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Europawahl: Waren, für die sich niemand interessiert

Europawahlen potenzieren die normalen Probleme von Wahlen in demokratischen Wohlstandsgesellschaften, meint Norbert Bolz. Niemand liest Programme, niemand kennt die Kandidaten.
TV-Duell zur Europawahl
Foto: Claudius Pflug (ZDF) | TV-Duell der Spitzenkandidaten zur Europawahl: Das Problem, Bürger für Wahlen zu interessieren, haben vor allem die Volksparteien.

Wir gehen gleichsam bürgerpflichtig wählen, aber wir investieren keine allzu großen Energien in die Informationsbeschaffung – man hat ja nur eine Stimme. Europawahlen potenzieren nun die normalen Probleme von Wahlen in demokratischen Wohlstandsgesellschaften. Die Parteien bieten Waren an, für die sich kaum jemand interessiert. Niemand liest Programme, niemand kennt die Kandidaten. Oder kennen Sie Ska Keller und Sven Giegold? Das sind immerhin die Spitzenkandidaten der Grünen!

Grüne befriedigen tiefes religiöses Bedürnis einer atheistischen Gesellschaft

Doch dass niemand ihre Kandidaten kennt, wird den Grünen auch bei dieser Europawahl nicht schaden, denn sie sind deshalb so erfolgreich, weil sie das tiefe religiöse Bedürfnis einer atheistischen Gesellschaft befriedigen. Ähnliches haben die anderen Parteien nicht zu bieten.

Das Problem, Bürger für Wahlen zu interessieren, haben vor allem die Volksparteien. Denn Volksparteien, die sich ja so nennen, weil sie keine Klientelparteien sein wollen, dürfen nicht konkret werden. Mit jedem konkreten politischen Vorschlag befriedigt man nämlich nur einige und verprellt viele. Deshalb ist unverbindliches Geschwätz das Medium der Volksparteien.

Kein Unterschied zwischen Wahlwerbung und Konsumwerbung

Der amerikanische Philosoph Harry Frankfurt spricht in diesem Zusammenhang schlicht von Bullshit. Weil man nicht nicht kommunizieren kann, produziert man Nullkommunikation. Und jedes Kind weiß, dass es keinen Unterschied zwischen Wahlwerbung und Konsumwerbung gibt.

DT

Wogegen und gegen wen die älteren Parteien im Europawahlkampf kämpfen, ist also klar. Doch kann man auch sagen wofür? Eine Antwort wagt Norbert Bolz in der aktuellen Ausgabe der „Tagespost“ vom 16. Mai 2019.

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