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"Monarch: Legacy of Monsters": Wenn Godzilla Familien zusammenführt

Die Apple TV+-Serie mit Kurt und Wyatt Russell rückt die Familie, nicht die Monster in den Fokus. 
Los Angeles Photo Call Of Apple TV+ s Monarch: Legacy Of Monsters Season 1
Foto: IMAGO/Xavier Collin / Avalon (www.imago-images.de) | Besetzungscoup der Serie: Der alte Lee Shaw wird vom Vater des Schauspielers verkörpert, der den jungen Lee Shaw darstellt – von der Schauspiellegende Kurt Russell („Die Klapperschlange“).

Kann ein Film über Monster mehr bieten als nur spektakuläre Spezialeffekte, die Angst und Schrecken verbreiten? Wenn der Beweis 70 Jahre nach dem ersten Godzilla-Film von Ishiro Honda noch erbracht werden müsste, dann gelingt es der zehnteiligen Apple TV+-Serie „Monarch: Legacy of Monsters“, die im sogenannten „Monsterverse“-Filmuniversum um Godzilla und King Kong angesiedelt ist.

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Die Serie setzt im Jahr 2015 ein - ein Jahr, nachdem Godzilla San Francisco verwüstet hat (zu sehen in Gareth Edwards Spielfilm „Godzilla“ von 2014). Cate Randa (Anna Sawai), eine junge Lehrerin, die die Katastrophe zwar überlebt hat, aber auch traumatische Erlebnisse durchmachen musste, reist nach Tokio, um die Wohnung ihres kürzlich verstorbenen Vaters aufzulösen. Zu ihrer Überraschung entdeckt sie, dass ihr Vater in Tokio eine zweite Familie hatte, bestehend aus einer anderen Frau und ihrem Halbbruder Kentaro (Ren Watabe). Die Existenz einer anderen Familie seines Vaters in San Francisco war ihm und seiner Mutter genauso unbekannt.

Rätsel über Rätsel

Nach anfänglicher Zurückweisung tun sich die beiden zusammen, um Licht in das mysteriöse Leben ihres Vaters zu bringen. Dabei stoßen sie auf vertrauliche Unterlagen einer nicht minder mysteriösen Organisation namens „Monarch“, die sich offenbar der Untersuchung und Bekämpfung von Riesenmonstern wie Godzilla verschrieben hat.

Das führt zur zweiten Handlungs- und Zeitebene der Serie: In den 1950er Jahren soll der junge Major Lee Shaw (Wyatt Russell) die Wissenschaftlerin Keiko (Mari Yamamoto) auf ihrem Tripp in den Dschungel beschützen. Dort sucht sie nach Beweisen für eine ungeheuerliche Theorie: Es gibt Monster auf der Erde, von der die Menschheit nichts weiß.

Brücke zwischen zwei Zeitebenen

Dort trifft sie zunächst aber auf den Abenteurer Bill Randa (Anders Holm) – die beiden werden ein Paar. Jahrelang arbeiten sie zusammen, um diese Theorie zu untermauern. Begleitet werden sie weiterhin vom gemeinsamen Freund Lee Shaw.

Lee Shaw bildet die Brücke zwischen den beiden Zeitebenen, da er im Jahre 2015 als erstaunlich fitter Neunzigjähriger noch lebt – das Geheimnis seiner „Jugend“ bleibt ein weiteres Rätsel in „Monarch: Legacy of Monsters“. Übrigens: Ein Besetzungscoup der Serie besteht darin, dass der alte Lee Shaw vom Vater des Schauspielers verkörpert wird, der den jungen Lee Shaw darstellt – von der Schauspiellegende Kurt Russell („Die Klapperschlange“).

Eigentliche Story liegt bei menschlichen Figuren

In den zehn Episoden gibt es immer wieder Zeitsprünge: Das Publikum ist dann gefordert, diese Puzzlesteine zeitlich einzuordnen, wobei sich die Handlung über mehr als 60 Jahre erstreckt. Die in der „Gegenwart“ des Jahres 2015 spielende Handlung bietet Platz für die Entwicklung der Charaktere, insbesondere von Cate und Kentaro, denen sich auch Kentaros Ex-Freundin May (Kiersey Clemons) anschließt.

Richtig in Fahrt kommt diese Teilhandlung allerdings erst in den letzten Folgen. Die Serienschöpfer Chris Black, der seit vielen Jahren in Action- und Sci-Fi-Serien arbeitet, sowie Matt Fraction, eigentlich Comicautor, der lange für Marvel gearbeitet hat, erzählen eine Geschichte, die zwar Monster im Serientitel hat und in der sie auch selbstverständlich eine wichtige Rolle spielen. Die eigentliche Story liegt jedoch bei den menschlichen Figuren. Es geht eigentlich um deren Entfaltung, die sich auch in Gesten äußert.

Unterhaltsam und handwerklich herausragend

Dazu ist „Monarch: Legacy of Monsters“ nicht nur eine unterhaltsame, sondern auch eine handwerklich herausragende Serie. Dies liegt nicht nur an den gelungenen CGI-Effekten, sondern auch am Produktionsdesign und den unterschiedlichen Kameraeinstellungen.

Die Serienmacher versuchen auch, der Serie eine größere Glaubwürdigkeit zu verleihen, als es bei solchen Monsterfilmen üblich ist, indem sie sie in den Kontext des Kalten Krieges und der Atomangst einbetten. „Monarch: Legacy of Monsters“ hält die Spannung dadurch aufrecht, dass die Zuschauer mitten ins Geschehen geworfen werden, ohne viele Erklärungen.

Tiefgang statt Gruselstoff

Dies hat allerdings auch eine Kehrseite: Es wird beispielsweise nicht deutlich, welche Verbindung die ominöse, titelgebende Organisation „Monarch“ im Jahr 2015 mit der Einheit hat, die Keiko und Bill Randa vor etwa 60 Jahren mithilfe des Militärs gegründet hatten. Dies trägt zusätzlich zum „Mystery“-Charakter von „Monarch: Legacy of Monsters“ bei.

Gerade die Handlung, die in den 1950er Jahren angesiedelt ist, verleiht der gesamten Serie in den zwischenmenschlichen Beziehungen eine besondere Tiefe – diese stehen eher im Mittelpunkt als die Monster, so dass der Zuschauer zuweilen vergessen kann, dass es sich eigentlich um eine Serie über Monster handelt.

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José García Väter

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