Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kommentar

Politisierte Popkultur

Der Gaza-Krieg sorgt dafür, dass sich die politische Unterscheidung von Freund und Feind auf die Sphäre der Unterhaltung ausweitet. Das raubt ihr aber die versöhnende, einende Kraft.
Der britische Pop-Sänger Ed-Sheeran
Foto: IMAGO / ABACAPRESS | Alles andere als ein politischer Künstler: der britische Pop-Sänger Ed-Sheeran.

Die postkoloniale Linke erfinde sich mit Blick auf Gaza neu, meinte jüngst der ZEIT-Journalist Ijoma Mangold im Interview mit der „Tagespost“. Das ist richtig, geht aber nicht weit genug: In Wirklichkeit sind die Palästina-Solidarität und die Anklage Israels als Kriegsverbrecher oder gar Völkermörder zu einem neuen einheitsstiftenden Motiv geworden, das Linke und Rechte miteinander verbindet. Erstaunlicherweise gibt es eine solche Anti-Israel-Querfront inzwischen sogar in den USA, wo in der Vergangenheit vor allem die Wähler der Republikaner traditionell immer felsenfest an Israels Seite standen.

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So gesehen liegen die gegen Israel gerichteten politischen Botschaften und „Free Palestine“-Rufe des Rappers Macklemore, der in der jüngeren Vergangenheit auch schon mit einem abstrusen, deutlich antisemitisch anmutenden Bühnenkostüm für Proteste sorgte, voll im Trend. Doch nun wird Macklemore anders als geplant nicht im Vorprogramm der US-Tour des Pop-Giganten Ed Sheeran auftreten. Robert Kraft, der schwerreiche jüdische Inhaber der „New England Patriots“ und des Gillette Stadiums in der Nähe von Boston, sorgte dafür, dass Macklemore aus dem Vorprogramm gestrichen wurde. Daraufhin solidarisierten sich die anderen Support-Acts und sogar Ed Sheerans Liveband mit dem Gecancelten und zogen sich von der Tournee zurück.

Ed Sheeran macht sich auf keiner Seite Freunde

Übrig blieb allein Sheeran, der alles andere als ein politischer Künstler ist. In einem Statement, das es allen Seiten recht machen wollte, bezeichnete er die Anschläge der Hamas vom 7. Oktober als „grauenerregend“ („horrific“) und verurteilte die Situation in Gaza zugleich als „nicht zu rechtfertigen“ („unjustifiable“). Freunde wird er sich damit aber wohl bei keiner der beiden Parteien gemacht haben.

Der Vorfall zeigt, wie der Gaza-Krieg inzwischen auch die Popkultur fest im Griff hat und die politische Unterscheidung von Freund und Feind auf die Sphäre der Unterhaltung ausgeweitet wurde. Die Politisierung der Populärkunst raubt ihr aber ihre versöhnende, einende Kraft: Wenn sogar der Konzertgänger neben einem zum potenziellen „Terrorsympathisanten“ oder „Völkermordunterstützer“ geworden ist, steht es schlecht um den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

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Sebastian Ostritsch Antisemitismus Hamas Tourneen Traditionen

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