Film über Whitney Houston

Aufstieg und Fall eines Musikengels

Das Whitney-Houston-Biopic "I wanna dance with somebody" spult die Karriere der legendären Sängerin herunter, ohne große Schwerpunkte zu setzen. Nur eine Überraschung gibt es.
Naomi Ackie als Whitney Houston
Foto: imago-images | Naomi Ackie spielt in der Filmbiografie "I wanna dance with somebody" Whitney Houston.

In den letzten Jahren haben Superstar-Biographie-Filme ein großes Revival erlebt, ausgelöst durch den phänomenalen Erfolg von „Bohemian Rhapsody“. Seit dem 21. Dezember wird uns nun auch das Leben von Whitney Houston im Film „I wanna dance with somebody“ präsentiert. 

Schon als Jugendliche liebt Whitney Houston (Naomi Ackie) es, mit ihrer Mutter Cissy (Tamara Tunie) in ihrer Heimatkirche im Gospelchor zu singen und bekommt eine klassische Ausbildung im Gospelgesang. Als Whitney 19 Jahre alt ist, bittet ihre Mutter sie, spontan für sie bei einem Auftritt einzuspringen, denn sie hat mitbekommen, dass der erfolgreiche Plattenfirmen-Boss Clive Davis (Stanley Tucci) im Publikum sitzt. Als dieser erlebt, wie Whitney das Publikum mit ihrer phänomenalen Stimme begeistert, bietet er ihr direkt einen Plattenvertrag an.

Die Karriere gerät ins Stocken

Schnell folgen TV Auftritte und ein Nr. 1 Hit auf den nächsten und Whitney avanciert bereits 1985 mit ihrem Solo-Debütalbum zur erfolgreichsten Künstlerin ihrer Generation und wird zum weltweit gefeierten Idol. Bei einer Preisverleihung kommt es  schließlich zu einem schicksalhaften Treffen, als sie den Sänger Bobby Brown (Ashton Sanders) kennen lernt. Die beiden verlieben sich ineinander, heiraten 1992 und bekommen eine gemeinsame Tochter.

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Doch nach diesen künstlerischen und privaten Höhepunkten, nach zahlreichen Grammys, mehr als 200 Millionen verkauften Alben und drei Filmen, unter anderem dem Kino-Welterfolg „Bodyguard“, gerät ihre Karriere ins Stocken. Sie erfährt in ihrer 15-jährigen Ehe eine toxische Mischung aus häuslicher Gewalt, Ehebruch, Alkoholabhängigkeit und Drogenmissbrauch.

All das hat auch Auswirkungen auf ihre Stimme und der Druck, ständig so makellos singen zu müssen wie zu Beginn ihrer Karriere, verschlimmert immer mehr ihre psychische Verfassung. Mehrere Entziehungskuren bringen keinen Erfolg und anstelle einer Kehrtwende, kommt 2012 im Alter von 48 Jahren der plötzliche Tod des Megastars durch Ertrinken in einer Badewanne unter Drogeneinfluss.

Routiniert und klischeehaft

Im Gegensatz zu anderen visionären Biopics, wirkt „I wanna dance with somebody“ leider zu uninspiriert inszeniert. Whitneys künstlerischer Werdegang wird in 144 Minuten routiniert und klischeehaft als ein musikalisches Best of runtergespult, ohne große Schwerpunkte zu setzen oder an wichtigen Stellen innezuhalten. Diese Entscheidung, von dem inzwischen auf Biopics abonnierten Drehbuchautor Anthony McCarten, der auch „Bohemian Rhapsody“ geschrieben hat, führt dazu, dass man als Zuschauer kaum einen emotionalen Zugang zu dem Menschen hinter der Kunstprodukt Whitney Houston bekommt.

Die einzige echte Überraschung in dieser durchgehetzten Superstar-Soap von Regisseurin Kasi Lemmons, ist der offene Umgang mit der angeblichen lesbischen Beziehung zwischen Whitney und ihrer langjährigen besten Freundin und Assistentin Robyn Crawford (Nafessa Williams). Es wird spekuliert, dass die beiden Frauen von 1980 bis 1983 eine Liebesbeziehung hatten. Diese Spekulationen hat Whitney Houston jedoch ein Leben lang zurückgewiesen. Der Film zeigt sie als Faktum und begründet die Leugnung damit, dass Whitney Sorge hatte, mit dem Bekanntenwerden ihrer Bisexualität, ihrer Karriere und ihrem Image zu schaden.

Dieses Thema beleuchtet der Film an mehreren Stellen und zeigt wie Whitney auch auf Grund ihres christlichen Glaubens und den Geboten der Bibel mit dieser persönlichen Problematik gerungen hat und sich letztlich von Crawford lossagt, indem sie mit biblischen Verweisen auf Levitikus 18,22 und 20,13 argumentiert, dass so eine Beziehung in Gottes Augen nicht richtig ist.

Nie die religiösen Wurzeln vergessen

In dieser für sie schwierigen Zeit nimmt sie auch den Song „Jesus loves me“ auf und besteht darauf, dass dieser sowohl im Film wie auch im Soundtrack von „Bodyguard“ auftaucht. Trotz des großen künstlerischen Erfolgs, hat sie nie ihre religiösen Wurzeln vergessen und wusste stets, wem sie den Erfolg letztlich zu verdanken hatte. Das wird besonders deutlich in einer Szene, in der sie ihrem Platten-Boss erklärt, dass sie entgegen seinen Wünschen, auf Welttournee gehen möchte. Sie begründet ihren Entschluss damit, dass sie Matthäus 5, 15 zitiert und sagt, dass sie als Sängerin nun mal „ihr Licht nicht unter den Scheffel stellen darf“ und deshalb auf Tour gehen muss, denn Gott hat ihr das Talent zum Singen gegeben um andere Menschen zu erfreuen.

Obwohl Whitney durch ihre christlichen Erziehung sehr bibelfest war und man in einigen Szenen auch sieht und hört wie sie zu Gott betet, dass er ihr Kraft, Führung und Schutz gibt, hat dieser Glaube nicht ausgereicht um sie von ihren inneren Dämonen zu befreien. Wenn, im Rückgriff auf den Filmtitel,  der „somebody“ mit dem man tanzen will, sich als „das goldene Kalb“ entpuppt, wird es Zeit umzukehren. An anderen Biopics, wie über Johnny Cash oder Ray Charles, sieht man, dass es durchaus einen Ausweg aus der Drogenhölle gibt, wenn den Weg mit Gott geht und den richtigen Menschen an seiner Seite. 

 

 

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