Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Homosexualität

Dominikaner: Aufruf zur Bekehrung gehört in die Verkündigung

Unschärfe in der Beurteilung von Neigung und Handlungen führt in der moralischen Bewertung in die Irre.
20061031 BRUSSELS BELGIUM Brother Timothy Radcliffe delivers a speech during the Brussels All S
Foto: MARK RENDERS (imago stock&people) | Nelson Medina kritisiert auch Timothy Radcliffe, hier im Bild, der zu den geistlichen Beratern der Weltsynode gehört.

Der kolumbianischer Youtuber und Dominikaner Nelson Medina OP hat die undifferenzierte Rede über Homosexualität in der katholischen Kirche kritisiert. Namentlich zitierte er dabei auch den vormaligen Ordensmeister der Dominikaner, Timothy Radcliffe, der zu den geistlichen Beratern der Weltsynode gehört und 2023 mehrere spirituelle Impulse gegeben hatte.

Lesen Sie auch:

Radcliffe und andere unterschieden oft nicht zwischen homosexueller Neigung und homosexueller Praxis, was in der katholischen Moral wesentlich sei. Wenn dieser Unterschied keine Rolle spielt, könnte leicht der Eindruck entstehen, dass es unproblematisch sei, wenn ein Priester ein aktives homosexuelles Leben führt.

Bekehrung taucht nicht auf

Ausdrücklich kritisierte Pater Nelson, der an der Hochschule seines Ordens in Bogotá lehrt und in Lateinamerika für seine Evangelisierungsarbeit in den Social Media ausgezeichnet wurde, dass die Bekehrung als Element in der kirchlichen Verkündigung nicht mehr klar benannt werde. „In der Seelsorge des amerikanischen Jesuiten James Martin und anderen geht es darum, Menschen willkommen zu heißen, einzuschließen, nicht diskriminieren und sogar sie zu feiern.

Das Wort „Bekehrung“ taucht dabei nie auf (der Begriff werde durch die vorhandene Gesetzgebung gegen „Konversionstherapien“ verteufelt).“ Dies könne den Eindruck erwecken, dass bestimmte Verhaltensweisen nicht im Widerspruch zur christlichen Moral stehen.

Der Dominikaner sieht einen Zusammenhang zwischen der undifferenzierten Betrachtung der Homosexualität und der mangelnden Beachtung der Enzyklika „Humanae vitae“. Wenn Sexualität als Geschäft, Unterhaltung oder reiner Ausdruck von Affektivität verstanden werde, würden hetero- und homosexuelles Begehren gleichgesetzt. So werden beide als subjektive Ausdrucksformen betrachtet, die von der Gesellschaft respektiert oder sogar gefeiert werden sollten.  DT/reg

Lesen Sie in der kommenden Ausgabe der Tagespost mehr zur Kritik von P. Nelson Medina OP an Unschärfen in der Moraltheologie.

Themen & Autoren
Vorabmeldung Homosexuelle Katholische Kirche Seelsorge Timothy Radcliffe

Weitere Artikel

Ein Klassiker der geistlichen Wegweisung liegt in neuer Übersetzung vor: Warum es sich lohnt, mit dem Dominikaner Luis de Granada über die Letzten Dinge nachzudenken.
03.08.2026, 07 Uhr
Urs Buhlmann
Seit der Veröffentlichung von Amoris laetitia hat sich die Glaubenskrise verschärft, doch Erzbischof Luis Argüello, Vorsitzender der Spanischen Bischofskonferenz, sieht auch gute Früchte.
14.10.2026, 10 Uhr
María Rabell García

Kirche

Ist es falsch, dass die Kirche sich gegen die Todesstrafe stellt? Nein, denn jeder Mensch hat eine unantastbare Würde. Und zwar nicht erst seit Papst Franziskus.
29.10.2026, 21 Uhr
Maximilian Welticke
Rudolf Gehrig ist neuer Chefredakteur das Vatican-Magazin und wird stellvertretender Geschäftsführer beim fe-Medienverlag. Woran er die Schönheit der Weltkirche festmacht.
29.10.2026, 15 Uhr
Regina Einig
Einer Wallfahrt von Freunden der Alten Messe wird der Zugang in den Petersdom verwehrt. Nun tobt eine Schlacht um die Deutung der Ereignisse.
28.10.2026, 14 Uhr
Sebastian Ostritsch
Die Pieper-Stiftung schlägt vor, über den US-Bischof Robert Barron und seine Theologie zu debattieren. Der nimmt es mit spöttischem Humor.
27.10.2026, 16 Uhr
Sebastian Ostritsch