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"Ghostbusters: Frozen Empire": Die Geisterjäger sind zurück

„Ghostbusters: Frozen Empire“ setzt erneut erfolgreich auf den 80er-Jahre-Nostalgiefaktor.
Kinostart - „Ghostbusters: Frozen Empire“
Foto: Jaap Buitendijk (Sony Pictures) | Der neue Film knüpft organisch an die Handlung seines Vorgängers an und präsentiert uns erneut denselben sympathischen Cast in einer weiteren Mischung aus Action, Grusel und Spaß.

Ist das moderne Kino von allen guten Geistern verlassen? Nicht in Hollywood! Der Spuk nimmt dort kein Ende. Während in der modernen Theologie seit vielen Jahrzehnten der Geister-und Dämonenglaube weitestgehend durch die Hintertür verschwunden ist, kommt er auf der Kinoleinwand umso stärker zum Vorschein. Es gab wohl noch nie so viele Filme, die um okkulte und dämonische Phänomene kreisen, wie heutzutage. Und so sind auch die „Ghostbusters“ wieder zurück – und in ihrem Fall ist das auch gut so!

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Denn wenn in der Nachbarschaft seltsame Phänomene vor sich gehen, wenn draußen irgendetwas Paranormales passiert oder ein Gruselabenteuer mit viel Nostalgie-Charme gebraucht wird, dann ist das ein Fall für die familienfreundlichen Geisterjäger. Jason Reitman hat als Regisseur 2021 mit „Ghostbusters: Legacy“ einen überzeugenden und liebenswerten Neustart der Reihe inszeniert, die sein Vater Ivan Reitman vor genau 40 Jahren erstmals auf die Leinwand brachte und 1989 erfolgreich fortsetzte (über Paul Feigs peinliches Remake von 2016 sei an dieser Stelle der Mantel des Schweigens gehüllt).

Bill Murray und Co. gehen erneut auf Geisterjagd

Jason Reitman glückte damals das erfrischende Zusammenspiel von purer Nostalgie und einer guten Fortschreibung der alten Geschichte mit neuen Charakteren. Er stellte die Nachfahren von Ghostbuster Egon Spengler (gespielt vom 2014 verstorbenen Harold Ramis) ins Zentrum seines Films. Diesen Handlungsstrang führt er nun im Drehbuch zu „Frozen Empire“ fort. Er schrieb es erneut gemeinsam mit Gil Kenan – dabei tauschten sie jedoch ihre Rollen, so dass nun Gil Kenan die Regie übernahm.

Der neue Film knüpft organisch an die Handlung seines Vorgängers an und präsentiert uns erneut denselben sympathischen Cast in einer weiteren Mischung aus Action, Grusel und Spaß. Dabei ist „Frozen Empire“ noch mehr als sein „Legacy“- Vorgänger eine Rückkehr zu den Wurzeln der Filmreihe. Denn die Handlung wird wieder dorthin verlegt, wo sie in einem echten „Ghostbusters“-Film eigentlich auch hingehört: nach New York City.
Die Spenglers leben jetzt in der Millionen-Metropole und haben sich für die Geisterjagd in der legendären alten Feuerwache eingerichtet, in der die Saga in den Achtzigern begonnen hatte. Anders als noch in ihren Cameo-Auftritten 2021 sind die verbliebenen Original-Ghostbusters jetzt auch wieder in größeren Rollen zu sehen: Dr. Peter Venkman (Bill Murray), Dr. Ray Stantz (Dan Aykroyd) und Winston Zeddemore (Ernie Hudson) haben sich noch einmal in ihre ikonischen hellbraunen Overalls gezwängt und treiben diesmal gemeinsam mit ihrer ehemaligen Sekretärin Janine Melnitz (Annie Potts) maßgeblich die Handlung mit coolen Sprüchen und Protonenstrahlern voran.

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Die Lücke, die Dr. Egon Spengler hinterließ, füllen derweil erneut die jüngeren Spenglers aus: Callie (Carrie Coon), ihr Sohn Trevor (Finn Wolfhard) und ihre Tochter Phoebe (Mckenna Grace). Auch Physiklehrer Gary (Paul Rudd) darf wieder auf Geisterjagd gehen. Neben der erweiterten Familie Spengler tauchen aber auch noch Podcast (Logan Kim) und Lucky (Celeste O'Connor) in ihren Rollen aus „Legacy“ auf. Zudem gibt es erneut ein Wiedersehen mit dem kultigen ECTO-1-Fahrzeug, mit einem Heer von knuffigen Mini-Marshmellow-Männern und mit „Ghostbusters“-Maskottchen Slimer.

