Würzburg

Kommentar um "5 vor 12": Mütter brauchen keine Pornos machen

Eine neue "Doku"-Reihe auf Sat1 zeigt Mütter, die ein vermeintliches Aufklärungsvideo machen. Sowas braucht eigentlich niemand.
Ein sieben Jahre alter Junge mit Smartphone in der Nacht
Foto: Adobe Stock | Man fragt sich, was an diesem Format noch irgendwie dem Jugendschutz oder einer gesunden Vorstellung von Sexualität dienen soll. Symbolbild: Ein sieben Jahre alter Junge mit Smartphone in der Nacht

Video-Tutorials gibt es mittlerweile wohl zu allem und jedem. Ob und wie sinnhaft und hilfreich das ist, mag man im Einzelfall entscheiden. Aber braucht es wirklich ein „pädagogisch wertvolles“ Video, um Sex zu lernen? Nicht dass ohnehin mittlerweile gefühlt jedes dritte Musik- oder Werbevideo ein halber Porno ist. Doch der Trend zur sexuellen Aufklärung wird immer skurriler.

So geht Sex

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„Mütter machen Porno“, heißt eine neue „Doku“-Reihe - die Formatbezeichnung könnte den Eindruck eines seriösen Inhaltes vermitteln – auf Sat1. Folge 1: „So geht Sex!“ Gut, dass sich endlich jemand darum kümmert, dass die Heranwachsenden, am besten so früh wie möglich, anschaulich lernen, wie das alles funktioniert. Natürlich auf ganz „wertschätzende“ Art und Weise. Denn das ist auch das Argument für die Mütter – oder den Sender, die Einschaltquoten und das letzte bisschen Gewissen – dass es dringend so ein Video braucht: Es sei schrecklich, was Kinder und Jugendliche frei zugänglich an Pornographie im Internet sehen können.

Angeblich "gute Pornos"

So ein verzerrtes Bild von Sexualität wolle man den eigenen Kindern nicht zumuten. Also führen die fünf Sat1-Mütter Regie für einen „guten“ Porno, der alles wieder ins richtige Licht rücken soll. Sat1 spart dabei nicht mit gnädigerweise verpixelten Szenen – die Geräusche durften bleiben – und man fragt sich, was an diesem Format und am Projekt selbst noch irgendwie dem Jugendschutz oder einer gesunden Vorstellung von Sexualität dienen soll. Ganz abgesehen davon, dass mit dem Erscheinen dieses pädagogischen Meisterwerkes die Wahrscheinlichkeit, weiterhin mit „echten“ Pornos konfrontiert zu werden, wohl kaum abnehmen wird. Es verwundert, dass die Menschheit durch jahrtausende vorvideografischer Zeiten ohne Sex-Tutorials fortbestehen konnte. Vielleicht liegt es daran, dass die Menschen wussten, dass es nicht um Sex mit Wertschätzung geht, sondern um Liebe mit Ausdruck.

Weitere Hintergründe zur Sat1-Sendung „Mütter machen Porno“ lesen Sie im „Dicken Hund“ der kommenden Ausgabe. Holen Sie sich das ePaper dieser Ausgabe kostenlos

Themen & Autoren
Annalia Machuy

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