Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung 100. Geburtstag

Richard Burton: Ein Star aus kleinen Verhältnissen

Seine Exzesse, seine Affären und seine Sehnsucht nach Bedeutung spiegelten das existenzielle Ringen einer Generation. Zum 100. Geburtstag des walisischen Schauspielers Richard Burton.
Richard Burton und Elizabeth Taylor
Foto: Courtesy Everett Collection via www.imago-images.de (www.imago-images.de) | Richard Burton und Elizabeth Taylor 1965 im Film „...die alles begehren".

Richard Burton, geboren am 10. November 1925 im walisischen Pontrhydyfen, wuchs im Schatten der Kohlebergwerke auf. Sein Vater war Bergarbeiter, die Mutter starb früh. Die Härte des Alltags prägte ihn ebenso wie seine „von Walzkohle gefärbte“ Stimme, die auf der Bühne und Leinwand unverwechselbar blieb. Er erlangte Berühmtheit als Militärtribun Marcellus Gallus in Henry Kosters „Das Gewand“ (1963) und als Thomas Becket, der Erzbischof von Canterbury, der am 29. Dezember 1170 ermordet wurde, in Peter Glenvilles Drama „Becket“ (1964).

Lesen Sie auch:

Bei den Dreharbeiten zu „Cleopatra“ (Joseph L. Mankiewicz, 1963) lernte er Elizabeth Taylor kennen, mit der er zweimal verheiratet war. Ihre stürmische Beziehung wurde zu einer der bekanntesten Liebes- und Skandalgeschichten Hollywoods. Gemeinsam traten sie von 1963 bis 1972 in zehn Filmen auf, insbesondere „Wer hat Angst vor Virginia Wolf?“ (1966) und „Der Widerspenstigen Zähmung“ (1967).

Zwischen Selbstbeherrschung und Exzess, Intellekt und Instinkt

Ob in Dramen, historischen Filmen oder Kriegs- und Spionagefilmen wie „Der Spion, der aus der Kälte kam“ (Martin Ritt, 1965) – Richard Burtons Figuren schwankten oft zwischen Selbstbeherrschung und Exzess, Intellekt und Instinkt, so auch in seiner letzten Rolle in Michael Radfords George-Orwell-Adaption „1984“. Siebenmal war er für den Oscar nominiert – und erhielt ihn nie. Doch er blieb ein prägender Charakterdarsteller.

Burtons Exzesse, seine Affären und seine Sehnsucht nach Bedeutung spiegelten das existenzielle Ringen seiner Generation. Später haben sich diese Männlichkeitsbilder verschoben. Tom Cruise zum Beispiel perfektionierte in den „Mission: Impossible“-Filmen den athletischen Helden, der Kontrolle sucht. Pitt dagegen machte den inneren Kampf, die melancholische Selbstbefragung zum Zentrum seiner Figuren.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
José García Martin Ritt

Weitere Artikel

Vom klassischen Helden über den Macho zum reflektierten Anti-Helden: In Hollywood wird das Mann-Sein immer wieder verhandelt. Zum 100. Geburtstag von Richard Burton und Rock Hudson.
22.11.2025, 09 Uhr
José García
Starregisseur Oliver Stone wird 80. Ob Vietnam, Wall Street oder Kennedy, Stone stellt die großen Erzählungen der Vereinigten Staaten in Frage – und schafft selbst neue Mythen. 
15.09.2026, 19 Uhr
José García
Der Film „The End of Oak Street" konfrontiert amerikanisches Vorstadtleben mit furchterregenden Urzeit-Szenarien.
21.08.2026, 11 Uhr
Norbert Fink

Kirche

Die Schönstätter Marienschwestern feiern 100-jähriges Bestehen: Die Generaloberin Schwester Joanna M. Buckley erläutert die Ziele ihrer marianisch geprägten Pädagogik.
04.10.2026, 15 Uhr
Regina Einig
Erntedank: Warum wir nicht nur einmal im Jahr für volle Erntekörbe danken sollten, sondern täglich auch für das, was anders kommt als geplant.
04.10.2026, 08 Uhr
Dorothea Schmidt
Sie besucht einen Monat lang die Bistümer Augsburg, Freiburg und Limburg: Die Reliquienreise der heiligen Bernadette steht fest. Auf der Liste stehen 18 Klöster und Kirchen.
01.10.2026, 18 Uhr
Meldung
Wir können uns nicht immer zum Richter über alles aufschwingen. In einem freien Akt der Anerkennung von etwas Größerem wird das Gute für uns sichtbar.
04.10.2026, 19 Uhr
Engelbert Recktenwald