London

LGBTQI+-Version von Harry Potter geplant

Eine TikTok-Videoproduktionsfirma plant eine auf der Welt des jungen Zauberers basierende Serie, die sexuelle und ethnische Vielfalt widerspiegeln soll. Allerdings ohne J. K. Rowlings Einverständnis.
Harry-Potter-Schöpferin J. K. Rowling hat sich bislang nicht zu dem Projekt geäußert
Foto: Evan Agostini (Invision) | Harry-Potter-Schöpferin J. K. Rowling hat sich bislang nicht zu dem Projekt geäußert. Laut Daily Mail Online halten „manche“ das ganze Projekt für eine unmittelbare Attacke gegen Rowling.

Filmemacher um die TikTok-Videoproduzentin Megan Mckelli planen laut der britischen Zeitung „Daily Mail Online“ eine sogenannte „woke“-Fassung von Harry Potter: Die Charaktere aus der von J. K. Rowling erdachten Zauberwelt sollen von Transgender- und „nicht-binären“ Schauspielern dargestellt werden.

Casting-Anforderung: Ethnische Diversität

Für die Webserie mit dem Titel „Marauders Saga: Order Rising“ sollen einige Rollen darüber hinaus „ethnisch divers“ besetzt werden. Das bedeutet, dass etwa die Rolle von Harrys Vater James Potter nicht von einem weißen Schauspieler verkörpert werden darf. Nach den Casting-Anforderungen – so die britische Onlinezeitung – kommt dafür nur ein Schauspieler in Frage, der „asiatisch, schwarz, afrikanischer Abstammung, ethnisch mehrdeutig, multiethnisch, indigen, lateinamerikanisch, hispanisch, südasiatisch, indisch, südostasiatisch ist, oder aus dem Nahen Osten oder einer pazifischen Insel stammt“.

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Bei der Rolle von Harry Mutters Lily haben sich die Filmproduzenten offenkundig noch nicht festgelegt. Sie sollen sich aber eine „geschlechtsuntypische, nicht-binäre, transsexuelle Frau“ wünschen. Für die Rolle des Sirius Black, der in den Harry-Potter-Filmen von Gary Oldman gespielt wurde, sollen nicht-weiße Schauspieler aus „allen Geschlechtern“ vorsprechen. Für die Suche nach den entsprechenden Schauspielern soll Mckelli bereits die in Los Angeles ansässige Casting-Agentin Hannah Schill engagiert haben.

„Daily Mail Online“ zitiert Megan Mckelli mit den Worten: „Unser Ziel ist es, die Vielfalt der Fangemeinde in ihren geliebten Charakteren widerzuspiegeln. Dafür führen wir ‚People of Color’, queere Handlungsstränge und Charaktere aus verschiedenen Religionen ein“.

Gezielter Angriff auf J.K. Rowling?

Für die zur Ausstrahlung im Internet bestimmte Serie, die im Juni und Juli im Nordwesten der Vereinigten Staaten gedreht werden soll, haben die Filmemacher zwar ein eigenes Drehbuch verfasst – in dem Harry Potter indes nicht im Mittelpunkt stehen soll –, aber die Charaktere sollen auf den Büchern von J.K. Rowling basieren. Megan Mckelli selbst hat bereits mehrere TikTok-Kurzvideos dazu veröffentlicht. Die Serie soll zwei Jahre spielen, bevor Harry Potter seine berühmte Narbe erhält.

Die britische Online-Plattform „unilad.co.uk“ stellt aus den erwähnten Videos eine mögliche Handlung zusammen: „James Potter und Lily Evans, Harrys Eltern, wollen die Welt verändern ... und heiraten. Sirius Black, der von seiner blutsverwandten Familie verstoßen wurde, läuft direkt in die Arme seines besten Freundes Remus Lupin, der seine eigenen Dämonen zu besiegen hat. Peter Pettigrew, ein schüchterner Außenseiter, der seine Freunde liebt, träumt davon, dem tödlichen Krieg zu entkommen, in dem er sich befindet. Alastor Moody, der Anführer des Ordens des Phönix, hat größere Probleme, als sich um die neuesten Zauberer zu kümmern. Nicht nur, dass das Zaubereiministerium seine Bemühungen behindert. Die Todesser sind außerdem im Besitz eines uralten Artefakts, das in den falschen Händen zu einer tödlichen Waffe werden kann.“

Harry-Potter-Schöpferin J. K. Rowling hat sich bislang nicht zu dem Projekt geäußert. Laut Daily Mail Online halten „manche“ das ganze Projekt für eine unmittelbare Attacke gegen Rowling, weil sie „die Behauptung in Frage stellte, Transfrauen seien mit biologischen Frauen identisch.“ Rowling wurde deshalb in den Sozialen Netzwerken als „transphob“ und „TERF“ (trans-ausschließende radikale Feministin) gebrandmarkt und zensiert – selbst die Schauspieler der Harry-Potter-Filme distanzierten sich von ihr. So wurde sie vom jüngsten Harry-Potter-Wiedervereinigungs-Special ausgeladen. Das sei der eigentliche Grund, warum die Filmemacher „mehr Diversität in den Hauptrollen“ wollen.

Rowling besitzt weiter Urherberrecht

Da J. K. Rowling ihre Urheberrechte in aller Regel schützt und keine Genehmigung für die Verwendung ihrer Figuren erteilt hat, vermutet Daily Mail Online, dass sich die in den Vereinigten Staaten ansässigen Produzenten „mit ziemlicher Sicherheit“ auf einen Rechtsstreit mit J.K. Rowling einlassen müssen. Andere Medien, etwa „movieweb.com“, sehen jedoch „eine rechtliche Grauzone“, die Megan Mckellis Projekt ohne Rowlings Einwilligung möglich machen könnte.  DT/jg

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