"Avatar 2"

„Avatar – The Way of Water“ enthält christliche Botschaft

Auch die Filmbranche kommt um unsere Wurzeln nicht herum: „Avatar – The Way of Water“ bietet faszinierende Spezialeffekte und schlägt christliche Töne an.
"Avatar 2: The Way Of Water"
Foto: 20th Century Studios | Jake Sully (l) und Neytiri in einer Szene des Films "Avatar 2: The Way Of Water", einer trickreich und aufwändig erstellte Produktion mit vielen thematischen Bezügen zu religiösen Themen.

Weihnachten steht nun kurz vor der Tür – doch für einige Filmfreunde fand die diesjährige Kino-Bescherung bereits am 14. Dezember statt, als nach 13 Jahren des langen Wartens und immer neuen Verschiebungen des Filmstarts von „Avatar – The Way of Water“ der zweite Teil von James Camerons „Avatar“-Saga endlich das Licht der Leinwand erblickte.

Der erste „Avatar“-Film aus dem Jahr 2009 erntete nicht nur die Anerkennung internationaler Kritiker – darunter drei Oscars und neun Oscar-Nominierungen –, sondern entwickelte sich schnell zum finanziell erfolgreichsten Film aller Zeiten und ist es trotz starker Konkurrenz von „Marvel“ und „Star Wars“ bis heute geblieben.

Lesen Sie auch:

Pandora versinnbildlicht den Garten Eden

Mit „Avatar – Aufbruch nach Pandora“ hatte Regisseur und Drehbuchautor James Cameron der Welt ein modernes Epos geschenkt, einen Film, den man nicht nur sieht, sondern den man beim Sehen erlebt: Eine Mischung aus Action-, Abenteuer-, Bibel-, Öko-, Kriegs- und Liebesfilm mit der mystisch-religiösen Botschaft, dass wir Menschen Verantwortung für unsere Umwelt übernehmen und achtsam mit ihr und miteinander umgehen müssen. Teil eins von „Avatar“ erinnerte die Zuschauer an unser aller Herkunft aus dem Garten Eden – aus dem Paradies, aus dem die Menschen nach dem Sündenfall vertrieben wurden – und deckt unsere Sehnsucht auf, dorthin zurückzukehren, wo die Harmonie und der Friede zwischen allen Lebewesen herrschen. „Avatar“ erzählte somit eine universelle Geschichte über die zutiefst menschliche Suche nach unserem Platz in der Welt, über die Dinge, die wir wertschätzen, und über die, die wir zerstören. Er verwandelte den Leib-Seele-Dualismus und politisch-ökologische Reizthemen rund um den menschlichen Umgang mit natürlichen Ressourcen in eine Fabel um den Kampf von Mensch und Technik, von Gut und Böse, Gier und Selbstlosigkeit.

Dieser Film konfrontierte den Zuschauer – ähnlich wie schon die beiden Cameron-Blockbuster „Terminator“ und „Titanic“ – neben grandioser Action mit existenzphilosophischen und moralischen Fragen nach dem, was uns als Menschen ausmacht und wohin wir als Menschheit steuern wollen. Unser Schicksal hängt davon ab, wie wir dieses Schicksal, das durchaus nicht unausweichlich ist, gestalten. Denn, so Cameron: In uns gibt es eine Kraft zur Veränderung, wenn wir uns verwandeln lassen durch die Kraft der Liebe, die uns alle umgibt und die wir nur sehen müssen.

„In beiden „Avatar“-Filmen spielt das Gebet, der Glaube an ein Leben nach dem Tod,
die spirituelle Verbundenheit mit allem was lebt und der Glaube an Eywa,
eine mütterliche Gottheit, die über allem wacht, eine große existenzielle Rolle“

Hier setzt „Avatar – The Way of Water“ an: 13 Jahre nach „Avatar – Aufbruch nach Pandora“ haben Jake (Sam Worthington) und Neytiri (Zoe Saldana) eine eigene Na´vi-Familie gegründet. Sie besteht aus ihren leiblichen Kindern (Neteyam, Lo'ak, Tuktirey), der adoptierten Teenagerin Kiri, die aus dem toten Avatar-Körper von Dr. Grace Augustine (hier wie auch im ersten Teil ebenfalls von Sigourney Weaver gespielt) auf geheimnisvolle Weise als „unerklärliche Empfängnis“ entstand und dem Menschenjungen „Spider“, der uns als Sohn vom Bösewicht Colonel Miles Quaritch aus dem ersten Teil vorgestellt wird.

