Kommentar um "5 vor 12"

Das junge Medien-Misstrauen

Argwohn gegen Journalisten. Laut einer aktuellen Studie vertrauen Kinder und Jugendliche den Nachrichten nicht mehr. Bedenkliche Entwicklung macht Umdenken nötig.
Jugendliche
Foto: Gao Jing (XinHua) | Junge Menschen misstrauen den Medien und den Journalisten. Das ergab eine Studie der Uni Bielefeld.

Wem kann man heute noch vertrauen? Jedenfalls nicht Journalisten. Das sagen zumindest zwei Drittel der Jugendlichen in Deutschland. 75,8 Prozent misstrauen laut einer aktuellen Studie der Universität Bielefeld noch dazu den Zeitungen.

Zweifel und Skepsis sind laut Studienleiter Holger Ziegler zwar bei Heranwachsenden zu erwarten. Aber hier demonstriere ein großer Teil der circa 1500 Befragten eine „gefährliche Verschwörungsneigung“ – und das, obwohl sich Medien alle Mühe machen, über Verschwörungstheorien aufzuklären. 

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Schwarz - weiß

Aber die Generation, die jetzt noch unter sechzehn Jahre alt ist, erlebt Krisen und Politik durch den Filter von Internet und sozialen Medien. Ihnen ist zumindest zum Teil bewusst, dass die Informationen, die sie erreichen, immer mit einer unsichtbaren Rechnung daherkommen.

Selbst die herkömmlichen Medien, denen ein gewisser Vertrauensvorschuss geleistet wird, müssen sich Algorithmen anpassen, die darauf ausgelegt sind, Aufmerksamkeit zu generieren und zum Klick anzuregen – und dabei auch mal auf negative Emotionen abzielen. Indem Medien Schlagzeilen in bekannte Narrative einordnen, provozieren sie schnelle Reaktionen. Schwarz-Weiß-Denken ist wie Fast-Food eben appetitlich – nur schwer verdaulich.

Gut - böse 

Sogenannte alternative Medien befeuern die Situation, indem sie sich an den Narrativen der herkömmlichen Medien abarbeiten. Sie kanalisieren und multiplizieren die Frustration derer, die sich auf der falschen Seite des Gut-Böse-Rasters wiederfinden, indem sie das Spielbrett einfach umdrehen.

Wenn Informationen instrumentalisiert werden, schürt das Misstrauen. Nicht nur die Information selbst wird infrage gestellt – was eine gesunde Reaktion auf Nachrichten wäre – sondern auch das Wie, Wann und Warum. Das Marketing wird Teil der Nachricht. Jugendliche wissen ganz genau, wie Menschen sich auf den sozialen Medien vermarkten. Sie übertragen dieses Wissen, in das sie natürlich hineingewachsen sind, auch auf Zeitungen und Journalisten. Das Misstrauen in die Medien verschärft sich natürlich, wenn die verkauften Informationen existenziell sind. Zum Beispiel in einer Pandemie oder einem Krieg.

Die Studie sollte ein Anlass sein, darüber nachzudenken, wie unabhängige Berichterstattung in Zukunft glaubwürdig bleiben kann.

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