Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Feuilleton

Henry D. Thoreau: Reich im selbstgewählten Abseits

Seine Bekanntheit ist im englischsprachigen Raum noch immer weit größer als bei uns, doch der Amerikaner Henry David Thoreau erweist sich als Kenner Mitteleuropas.
Henry David Thoreau, Schriftsteller und Philosoph
Foto: Wikicommons | Henry David Thoreau tat sich nicht nur als Schriftsteller hervor, sondern war auch ein politischer Philosoph.

Seine Bekanntheit ist im englischsprachigen Raum immer noch weit größer als bei uns. Weil er nicht nur als Schriftsteller hervortat, sondern ein politischer Philosoph war, wird Henry David Thoreau (1817–1862), von Vielen in Anspruch genommen: Als Natur-Poet, Staatsverweigerer, Gegner von Sklaverei und Militärdienst; als früher Veganer ist er zu einer Identifikationsfigur der Linken geworden. Doch Thoreau will als freier Mann in der von Gott geschenkten Natur leben. Hier spürt man das Selbstbewusstsein eines Amerikaners der zweiten Generation, der sich frei von Obrigkeit dünkt.

Weisheit bedeutet für Thoreau, sich mit den kleinen Dingen zu begnügen

Weisheit besteht für Thoreau darin, sich mit den „kleinen Dingen“ zu begnügen. Auch wenn ihn die Natur-Wissenschaft in des Wortes ureigentlicher Bedeutung interessiert, ist ihm klar, dass das wirklich Wichtige nicht „gewusst“ werden kann. Es muss erlebt werden, im engen Kontakt mit der Schöpfung; dann erst kann einem etwas aufgehen. Schauen ist allemal wichtiger als räsonieren. Es ist schwer, diesen außergewöhnlichen Waldläufer und Schriftsteller, der anstrebte, „aus meinem Leben ein Sakrament zu machen“, bei einem bestimmten Glauben, einer bestimmten Haltung einzuordnen. Das dürfte Teil seiner Faszination sein. Die mit einem hilfreichen Nachwort versehene Ausgabe des Tagebuches von 1851 hilft, ihm auf die Spur zu kommen.

Henry D. Thoreau: Tagebuch III; übersetzt von Rainer G. Schmidt, mit einem Nachwort von Dieter Schulz.  Verlag Matthes & Seitz, Berlin 2018, 409 Seiten, ISBN 978-3-95757-172-4, EUR 26,90

DT/ari

Lesen sie die Rezension in voller Länge in der aktuellen Ausgabe der "Tagespost" vom 23. August.

Themen & Autoren
Henry David Thoreau Weisheit

Weitere Artikel

Überlegungen zum Älterwerden – und ein ernstes Wort Jesu als Freifahrtschein, das Leben in Fülle anzunehmen.
06.05.2026, 15 Uhr
Simone Müller
Die Gebote sollen keine Überforderung sein, sondern ein Hilfe für die Christen, ihre eigene Berufung zu leben. Christsein ist schließlich kein Moralismus.
14.02.2026, 21 Uhr
Martin Grichting

Kirche

Die Gleichnisse vom Schatz und der Perle zeigen: Wer Christus findet, hat den größten Schatz seines Lebens entdeckt.
25.07.2026, 21 Uhr
Georg Gänswein
Tech-Milliardär Peter Thiel ist fasziniert vom Antichristen und sieht in Papst Benedikt XVI. einen zögerlichen Verbündeten. Was dabei völlig fehlt, ist ein Blick in den Spiegel.
24.07.2026, 13 Uhr
Sebastian Ostritsch
Er wurde in der Kirche erschossen: Der Priester Dario Acosta Zurita war mit nur 22 Jahren einer der jüngsten Märtyrer des mexikanischen Bürgerkrieges.
25.07.2026, 05 Uhr
Claudia Kock
Thommy Schott ist mehr als ein Anwalt. Der fünffache Familienvater setzt sich mit seinem Verein Pro Fide Ecclesiae auch für seinen Glauben ein.
24.07.2026, 09 Uhr
Regina Einig