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Der Fall Gisèle Pelicot: Die promiskuitive Gesellschaft bietet keine Alternative

Das Gerichtsurteil von Avignon, das in dieser Woche gefällt wurde, zeigt die Grenzen der postmodernen Gesellschaft gegenüber schweren Sexualverbrechen.
Vergewaltigungsopfer Gisele Pelicot
Foto: IMAGO/Jack Taylor (www.imago-images.de) | Bis zum Schluss fühlte sich ein Täter selbst als Opfer und warf der malträtierten Pelicot vor, ihn auf dem Gewissen zu haben, da er seine Gesundheit durch den Prozess eingebüßt habe.

Zu den landläufigen Narrativen, die mitunter auch in Kirchenkreisen wiederholt werden, gehört der törichte Spruch, die Kirche solle sich aus den Schlafzimmern der Menschen heraushalten. Wer der Kirche jede Autorität in puncto Sexualmoral abspricht, unter-schätzt die Institution allerdings gründlich. Denn sie ist trotz allen Versagens eine alternativlose Gemeinschaft, die prophylaktisch Gewissen der Menschen bildet und sich der Sünder lebenslang annimmt.

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Das Gerichtsurteil von Avignon, das in dieser Woche im Fall Gisèle Pelicot gefällt wurde, zeigt die Grenzen der postmodernen Gesellschaft gegenüber schweren Sexualverbrechen. Die Justiz kann die Täter zwar eine Zeitlang wegsperren, Einsicht und Reue kann sie allerdings nicht bewirken.

Eine frühzeitige Erziehung nach sittlichen Maßstäben ist notwendig

Das Opfer, das von seinem Ehemann jahrelang sediert und in bewusstlosem Zustand Fremden zur Vergewaltigung angeboten wurde, hat trotz der persönlichen Courage sein Ziel, die Scham möge durch den öffentlichen Prozess die Seite wechseln, am Ende nur teilweise erreicht. Obwohl Frau Pelicot weltweite Anerkennung erfuhr und die öffentliche Meinung auf ihrer Seite hatte, verließen die meisten ihrer Vergewaltiger verstockt den Gerichtssaal.

Von den mehr als 50 Angeklagten haben nur 15 um Vergebung gebeten. Zwei Drittel haben auf Freispruch plädiert und keinerlei Reue gezeigt. Bis zum Schluss fühlte sich ein Täter selbst als Opfer und warf der malträtierten Pelicot vor, ihn auf dem Gewissen zu haben, da er seine Gesundheit durch den Prozess eingebüßt habe.

Damit Menschen sich erst gar nicht derart verhärten, ist eine frühzeitige Erziehung nach sittlichen Maßstäben notwendig. Wer macht Eltern heute dazu Mut, wenn nicht die katholische Kirche? Und auch die nun weggesperrten Täter brauchen die Gnade der Umkehr, um ihr eigenes Menschsein und die Würde ihres Opfers zu erkennen.

Wo, wenn nicht in der Kirche, wird für ihre Umkehr gebetet? Wer sagt, die Kirche solle sich aus den Schlafzimmern heraushalten, muss erklären, worin die Alternative bestehen soll. Die promiskuitive Gesellschaft hat offensichtlich keine zu bieten. 

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Regina Einig Katholische Kirche Vergewaltigung

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