Ist das der Vibe Shift? Beim ZDF läuft die Sendung von Jan Böhmermann, das „ZDF Magazin Royale“, zum Jahresende aus. Man sei im Gespräch über ein „mögliches neues Showkonzept“, teilte das ZDF mit.
Böhmermann und seine Redaktion hatten das Format in den letzten Jahren immer stärker in Richtung einer Mischung aus Satire, Journalismus und politischem Aktivismus entwickelt. Dabei entstand der Eindruck politischer Einseitigkeit: Die satirische Kritik richtete sich meist gegen Personen, Organisationen und Milieus rechts der Mitte; linke und progressive Akteure traf es hingegen kaum.
Nichts wäre weniger lustig, als eine auf rechts gedrehte Wokeness
Nun hat politisch engagierte Komik eine lange Tradition in Deutschland: Man nennt das Kabarett. Gutes Kabarett ist aber gerade keine Agitation: Ein gewisser Wille zur Ambivalenz gehört dazu, genauso wie die Bereitschaft zur Selbstdistanzierung: Die eigene Haltung und das eigene Milieu werden selbst auch zum Gegenstand der Satire.
Der Vorwurf der Selbstgerechtigkeit, der Böhmermann seit Jahren gemacht wird, trifft darum einen wesentlichen Punkt. Die Vereindeutigung der eigenen Position und die entsprechende Markierung des weltanschaulichen Gegners erfüllte ein Bedürfnis nach Selbstvergewisserung des progressiven Milieus; sie führte aber gleichzeitig dazu, dass Böhmermann am Ende nicht mehr besonders lustig war. Nichts killt die Komik so sehr wie Vorhersehbarkeit und Berechenbarkeit.
Von Amerika ausgehend, so ist in letzter Zeit häufig zu hören, erfasst ein Vibe Shift, ein gesellschaftlicher Klimawechsel, den Westen. Die bisher vorherrschenden Diskurse, Stimmungen und Stile werden abgelöst und wirken plötzlich veraltet. Was folgt nun? Nichts wäre jedenfalls weniger lustig, als eine auf rechts gedrehte Wokeness – also das Modell Böhmermann unter umgekehrten politischen Vorzeichen.
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