Kommentar um "5 vor 12"

Mit Zuckerbrot und Peitsche

Erst hatte der Vatikan Impfverweigerern unter den eigenen Mitarbeitern den Verlust des Arbeitsplatzes angedroht. Gegen Ende der Impfkampagne kehrte er dann zu flexibleren Lösungen zurück. Ein Kommentar.
Papst Franziskus trifft im Petersdom ein
Foto: Guglielmo Mangiapane (Pool Reuters/AP) | Papst Franziskus trifft im Petersdom ein, um die Aschermittwochsmesse zu leiten. Schon im Januar hatte er erklärt, dass aus ethischer Sicht jeder Mensch den Impfstoff nehmen sollte.

Erst hat der Vatikan intern ein Dekret erlassen, dass in Einzelfällen Mitarbeitern, die sich nicht gegen Corona impfen lassen wollen, Konsequenzen bis hin zum Verlust des Arbeitsplatzes ankündigt. Am Donnerstag wurde dieser vom Gouverneur des Staats der Vatikanstadt, Kardinal Giuseppe Bertello, unterzeichnete Ukas bekannt, als ihn die italienische Nachrichtenagentur „AGI“ auszugsweise im Internet veröffentlichte. Dann hat der Pressesaal des Vatikan noch am Donnerstagabend eine Note desselben Governatorats nachgeschoben, in der sich die angedrohten Sanktionen wieder anders lesen: Entlassungen aus dem Arbeitsverhältnis bei Impfverweigerern seien nicht vorgesehen. Stattdessen würden in diesen Fällen „alternative Lösungen für die Ausübung der Arbeit“ in Betracht gezogen. Keinesfalls seien die Vorgaben als „Repression gegen Arbeitnehmer“ gedacht, heißt es der Note. Vielmehr strebe man „eine flexible und verhältnismäßige Reaktion“ an, die zwischen Gesundheitsschutz und individueller Freiheit abwäge. Ja, was denn nun?

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Die Glaubenskongregation war gegen eine Impfpflicht

Offensichtlich muss aber im zurückliegenden Monat ein schärferer Wind geweht haben. Denn die Impfkampagne hinter den heiligen Mauern ist so gut wie abgeschlossen. Die letzten der etwa 4.500 Mitarbeiter im Vatikan erhalten gerade ihre zweite Dosis. Zwar hatte sich die Glaubenskongregation noch Ende Dezember gegen eine allgemeine Impfpflicht ausgesprochen und zur Corona-Pandemie eher zurückhalten formuliert, dass bei einer persönlichen Entscheidung auch das Gemeinwohl einfließen müsse. Wer aus Gewissensgründen eine Impfung ablehne, solle sich bemühen, durch andere prophylaktische Mittel und entsprechendes Verhalten zu vermeiden, andere anzustecken. So tolerant war der Vatikan ab dem 8. Februar gegenüber dem eigenen Personal offenbar nicht – auch wenn diese Zeitung von Vatikanmitarbeitern erfahren hat, denen das Dekret des Governatorats gar nicht bekannt war. 

Es galt die harte Linie des Papstes

Aber dann hat sich wohl die härtere Linie von Papst Franziskus durchgesetzt. Im Januar hatte er erklärt, dass aus ethischer Sicht jeder Mensch den Impfstoff nehmen sollte. Für eine „selbstzerstörerische Verweigerungshaltung“ habe er kein Verständnis. Und seinen Ausspruch von damals – „Du spielst mit deiner Gesundheit, du spielst mit deinem Leben, aber du spielst auch mit dem Leben anderer“ – versandte die Päpstliche Akademie für das Leben in einem Tweet. Jetzt, wo die Impferei so gut wie abgeschlossen ist, kehrt man zu „einer flexiblen und verhältnismäßigen Reaktion“ bei Impfskeptikern zurück, die den Freiheitsrechten der einzelnen Person, selber entscheiden zu dürfen, wenn es um den eigenen Körper geht, auch angemessener ist. 

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