Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kommentar um „5 vor 12“

Aus für Böhmermann: Darum war das „ZDF Magazin Royale“ nicht mehr lustig

Die Show des ZDF-Moderators war zuletzt eine Mischung aus Satire, Journalismus und politischem Aktivismus – meist mit linker Schlagseite.
ZDF-Entertainer Jan Böhmermann
Foto: IMAGO / Panama Pictures | Jan Böhmermanns satirische Kritik richtete sich meist gegen Personen, Organisationen und Milieus rechts der Mitte; linke und progressive Akteure traf es hingegen kaum.

Ist das der Vibe Shift? Beim ZDF läuft die Sendung von Jan Böhmermann, das „ZDF Magazin Royale“, zum Jahresende aus. Man sei im Gespräch über ein „mögliches neues Showkonzept“, teilte das ZDF mit. 

Lesen Sie auch:

Böhmermann und seine Redaktion hatten das Format in den letzten Jahren immer stärker in Richtung einer Mischung aus Satire, Journalismus und politischem Aktivismus entwickelt. Dabei entstand der Eindruck politischer Einseitigkeit: Die satirische Kritik richtete sich meist gegen Personen, Organisationen und Milieus rechts der Mitte; linke und progressive Akteure traf es hingegen kaum.

Nichts wäre weniger lustig, als eine auf rechts gedrehte Wokeness

Nun hat politisch engagierte Komik eine lange Tradition in Deutschland: Man nennt das Kabarett. Gutes Kabarett ist aber gerade keine Agitation: Ein gewisser Wille zur Ambivalenz gehört dazu, genauso wie die Bereitschaft zur Selbstdistanzierung: Die eigene Haltung und das eigene Milieu werden selbst auch zum Gegenstand der Satire.

Lesen Sie auch:

Der Vorwurf der Selbstgerechtigkeit, der Böhmermann seit Jahren gemacht wird, trifft darum einen wesentlichen Punkt. Die Vereindeutigung der eigenen Position und die entsprechende Markierung des weltanschaulichen Gegners erfüllte ein Bedürfnis nach Selbstvergewisserung des progressiven Milieus; sie führte aber gleichzeitig dazu, dass Böhmermann am Ende nicht mehr besonders lustig war. Nichts killt die Komik so sehr wie Vorhersehbarkeit und Berechenbarkeit.

Von Amerika ausgehend, so ist in letzter Zeit häufig zu hören, erfasst ein Vibe Shift, ein gesellschaftlicher Klimawechsel, den Westen. Die bisher vorherrschenden Diskurse, Stimmungen und Stile werden abgelöst und wirken plötzlich veraltet. Was folgt nun? Nichts wäre jedenfalls weniger lustig, als eine auf rechts gedrehte Wokeness – also das Modell Böhmermann unter umgekehrten politischen Vorzeichen.

Jetzt die „Tagespost" abonnieren und nichts mehr verpassen.

Themen & Autoren
Benjamin Leven Traditionen

Weitere Artikel

Regensburger Laien kritisieren Jan Böhmermann für dessen Verunglimpfung der Lebensrechtsbewegung. Richtig so. Niveau scheint für den selbsternannten Satiriker ein Fremdwort zu sein.
05.12.2025, 17 Uhr
Sebastian Sasse
Der Gaza-Krieg sorgt dafür, dass sich die politische Unterscheidung von Freund und Feind auf die Sphäre der Unterhaltung ausweitet. Das raubt ihr aber die versöhnende, einende Kraft.
25.09.2026, 09 Uhr
Sebastian Ostritsch

Kirche

Das Bischofstreffen in Rom zur Familienpastoral stößt auf wenig Interesse bei den Medien. Grund ist die Art und Weise, wie die Versammlung gelenkt und gesteuert wird.
10.10.2026, 12 Uhr
Guido Horst
Papstjubel und Protestwut: Hunderttausende Franzosen gingen zuletzt aus verschiedenen Gründen auf die Straßen. Eins hat sie dennoch vereint.
09.10.2026, 11 Uhr
Elisabeth Hüffer
Johannes Zehe, früher Geiger und seit 2023 Regens für die Priesterausbildung im Erzbistum, wird an diesem Samstag im Mariendom zum Bischof geweiht.
09.10.2026, 14 Uhr
Dorothea Schmidt