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„Niemals Selten Manchmal Immer“: Das Drama der Abtreibung

Mit dokumentarischer Strenge und einem hyperrealistischen Ton zeigt „Niemals Selten Manchmal Immer“ die Odysee einer ungewollt schwangeren Minderjährigen, die in einem benachbarten Bundesstaat die Abtreibung vornehmen lassen will.
Filmbild zu „Niemals Selten Manchmal Immer“
Foto: Universal | Zusammen mit ihrer Cousine (Talia Ryder) reist Autum (Sidney Flanigan) nach New York, um ihr Kind abzutreiben. Der Film verdeutlicht das Drama der Abtreibung.

Die 17-jährige Autum (Sidney Flanigan) lebt in einer Kleinstadt in Pennsylvania, wo sie die Schule besucht und nebenbei als Kassiererin in einem Supermarkt jobbt. Viel mehr erfährt der Zuschauer über sie nicht, außer dass sich die 17-Jährige von ihren Eltern vernachlässigt fühlt. Allein und einsam fühlt sich Autum insbesondere, als sie schwanger wird.

Deshalb sucht sie allein das örtliche Schwangerschaftsberatungszentrum auf. Dort wird ihr geraten, das Kind auszutragen und es zur Adoption freizugeben. Ein Weg, den nicht nur der mit dem Oscar für das beste Drehbuch ausgezeichnete Spielfilm „Juno“ (Jason Reitman, 2007) beschreitet, sondern auch etliche Filme in dessen Folge. Die Beraterin zeigt Autum sogar ein Video, das über die „harte Wahrheit“ der Abtreibung aufklärt. Bezeichnenderweise enthält Drehbuchautorin und Regisseurin Eliza Hittman dem Zuschauer diese Wahrheit vor. Denn mit „Niemals Selten Manchmal Immer“ wollte sie erklärtermaßen auf die Reise von Frauen hinweisen, die in ihrem Bundesstaat aus verschiedenen Gründen nicht abtreiben dürfen und deshalb die vorgeburtliche Kindstötung in einem US-Nachbarstaat vornehmen lassen.

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Zuschauer sollen die Tötung ungeborener Kinder nicht in Frage stellen

Für Autum lautet der Grund: Als Minderjährige braucht sie in Pennsylvania das Einverständnis der Eltern. So macht sich Autum zusammen mit ihrer Cousine und bester Freundin Skylar (Talia Ryder) auf den Weg nach New York. Der Film konzentriert sich auf die Schwierigkeiten, denen die beiden 17-Jährigen in der Großstadt begegnen, wobei die Kamera eine distanziert beobachtende Position einnimmt. Deshalb und wohl auch wegen der spärlichen Dialoge besitzt „Niemals Selten Manchmal Immer“ eine dokumentarische Anmutung. Was bei der Abtreibung passiert, erfährt der Zuschauer ebenso wenig wie die Beweggründe, warum Autum das Kind nicht austragen will. Dazu führt Produzentin Adele Romanski aus: „Die Frage nach dem Warum und dem Geschehenen kommt überhaupt nicht auf.Skylar stellt Autumns Entscheidung niemals infrage“ – und damit soll eben offenkundig der Zuschauer die Entscheidung ebenfalls nicht infrage stellen. Dennoch: Gibt der Film einen realistischen, manchmal gar hyperrealistischen Einblick in einen Prozess, der sich quälend lang über mehrere Tage erstreckt, so vermittelt genau die kalte, beobachtende Kamera die Qualen der Protagonistin, die trotz unbewegter Miene innerlich leidet.

Vor der Abtreibung muss sich Autum einer offensichtlich als schmerzlich empfundenen Befragung unterziehen, bei der sie auf die jeweiligen Fragen mit einem der titelgebenden Umstandswörter „Niemals Selten Manchmal Immer“ antworten soll. Aus dem Fragebogen wird deutlich, dass sie zum einen sehr früh „sexuell aktiv“, zum anderen Opfer sexueller Gewalt wurde.

„Abtreibung selbst kann darüber hinaus als Teil
einer solchen sexuellen Gewalt aufgefasst werden“

Deshalb erinnert Hittmans Film an den rumänischen Spielfilm „Vier Monate, drei Wochen und zwei Tage“ (Cristian Mungiu, 2007). In beiden geht es um eine Abtreibung nicht nur im Kontext der sexuellen Gewalt. Die Abtreibung selbst kann darüber hinaus als Teil einer solchen sexuellen Gewalt aufgefasst werden.

Trotz der offensichtlichen Absicht der Filmemacherinnen, eine „liberalere“ Abtreibungspraxis einzufordern, lässt gerade die nüchterne Inszenierung Raum für vielfältige Interpretationen zu. Eins verdeutlicht Hittmans Film jedoch: Dass die Abtreibung ein weiteres Drama im Leben junger Frauen ist, das zur sexuellen Gewalt und zu einer in der dysfunktionalen Familie allzu oberflächlichen Sexualerziehung hinzukommt. Daraus die Schlussfolgerung zu ziehen, dass die Lösung für diese Probleme die Abtreibung ist, wirkt indes töricht. So töricht wie die Meinung, die Schwangerschaft einer 17-Jährigen sei lediglich ein individuelles Problem, bei dem sie alleingelassen werden dürfe.

Trailer: „Niemals Selten Manchmal Immer“

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José García Spielfilme

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