Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Verlagsskandal um "Hillbilly Elegy"

Ullsteins Vance-Ausbootung: Eine kapitalistische Inszenierung?

Der Ullstein-Verlag cancelt J. D. Vance und schießt sich damit vermeintlich ins eigene Knie, während ein Kleinverlag jubelt. Der wahre Gewinner aber ist der gemeinsame Mutterkonzern.
J. D. Vance, Erfolgsautor und "running mate" von Donald Trump
Foto: IMAGO | Erfolgsautor und "running mate" von Donald Trump: J. D. Vance. Zur Verlagsposse um die deutsche Übersetzung seines Buches hat er sich bisher nicht geäußert.

Sieben Jahre nach Erscheinen der deutschen Übersetzung wird das von der Kritik hochgelobte Buch „Hillbilly-Elegie“ von J. D. Vance erneut zum Bestseller und befindet sich auf Platz eins der meistverkauften Bücher bei Amazon. Beim Ullstein-Verlag, der die deutschen Rechte an dieser bewegenden autobiographischen Geschichte innehatte, hätten angesichts dieser Entwicklung die Sektkorken knallen müssen. Stattdessen aber entschied man sich dazu, das vergriffene Buch nicht neu aufzulegen und die Rechte daran auslaufen zu lassen.

Lesen Sie auch:

Die Begründung für diese schwer geschäftsschädigende Entscheidung scheint rein ideologischer Natur zu sein. Der einstige Trump-Gegner Vance ist, nachdem er eine politische 180-Grad-Wende vollzogen hat, inzwischen zum republikanischen Vizepräsidentschaftskandidaten an der Seite Donald Trumps gekürt worden. Das ist offenbar zu viel für Ullstein. Vance, so hieß es von Verlagsseite, vertrete „eine aggressiv-demagogische, ausgrenzende Politik“. Daher habe man beschlossen, den auslaufenden Vertrag mit dem Autor nicht zu erneuern.

„Go woke, go broke“

Einen deutlicheren Beleg für die ökonomisch selbstzerstörerischen Folgen des Wokeismus hat man selten gesehen. Sollte man bei Ullstein damit gerechnet haben, dass der linksgeneigte mediale Mainstream diese Entscheidung beklatschen und damit zumindest für einen moralischen Reputationsgewinn sorgen sollte, so hat man sich geirrt. Der Wind in Sachen Wokeness scheint sich langsam zu drehen. Selbst die Bundesvorsitzende der „Grünen“, Ricarda Lang, zeigte sich irritiert angesichts des Vorgehens von Ullstein. Auf „X“ schrieb sie dazu: „Das halte ich für keine kluge Entscheidung. Das Buch bleibt interessant und lesenswert.“

Nutznießer von Ullsteins Fehltritt ist der Münchner Kleinverlag „Yes“. Dort hat man bisher Titel wie Jörg Kachelmanns „Lexikon der Volksverdummung“ oder „OMG, ist das wahr?“ eines „Science-Influencers“ namens Wissensbert im Programm. Ein politisches Profil, insbesondere eines das nach rechts neigen würde, sucht man vergeblich. Offenbar ist dem Yes-Verlag schlicht ein kaufmännischer Coup geglückt.

Die Spur des Geldes

An dieser Stelle könnte man die Geschichte auch schon für auserzählt halten. Schaut man allerdings etwas genauer hin, zeigt sich noch eine auf den ersten Blick versteckte Pointe. Dazu muss man lediglich der Spur des Geldes folgen und fragen, wer hinter Ullstein und Yes steckt.

Ullstein gehört zum schwedischen Medienimperium Bonnier; Yes ist Teil der Münchner Verlagsgruppe, die wiederum wem gehört? Richtig: Bonnier. Aus Sicht des Mutterkonzerns wandern bei der ganzen Affäre also schlicht Buchrechte und Geld aus der linken in die rechte Tasche. Die Woken bekommen derweil ihr Haltungszuckerlein von den moralischen Saubermännern bei Ullstein, alle anderen dürfen sich über den Sieg eines Kleinverlags über den Wokeismus freuen. Am Ende aber tanzen alle nach der Pfeife des Kapitalismus.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Sebastian Ostritsch Donald Trump Jörg Kachelmann

Weitere Artikel

Sollte der Irankrieg für dauerhaft höhere Ölpreise sorgen, dann sieht es mit der Erholung der deutschen Wirtschaft schlecht aus. Auch das Erbe der Energiewende macht sich bemerkbar.
10.03.2026, 14 Uhr
Jakob Ranke
Die Kriegsstrategie Israels bewegt sich zwischen dem Machbarem und den Vorstellungen von Donald Trump. Für Israels Premier Netanjahu geht es dabei auch um seine eigene Machtposition.
26.03.2026, 09 Uhr
Richard C. Schneider
Gegen den „katholischen Moralapparat“: Der Gynäkologe Joachim Volz protestiert mit Hunderten für das Recht, abzutreiben. Und erzielt einen Teilerfolg.
11.02.2026, 21 Uhr
Elisabeth Hüffer

Kirche

Das vatikanische Appellationsgericht ordnet die Wiederholung des Verfahrens gegen Kardinal Angelo Becciu an. Ein Grund: wie Papst Franziskus in die Verhandlungen eingegriffen hat.
01.04.2026, 08 Uhr
Giulio Nova
Wohl auch eine ganz konkrete Anspielung: Papst Leo predigt am Palmsonntag über Gott, der den Krieg ablehnt. Eine Änderung der katholischen Lehre ist damit nicht verbunden.
31.03.2026, 15 Uhr
Maximilian Welticke
Die dazugewonnene Zeit bietet mehr für Freizeit, Familie, Freunde und Engagement – aber vor allem auch für Gott. Ein Erfahrungsbericht.
01.04.2026, 07 Uhr
Jonathan Prorok