Berlin

Berlin: Streit um St.-Hedwigs-Kathedrale eskaliert

Bezirksamt Berlin-Mitte verhängt Baustopp für die Hedwigskathedrale. Dabei haben die Umgestaltungsarbeiten noch gar nicht begonnen.
Blick in die St. Hedwigs-Kathedrale
Foto: Jens Kalaene (dpa-Zentralbild) | Blick in die St. Hedwigs-Kathedrale am Bebelplatz in Berlin-Mitte - vor dem Umbau.

Wer in den letzten zwölf Monaten Berlin besucht hat und sich für Kirchen interessiert, wird es gemerkt haben: Sie ist zu, die St.-Hedwigs-Kathedrale. Denn sie soll saniert und grundlegend umgestaltet werden. Erzbischof Heiner Koch hat seinen Sitz vor einem Jahr in den Berliner Wedding verlegt. Es kann durchaus sein, dass er dort länger bleiben muss als geplant. Denn zum einen ist die Umgestaltung bisher über „bauvorbereitende Maßnahmen“ (Rückbau der Orgel sowie liturgischer Einbauten und Fenster) noch nicht hinaus, zum anderen erfolgte jetzt der behördliche Stopp für weitere Maßnahmen.

Erbitterter Streit um die Umbaupläne

Dass es seit Jahren einen erbitterten Streit um die Umbaupläne gibt, ist in Kirchenkreisen zumindest deutschlandweit bekannt (die Tagespost berichtete in einem Pro und Contra). