Sie ist auf dem Weg nach Zürich, als wir für ein spontanes Interview anfragen. Gleich findet die Aufzeichnung einer neuen Folge der „Sternstunde Philosophie“ beim SRF statt. Auch deshalb ist die vielbeschäftigte Philosophin für solche Überfallaktionen derzeit nicht zu haben: „Aber Sie werden auch so was Schönes schreiben!“
Svenja Flaßpöhler, Jahrgang 1975, hat den Sprung in die zweite Jahrhunderthälfte ihres Lebens problemlos gemeistert. Die Reife tut ihr innerlich und äußerlich gut. Zur gewohnt frechen Unbekümmertheit hat sich inzwischen Professionalität gesellt, die sie zur derzeit bekanntesten und meistbeschäftigten Philosophin des Landes macht. Ihr neuestes Buch über „Zusammenbleiben“ hievte sie sogar in die BILD-Zeitung, was bei Frauen des Geistes nicht allzu oft passiert. Ihr Plädoyer für die besondere Würde einer stabilen Verbindung zwischen Mann und Frau, die erst aus der freien Entscheidung angesichts eines unendlichen Möglichkeitshorizonts entsteht – dieser Gedanke berührt die Menschen. Es geht, so hat die Autorin für sich und andere erkannt, um eine der großen Fragen unserer Zeit. Es geht um unser Glück.
An Gott glaubt sie nicht
Zwischen Fernsehstudios, Buchmessen und Feuilletons hat sie sich zu einer starken Marke des freien Denkens entwickelt, quasi zur Coca-Cola der weiblichen Lust am Synapsenkitzel. An Gott glaube sie nicht, bekennt die in Münster geborene Chefredakteurin des Philosophie Magazins, die einst über „Pornografie und Subjektkritik“ promovierte. Vielmehr wurde ihr das eigene Leben zum Weg der Erkenntnis scheinbar individueller Wahrheiten, deren Qualität allerdings in einer frappierenden Allgemeingültigkeit liegt. So sehen es jedenfalls ihre Leser, die sie zur Erfolgsautorin werden ließen.
Aufsehen erregte Flaßpöhler 2018 mit einem Plädoyer für potente Weiblichkeit. Das bisweilen fragwürdige MeToo-Rollenspiel der verführten Unschuld behagte ihr nicht; lieber betont sie eigene Kraft und Verantwortung. Erfahrungen einer wilden Jugend spielen sicher in diese Haltung hinein.
Wie hinter vielen starken Frauen steht auch hinter Flaßpöhler ein starker Mann. Der Schriftsteller Florian Werner schrieb mit ihr 2019 „Zur Welt kommen“: Elternschaft als philosophisches Abenteuer. Wer Flaßpöhler liest, sollte dazu vielleicht das Album „So schön wird’s nie wieder“ von Werners Band FÖN auflegen, mit dieser Textzeile, die perfekt zu Svenja Flaßpöhler passen will: „… man wird ja nachdenklicher mit den Jahren, man glaubt nicht mehr so leicht, was die Spatzen von den Dächern pfeifen.“
Am 23. September kann man Svenja Flaßpöhler live im Berliner Pfefferberg-Theater erleben.
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