel.
Foto: IMAGO/KIMBERLY P. MITCHELL (www.imago-images.de) | Für Michael Voris und „Church Militant“ schließt sich das finale Kapitel.

Die schlechten Schlagzeilen begannen schon im letzten Jahr. Nicht, dass das Nachrichtenportal „Church Militant“, das selbst in den traditionelleren katholischen Kreisen US-Amerikas verpönt war, nicht an Kritik gewöhnt gewesen wäre: Bereits 2011 kritisierte das „National Catholic Register“, Teil des EWTN–Netzwerks, die Berichterstattung von „Church Militant“-Gründer Michael Voris als „inquisitorische Subkultur“ und akulturkämpferisch. Ein Jahr später verbot die Diözese von Detroit Voris, der damals unter dem Titel „RealCatholic.TV“ agierte, den Begriff „katholisch“ öffentlich für seine Arbeit zu verwenden. Zwölf skandalträchtige Jahre später steht die Seite vor ihrem Ende – und Voris alleine da.

Verstoß gegen Moralklausel

Denn der erste Schlag für die Seite und die dahinterstehende Non-Profit-Organisation St. Michael's Media war der Rücktritt von Michael Voris im November 2023. Wie die „Washington Post“ nur wenig später berichtete, hatte Voris männlichen Angestellten Selfies mit nacktem Oberkörper geschickt.

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„Church Militant“ schien entschlossen, mit Voris den Ballast der damit einhergehenden schlechten Presse abzuwerfen. Doch am Horizont braute sich bereits das nächste Unwetter zusammen: Schon zwei Jahre zuvor hatte Georges de Laire, ein Vikar aus der Diözese von Manchester in New Hampshire, eine Klage wegen Diffamierung erhoben. „Church Militant“ hatte den Priester im Zuge seines Umgangs mit einer traditionalistischen Sekte, den „New Hampshire Slaves of the Immaculate Heart of Mary“, heftig kritisiert. Laut Damien Fisher vom Catholic Review halten die „Slaves“ an Lehren des kontroversen Jesuiten Leonard Feeney fest, der das Dogma des exklusiven Heilsanspruches der Kirche extrem rigoristisch auslegte. De Laire hatte der Gruppe im Januar 2019 nach Disputen mit dem Glaubensdikasterium verboten, sich weiter als „katholisch“ zu bezeichnen. Im Verweis auf anonyme Quellen aus dem Vatikan und der Diözese bezeichnete „Church Militant“ de Laire in ihrer Berichterstattung über den Fall unter anderem als inkompetent und emotional instabil – doch diese Quellen, wie sich im Zuge des Rechtsstreites herausstellen sollten, hatte es nie gegeben.

Spendengelder auf dem Spiel

Im Winter 2023 zog sich die Schlinge langsam zu: Church Militant deutete an, eine eigene Anklage gegen Michael Voris vorzubringen, während der laufende Rechtsstreit mit de Loire hässliche Züge annahm. Medien berichteten, dass „Church Militant“-Mitglieder Beweise unterschlagen und Voris einen zentralen Zeugen, den mutmaßlichen Autor des Artikels, den Kirchenrechtler Marco Balistrieri, eingeschüchtert zu haben. Balistrieri hatte zur Zeit des Konfliktes um die „Hampshire Slaves“ für die Gruppe gearbeitet, und soll, so die Vorwürfe, die falschen Behauptungen über de Laire verbreitet haben, um Aufmerksamkeit und Spenden für die „Slaves“ zu generieren, die sein eigenes Gehalt finanzieren sollten. Zur gleichen Zeit sickerte durch die Medien, dass „Church Militant“ kaum die finanziellen Mittel aufbringen können würde, um die Forderungen von de Laire erfüllen: Die zwei Büros der Organisation in Ferndale, Michigan, die Ausrüstung der Non-Profit-Organisation sowie Spendengelder von Unterstützern – kurz: Alles stand auf dem Spiel.

Nur wenige Wochen später, Anfang März, kamen de Laire und „Church Militant“ zu einer außergerichtlichen Einigung. 500 000 Dollar würde die Medienorganisation zahlen und eine Entschuldigung veröffentlichen. Im selben Atemzug kündigte das Nachrichtenportal sein eigenes Ende an: Ab dem 1. April würde sie ihren Betrieb einstellen. Doch schon wenige Tage nach dieser Nachricht (und das bis heute) ist die Website des Portals nicht länger erreichbar – Besucher erhalten nur eine Fehlermeldung.

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