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„Endlich loslassen!“: Matthias Matussek über Dankbarkeit und das Älterwerden

Der Publizist Matthias Matussek gibt in der Tagespost Einblicke in seine Gedanken zum Älterwerden und zum Tod. Neben Schaudern vor dem Ende empfinde er auch eine Art Befreiung.
Der Publizist Matthias Matussek
Foto: SWR/Baltzer (SWR/Baltzer) | "Für die ganz große Karriere fehlte mir die Selbstbeherrschung, die Disziplin, vielleicht auch der Wille, aber das ist in Ordnung", resümiert Matthias Mattusek.

In einem sehr persönlichen Essay gewährt der bekannte Publizist und katholische Autor Matthias Matussek (66) Einblick in seine Gedanken zum Älterwerden und zum Tod. „Ich nehme an, dass auch Gott bei mir beide Augen zudrückt, wie es nicht wenige meiner Freunde tun. Bin ich zu leichtsinnig? Bin ich nicht fromm genug? Bin ich immer noch leichtsinnige 14? Bei allem Schaudern vor dem Ende in der feuchten Erde, auf das ich unausweichlich hinlebe, fühle ich in diesem Moment jedoch auch eine Art Befreiung. Endlich loslassen! Nichts mehr beweisen müssen.“ 

Das Älterwerden ist auch Grund zur Empörung

Doch: „Das Älterwerden ist selbstverständlich Grund zur Empörung, denn es ist „alternativlos“, auch wenn du dich dagegen anstemmst mit Sport und Heilkräften in Kapseln und Pillen, und manchmal schreist du in dich hinein vor Verlangen nach einer Zigarette, denn natürlich hast du das Rauchen aufgegeben, nein, den Verfall zu meiden ist die Freiheit, die du NICHT hast. Altern bedeutet die ungerührte und systematische Vernichtung deiner Kräfte, die Annullierung all deiner Anstrengungen und kleinen Siege. Man denkt sich, 66 ist das neue 50, doch auch das ist aus der Perspektive eines albernen 14-Jährigen (älter war ich nie) schon ziemlich alt, vor allem, wenn ich ächze bei dem Versuch, aus dem Auto zu steigen, und dann wird mir klar: es ist alles so schnell dahin gegangen.“

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Matussek schwelgt in poetischer Nüchternheit

Doch Matussek schwelgt nicht in Melancholie, sondern poetischer Nüchternheit: „Für die ganz große Karriere fehlte mir die Selbstbeherrschung, die Disziplin, vielleicht auch der Wille, aber das ist in Ordnung. Ich bin damit völlig ausgesöhnt, und wenn ich mit meinem Retriever Simba in der rosigen Sommerabendstille am Meeressaum entlanglaufe, nachdem die Touristen-Familien mit ihren Kindern in ihre Ferienwohnungen zurückgekehrt sind und ihre Muscheln vergleichen, wenn ich den Schwalben in ihren waghalsigen Flugmanövern über den Rapsfeldern zusehe und dem Mann in der Lederjacke begegne, etwa mein Alter, der manchmal abends auf einem Geröllbrocken am Meer unter der uralten, schiefen Eiche mit seiner akustischen Gitarre sitzt und improvisiert und seine Saiten klingen lässt, für sich selber, für die sanft plätschernden Wellen, die singenden Vögel, für mich und meinen Hund ­ und den Schöpfer, der alles so wunderbar eingerichtet hat – dann ist jeder Atemzug ein großes DANKE.“ 

DT/mee

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Redaktion Matthias Matussek Tod und Trauer

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