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Kommentar um „5 vor 12“: Triumph der Wald-Beter

Eine Kirche, die in der Not nicht bei den Menschen ist, erklärt sich selbst für unnötig.
Coronavirus: Keine Gottesdienste in Italien
Foto: Andrew Medichini (AP) | Rom: Eine Frau kniet im Gebet während einer Sonntagsmesse im Freien. Im Kampf gegen das neue Coronavirus schränkt Italien die Bewegungsfreiheit der Bürger drastisch ein, bis 3.

Erinnern Sie sich an die Wald-Beter? „Jesus ja, Kirche nein!“, lautete damals die Parole. Viele meinten, man brauche keine Kirche, denn beten könne man ja auch im Wald. Erstaunlicherweise waren die Wälder sonntags nicht voller frommer Beter.

Jetzt sind die Wald-Beter kirchenamtlich bestätigt worden: Italiens Bischöfe fügen sich der staatlichen Weisung, bis 3. April keinerlei öffentliche Gottesdienste mehr zu feiern. Beten kann man ja auch im Wald, oder – wie man heute sagt – online im Internet.

Wenn die Not groß ist, muss die Kirche den Menschen nahe sein

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Sicher, vernünftige Vorsichtsmaßnahmen sind gerade in Italien angesagt. Da darf sich die Kirche nicht entziehen. Doch gerade wenn die Not groß ist, wenn die Angst wächst und Panik droht, muss die Kirche den Menschen nahe sein. Es ist ganz biblisch, christlich und kirchlich, in Notzeiten den Himmel zu bestürmen. Nicht, weil es die Gläubigen bei der Stange hält, sondern weil Gott tatsächlich jede Not wenden kann.

Nicht weniger, sondern mehr kirchliche Präsenz braucht Italien in dieser Notzeit! Im katholischen Repertoire wären etwa: die ewige Anbetung in allen Pfarrkirchen des Landes, ein öffentliches Bußfasten aller Bischöfe bei Wasser und Brot, ein Beichtservice rund um die Uhr in jeder Kathedrale des Landes – gerne im desinfizierten Beichtstuhl mit Gitter und Sicherheitsabstand.

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