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Männer sind anders, Frauen nicht

Jedes Jahr wird am Weltfrauentag mangelnde Gleichstellung beklagt. Dabei geht es, wie man etwa bei Simone de Beauvoir nachlesen kann, keinesfalls um die freie Wahl des Lebensmodells.
Welt-Frauentag - Demonstrantin beim Demo-Zug in Berlin
Foto: IMAGO/KreativMedia Berlin / Marten Ron (www.imago-images.de) | Feministischer Kampftag: am 08. März wird in Berlin selbstverständlich wieder für weibliche Freiheit demonstriert. Zu dieser hat die feministische Tradition allerdings kein ganz einfaches Verhältnis...

Will man die Irrwege des modernen Feminismus verstehen, gibt es nach wie vor keine bessere Quelle als Simone de Beauvoir (1908-1986). Dabei ist es gar nicht so leicht, den vielen Unsinn, den sie im Laufe ihres Lebens verzapft hat, auf kurzem Raum zusammenfassen, doch das folgende Zitat bringt einen ihrer zentralen Irrtümer grandios auf dem Punkt: „Keine Frau sollte berechtigt sein, zu Hause zu bleiben und ihre Kinder zu erziehen. Die Gesellschaft sollte anders sein. Frauen sollten diese Wahl nicht haben, gerade weil, wenn es eine solche Wahl gibt, zu viele Frauen diese Wahl treffen werden.“

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In jüngerer Zeit (2023) forderte die französische Schriftstellerin Emilia Roig in ihrem gleichnamigen Buch „Das Ende der Ehe“, da es sich bei dieser Institution um ein patriarchales Konstrukt zur Unterdrückung der Frau handele. Dass Frauen dennoch freiwillig Ehen eingingen und sich darin sogar glücklich fühlten, liege, so Roig, lediglich daran, dass sie diese frauenfeindlichen Strukturen nicht durchschauten. Mit anderen Worten: Das vermeintliche Glück verheirateter Frauen ist nur eine auf Unwissenheit basierende Illusion.

Die Partei hat immer recht

Man könnte noch viele weitere vergleichbare Aussagen auflisten, aber das Denkmuster ist immer dasselbe: Frauen müssen mit aller Macht daran gehindert werden, ihren eigenen Wünschen und Vorstellungen nachzugehen, denn diese stehen leider allzu oft im Widerspruch zur feministischen Parteilinie. Und die Partei hat bekanntlich immer recht.

Wenn also aus diesen Kreisen anlässlich des Weltfrauentags mal wieder die Gleichstellung der Frau gefordert wird, so ist damit keineswegs gemeint, dass Frauen die gleichen Chancen auf freie Entfaltung ihrer Persönlichkeit erhalten sollen. Vielmehr sollen Frauen überall zu je 50 Prozent vertreten sein – wobei mit „überall“ im Wesentlichen die Vorstände großer Unternehmen gemeint sind. Niemand stört sich beispielsweise daran, dass gerade einmal fünf Prozent der Strafgefangenen in deutschen Gefängnissen weiblich sind.

Wer ist wirklich mächtig?

Nun mag dieser Vergleich albern erscheinen, aber es wäre durchaus einmal interessant zu fragen, wie es zu dieser ungleichen Verteilung in unseren Gefängnissen kommt. Vermutlich wird niemand behaupten wollen, dass es bei Gericht so etwas wie eine gläserne Decke gebe, die es Frauen erschwert, Zugang zu den Justizvollzugsanstalten zu erhalten. Stattdessen wird man mit Recht sagen, dass es der Charakter und das Verhalten der Männer sind, die sie in diese Lage bringen.

Warum aber fällt es so schwer, denselben Gedanken auf die Berufswelt anzuwenden? Ist es wirklich so abwegig, dass Männer aufgrund ihres Charakters und ihres Verhaltens in die entsprechenden Positionen gelangen? Dabei können sowohl positive Eigenschaften wie Disziplin und Zielstrebigkeit, als auch negative wie Rücksichtlosigkeit und Geltungssucht eine Rolle spielen.

Aber noch etwas anderes sollte bei der Sorge um die vermeintlich männliche Dominanz in Machtpositionen bedacht werden. Hat ein Vorstandsmitglied der Knorr-Bremse AG wirklich mehr Einfluss auf mein Leben als die Lehrerin, die meine Ausbildung jahrelang begleitet, oder die Ärztin, der ich meine Gesundheit anvertraue? Könnte es nicht vielleicht sein, dass gerade die von Frauen dominierten Berufsfelder einen weitaus größeren Einfluss auf unser aller Leben haben? In diesem Sinne: Alles Gute zum Weltfrauentag!

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