Zur nostalgischen Besetzung gehört auch William Atherton als William Peck: Der einstige Anwalt einer Umweltbehörde ist mittlerweile zum Bürgermeister aufgestiegen. „Die Geisterjäger sind am Ende!“, ruft er aus, ganz ähnlich wie damals in den Achtzigern. Aber er irrt sich gewaltig. Denn nach der Entdeckung eines uralten Artefakts, einer mysteriösen Kugel, die der Überlebenskünstler Nadeem (Kumail Nanjiani) an Dr. Rays verkauft und von Technik-Experte Lars (James Acaster) untersuchen lässt, wird ein gehörnter Dämon namens Garraka aus seiner Jahrhunderte langen Gefangenschaft befreit und öffnet die Pforten der Unterwelt.

Eine neue Eiszeit muss verhindert werden

Dieses klassische, riesige und unheimliche „Ghostbusters“-Monster will mit seiner dämonischen Macht nicht nur New York mit seinem eiskalten Atem des Todes einfrieren lassen, sondern gleich die gesamte Welt in eine neue Eiszeit versetzen. Es führt eine Armee von Geistern an und tötet alles und jeden allein durch die Macht der Angst, von der er sich ernährt. Es ist ein starkes Bild für den emotionalen Zustand unserer Welt, bei dem es dem Zuschauer eiskalt den Rücken runterläuft. Wie wir in der schaurigen Ouvertüre erfahren, kam bereits 1904 eine elitäre Gesellschaft von Abenteurern in New York zusammen, die von sogenannten „Feuermeistern“ vor dem „Hoden des Teufels“ gerettet werden mussten.

Dieser historische Einstieg stimmt gekonnt auf das weitere Thema von „Frozen Empire“ ein: Anstatt großer Action-Spektakel steht diesmal vor allem der Umgang mit Geistern, der Glaube an sie und an das Jenseits im Fokus der Handlung. Die Dämonen sind nämlich nicht die einzigen Geister, die für Unruhe sorgen. Denn innerhalb der Spengler-Familie sind indes die Quälgeister der Pubertät ausgebrochen, die mächtig an den Nerven aller Beteiligten zerren: Nach einem Einsatz inmitten von New York, bei dem mal wieder einiges zu Bruch geht, wird die 15-Jährige Phoebe gezwungen, bis zu ihrer Volljährigkeit eine Pause bei der Geisterjagd einzulegen, was bei dem Teenager natürlich zu einigem Unmut und emotionalen Verwicklungen führt, die sie schließlich auf das Geistermädchen Melody (Emily Alyn Lind) treffen lassen und damit auf eine schicksalhafte Begegnung.

Unterhaltsamer Spaß für Familien und Fans

„Ghostbusters: Frozen Empire“ erfindet sicherlich weder das Rad der Geisterjagd noch dasjenige des Unterhaltungskinos neu, aber er unterhält als Familienfilm auf ganzer Linie und ist erneut, neben allem Fanservice, vor allem eine warmherzige und humorvolle Hommage an die alten Filmklassiker aus den 1980er-Jahren.

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Dies liegt nicht zuletzt an den zurückkehrenden Darstellern der Originalfilme, wie Bill Murray als gewohnt schlitzohriger Dr. Peter Venkman, Dan Akroyd als verpeilt-gutmütiger Dr. Ray Stantz sowie die in der Geisterjäger-Hierarchie aufgestiegenen Winston Zeddemore (Ernie Hudson) und Sekretärin Janine (Annie Potts): Durften letztere in den ersten beiden Teilen aus den 1980er-Jahren gewissermaßen nur als Stichwortgeber für das Gespann Murray/Akroyd/Ramis fungierten, sind deren Rollen in den neuen „Ghostbusters“-Filmen wesentlich umfangreicher. Zudem harmonisieren sie hervorragend mit den jüngeren Darstellern um „Stranger Things“-Schauspieler Finn Wolfhard und Jungstar Mckenna Grace.

Auch wenn die verschiedenen Handlungsstränge um ganze dreizehn unterschiedliche alte und neue Charaktere, mitunter sehr viel sind, macht es Spaß, dem Ensemble bei seiner Generationen übergreifenden Teamarbeit zuzuschauen und sich über den erneuten Sieg des Guten über das Böse zu freuen. Bei „Frozen Empire“ dürfte es wohl jedem Fan erneut warm ums Herz werden, denn das neueste Spuk-Abenteuer lässt keinen kalt und vermag sowohl alte wie auch neue Fans abzuholen.

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Norbert Fink Teufel (Religion)

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