Jake und Neytiri müssen jedoch feststellen, dass ihre Heimat trotz der im ersten Teil erfolgreichen Vertreibung der Menschen weiterhin nicht sicher ist. Denn ein großer Stern am Himmel kündigt – passend zu Weihnachten – bereits die Rückkehr der „Himmelsmenschen“ an, die wiedergekehrt sind, um Pandora nicht nur erneut seiner reichen Mineralien zu berauben, sondern direkt, um die gesamte Menschheit mittelfristig von der sterbenden Erde hierher umzusiedeln und Pandora zur neuen Heimat der Menschen zu machen. Einige der getöteten Militärs aus dem ersten Teil, darunter auch der machtbesessene Quaritch (Stephen Lang), wurden inzwischen als Na´vi geklont – und sollen nun Jagd auf Jake und Neytiri machen und sie endgültig ausschalten.

Lesen Sie auch:

Trickreiche und nie dagewesene Spezialeffekte

Mit dem neuen „Avatar“-Abenteuer überbietet James Cameron noch einmal den ersten Teil seines Science-Fiction-Epos und setzt mit einem Budget von 350 Millionen Dollar erneut neue tricktechnische und visuelle Maßstäbe. Wobei es nicht nur die noch nie dagewesenen Spezialeffekte sind, die beispielsweise in Form atemberaubender Unterwasserbilder das Publikum immer wieder in ungläubiges und ehrfürchtiges Staunen versetzen, sondern auch die emotionale Kraft der Geschichte um eine Familie auf der Flucht, für die es scheinbar nirgendwo einen sicheren Hort des Friedens gibt, was einen gerade an diesen Tagen an die Geschichte der „Heiligen Familie“ denken lässt.

Familie ist das, was es für Jake als Vater zu beschützen gilt und was er als seine wichtigste Aufgabe ansieht: Seine „Familie“ ist, wie er selbst sagt „meine Festung, meine größte Stärke, aber auch meine größte Schwäche“. Das, was Menschen Kraft gibt, kann sie auch verwundbar machen. Von dieser menschlichen Ambivalenz schrieb schon der Apostel Paulus: „Deswegen bejahe ich meine Ohnmacht, alle Misshandlungen und Nöte, Verfolgungen und Ängste, die ich für Christus ertrage; denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.“ (2 Kor 2,10)

„Avatar“ ist eine Familiengeschichte

Zur Familie zählen in Pandora aber nicht nur die eigenen leiblichen Verwandten, sondern scheinbar alle Lebewesen, mit denen man zusammenlebt. Das wird vor allem in Momenten deutlich, wo selbst Wale als Brüder und Schwestern und Seelenverwandte angesprochen werden: Alles ist miteinander verbunden. In beiden „Avatar“-Filmen spielt das Gebet, der Glaube an ein Leben nach dem Tod, die spirituelle Verbundenheit mit allem was lebt und der Glaube an Eywa, eine mütterliche Gottheit, die über allem wacht, eine große existenzielle Rolle. Nichts geht wirklich verloren, alles Leben ist Energie und Energie kehrt zurück und wird verwandelt, heißt es immer wieder in „Avatar“, denn „Eywa bewahrt ihre Kinder in ihrem Herzen“.

„Avatar“ bietet viele explizite oder implizite Verweise auf verschiedene Religionen und nimmt dabei gern Bezug sowohl auf jüdisch-christliches Gedankengut, wie auch auf Naturreligionen und fernöstliche Philosophien. Der Baum der Seelen oder auch Baum des Lebens genannt, mit dem sich die Na´vi verbunden wissen, ist ein Verweis auf den Weltenbaum, der in vielen schamanischen Traditionen eine Rolle spielt. Der Begriff „Avatar“ stammt aus dem Hinduismus und beschreibt die Erscheinung eines Gottes in einer bestimmten Gestalt, das speziell bei der Gottheit Vishnu der Fall ist.

