Feuilleton

Jesus von Nazareth: Der Messias im Film erstmals von vorn gezeigt

Artikel der „Tagespost“-Reihe „Filme für die ganze Familie“ über die Bibelverfilmung „Jesus von Nazareth“ des kürzlich verstorbenen italienischen Regisseurs Franco Zeffirelli.
Filmszene aus "Jesus von Nazareth", (1977)
Foto: IN

Inhaltsverzeichnis:

  • Darsteller und Drehorte
  • „Jesus von Nazareth“ prägte das Bild Jesu im Film für Jahrzehnte
  • Videos: Alle vier Teile von Jesus von Nazareth (1977)
  • Über den Regisseur Franco Zeffirelli

Franco Zeffirelli verfilmte unter dem Titel „Jesus von Nazareth“ („Gesu di Nazareth“) Jesu Lebens- und Leidensgeschichte als vierteiligen Fernsehfilm.

Basierend vorwiegend auf den Evangelien von Lukas und Johannes stellte „Jesus von Nazareth“ einen Kontrapunkt zu Paolo Pasolinis „Das 1. Evangelium – Matthäus“ (1964) dar: Zeichnet sich der in Schwarz-Weiß gedrehte Film Pasolinis durch seine Kargheit aus, so ist Zeffirellis Film von einer geradezu ausladenden Opulenz geprägt.

Darsteller und Drehorte

Arbeitete Pasolini vorwiegend mit Laiendarstellern, so wirken in Zeffirellis Jesusfilm nicht weniger als sechs Oscarpreisträger (Anne Bancroft, Ernest Borgnine, Laurence Olivier, Anthony Quinn, Rod Steiger und Peter Ustinov) und weitere sechs Oscar-Nominierte (Ian Bannen, Valentina Cortese, Iam Holm, James Earl Jones, James Mason, Ralph Richardson) – was bis heute ein Rekord ist. Das Staraufgebot, zu dem noch weitere bekannte Darsteller wie Claudia Cardinale zählen, kann nur als einfach beeindruckend bezeichnet werden.

Ebenso beeindruckend inszeniert nehmen sich die Massenszenen aus. Gedreht wurde in Marokko und Tunesien mit sehr aufwändigen Kulissen, die einen realistisch wirkenden Eindruck von der Zeit vermitteln.

„Jesus von Nazareth“ prägte das Bild Jesu im Film für Jahrzehnte

Auch wenn „Jesus von Nazareth“ einige fiktive Szenen enthält, folgt der vierteilige Film treu den Berichten der Evangelisten. Unterteilt ist „Jesus von Nazareth“ in vier Kapitel: „Geburt und Jugend“, „Wunder und Zeichen“, „Einzug in Jerusalem“ sowie „Tod und Auferstehung“.

Mit einer Gesamtlänge von 386 Minuten ist Zeffirellis Film einer der längsten Bibelfilme aller Zeiten. Inzwischen liegt eine restaurierte Fassung aus dem Jahre 2012 als 4-Disc-Special-Edition auf DVD und Blu-ray vor.

Zeffirellis „Jesus von Nazareth“ prägte das Bild Jesu im Film für Jahrzehnte – bis zu Mel Gibsons „Die Passion Christi“. In früheren Zeiten galt als filmische Konvention, dass die Person Jesu im Film nicht darstellbar sei. Deshalb wird er entweder in der Rückenansicht gezeigt, oder es sind nur seine Füße sichtbar. Mit dieser Tradition wurde erst in den 1960er Jahren gebrochen, etwa in Nicholas Rays „König der Könige“ („King of Kings“, 1961), dem ersten Farb- und Tonfilm über das Leben Jesu.

Videos: Alle vier Teile von Jesus von Nazareth (1977)

Erster Teil: „Geburt und Jugend“:

Zweiter Teil: „Wunder und Zeichen“:

Dritter Teil: „Einzug in Jerusalem“:

Vierter Teil: „Tod und Auferstehung“:

 

Über den Regisseur Franco Zeffirelli

Der 1923 als Gianfranco Corsi geborene Franco Zeffirelli lernte das Regiefach als Regieassistent von Luchino Visconti und später auch von Vittorio De Sica und Roberto Rossellini, ehe er seine ersten Filme drehte.

International bekannt wurde er mit zwei Shakespeare-Verfilmungen: „Der Widerspenstigen Zähmung“ (1967) und „Romeo und Julia“ (1968).

Drehte er den ersten Film mit dem damals bekanntesten Schauspieler-Paar Richard Burton und Elizabeth Taylor, so engagierte Zeffirelli für die Rolle der Julia eine unbekannte, 15-jährige, argentinisch-britische Schauspielerin. Olivia Hussey gewann damit nicht nur einen Golden Globe. Außerdem wurde sie später von Zeffirelli in der Rolle der Gottesmutter in „Jesus von Nazareth“ besetzt.

Gilt „Der Widerspenstigen Zähmung“ etwa für cinema.de als „eine der gelungensten Komödien der Filmgeschichte“, so verdankt „Romeo und Julia“ seinen Erfolg nicht nur der ergreifenden Schauspielkunst von Olivia Hussey, sondern auch Nino Rotas Musik und insbesondere der Titelmusik „A Time for Us“, die in der Version von Henry Mancini sogar die Charts in den Vereinigten Staaten zwei Wochen lang führte.

Etwa zehn Jahre später verfilmte Franco Zeffirelli unter dem Titel „Jesus von Nazareth“ („Gesu di Nazareth“) Jesu Lebens- und Leidensgeschichte als vierteiligen Fernsehfilm.

Franco Zeffirelli galt zeit seines Lebens als praktizierender Katholik. Obwohl er homosexuell war, unterstützte Zeffirelli die Lehre der katholischen Kirche über Homosexualität – was ihm der Zorn der LGTB-Lobby einbrachte. Franco Zeffirelli starb 96-jährig am 15. Juni in Rom.

„Jesus von Nazareth“ (1977), 4-DVD-Specialedition von 2012 mit 386 Minuten, ASIN: B006OV6X6Y (Amazon), EUR 12,61

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe

Weitere Artikel
Viel Pomp und Trara, eine digitale Stimme, zwischendrin Katholizität: Die neue Netflix-Miniserie „The Andy Warhol Diaries“ versucht, hinter die Fassade des berühmten Künstlers zu blicken Von ...
19.04.2022, 15  Uhr
Emanuela Sutter
Selbst in abseitigen Genres kommt man um den christlichen Glauben und die katholische Kirche nicht herum.
26.10.2021, 09  Uhr
Stefan Ahrens
Themen & Autoren
Franco Zeffirelli Jesus Christus Luchino Visconti Mel Gibson Roberto Rossellini Vittorio De Sica

Kirche

Der heilige Anselm von Canterbury (1033–1109 wollte die Vernünftigkeit des Glaubens der Kirche erweisen. 
06.07.2022, 07 Uhr
Marius Menke
Der vom Synodalem Weg geplante Synodale Rat stößt auf dezidierte Kritik. Laut Kardinal Kasper zerstört ein solches Gremium die Struktur, „die Christus für seine Kirche gewollt hat“.  
05.07.2022, 10 Uhr
Dorothea Schmidt
Warum der Zweite Weltkrieg für die orthodoxe Kirche Entspannung brachte, die Verfolgung der Katholiken in der Sowjetunion aber stärker wurde.
05.07.2022, 19 Uhr
Rudolf Grulich