Es gibt selten jene Augenblicke, in denen sich der Zustand einer Gesellschaft nicht in langatmigen Analysen zeigt, sondern in einem einzigen Bild, das sich in das Bewusstsein einschreibt. Die jüngste Sendung Jan Böhmermanns über Abtreibung war ein solcher Moment. Man hätte sie als weitere Provokation in einer bereits überreizten Medienlandschaft abtun können, wäre da nicht diese eigentümliche Selbstverständlichkeit gewesen, mit der das Fragilste verspottet wurde: Menschen, die sich für das Ungeborene einsetzen, wurden als „Föten-Fanatiker“ und „Gebärmutter-Stalker“ abqualifiziert, als wären sie eine skurrile Randgruppe und nicht jene, die eine jahrhundertealte moralische Intuition verteidigen.
Jan Böhmermann und das Verstummen eines moralischen Grundtons
Der „Satiriker“ zieht in einer Sendung über Lebensschützer her. Stefan Groß-Lobkowicz sieht darin einen moralischen Bankrott. Wer die Schutzbedürftigsten verspotte, verspotte den Kern des Menschlichen.