Lesen Sie auch:

Anleihen bei vielen Riten

Die religiösen Stammeszusammenkünfte der Na´vi an Heiligen Orten erinnern an meditative tibetische Mönchsversammlungen und ihre religiösen Gesänge an die jüdische Rezitation von Psalmen. Ihr Glaube an die Wirkmacht und Heilkraft von Eywa ist stärker als ihr Vertrauen in die menschliche Wissenschaft, in die Medizin und die Technik. Das sieht man besonders gut in der Szene, in der die junge Kiri scheinbar einen epileptischen Anfall erleidet, aber nicht die moderne Medizin ihr helfen kann, sondern religiöse Riten.

Klar ist: „Avatar – The Way of Water“ sieht optisch überwältigend aus und es ist dringend empfohlen, jedem, der den Film sehen will, sich diesen unbedingt im Kino, mit bestem Sound und auf größtmöglicher Leinwand anzuschauen und nicht zu warten, bis man ihn in ein paar Monaten auf dem heimischen Fernseher gucken kann. Denn Filme wie „Avatar“ können nur im Kino ihre ganze Wirkung und ihren Zauber über 192 Minuten Laufzeit entfalten. Und: Dieser Film ist nicht nur an der visuellen Oberfläche beeindruckend, sondern geht trotz nicht ausbleibender Actionszenen auch in die Tiefe, da er ebenso als Reise der inneren Bewusstwerdung wie als wirkliche Reise in eine exotische neue Welt konzipiert ist.

Erinnerung an Paulus und sein Reden von Gott

„Der Weg des Wassers hat keinen Anfang und kein Ende. Das Wasser umgibt dich und ist in dir. Das Wasser ist deine Heimat, vor deiner Geburt und nach deinem Tod. Unsere Herzen schlagen im Schoß der Welt. Das Wasser gibt und das Wasser nimmt. Wasser verbindet alle Dinge; Leben mit Tod, Dunkelheit mit Licht.“ Diese Worte werden an zwei Stellen im Film gesprochen und muten wie ein Glaubensbekenntnis an – man kann sie als esoterischen Kitsch abtun oder sich an die Rede des Apostels Paulus auf dem Areopag erinnert fühlen, als er dort vor den Gelehrten sein Glaubensbekenntnis ablegte: „Denn in ihm (Gott) leben wir, bewegen wir uns und sind wir …“ (Apg 17,28)

Es wird spannend zu beobachten sein, wohin der neueste Film von James Cameron sich bewegen wird: Ob „The Way of Water“ genug Geld in die Kinokassen spült, dem ersten Teil das Wasser reichen oder gar seine Vorgängererfolge terminieren kann oder ob er letztlich finanziellen Schiffbruch erleidet. Die Büchse der Kino-Pandora ist jedenfalls geöffnet, mal sehen was dabei rauskommt.


Der Autor ist Jugendpfarrer im Erzbistum Köln und betrachtet auf seinem YouTube-Kanal
„Christ in Cinema“ Film- und Serienhits aus katholischer Perspektive.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Norbert Fink Apostel Paulus Erzbistum Köln Gott James Cameron Jesus Christus Paulus von Tarsus Weihnachten

Weitere Artikel

Die Welt ist in Bewegung. Die Gesellschaft steht vor neuen Herausforderungen. Was können Christen in dieser Wendezeit zum Guten beitragen? Die Vergangenheit liefert Hinweise.
21.07.2022, 15 Uhr
Barbara Stühlmeyer
Nicht erst seit Beginn des sogenannten Synodalen Weges gibt es eine Debatte: Ist Gender-Denken atheistisch und damit christlich inakzeptabel?
20.11.2022, 11 Uhr
Stefan Hartmann

Kirche

Katholiken und Orthodoxe seien „gemeinsam zum gleichen Ziel unterwegs“, sagt der Grazer Bischof Krautwaschl.
02.02.2023, 19 Uhr
Stephan Baier
Menschenrechte gegen Katechismus: Eine Podiumsdiskussion über die Sexualmoral des Synodalen Weges fördert erneut weltanschauliche Gräben zutage.
02.02.2023, 13 Uhr
Anna Diouf
Bei zwei Begegnungen spricht sich der Papst für den Frieden und die Bekämpfung der Armut im Kongo aus. Hass und Gewalt seien niemals zu rechtfertigen, sagte er.
01.02.2023, 21 Uhr
José García
Man erhoffe sich von der Führung im Südsudan ein erneutes Bekenntnis zum Frieden und Bemühungen, das Friedensabkommen umzusetzen, so der Vatikanvertreter bei der UNO.
01.02.2023, 16 Uhr
Meldung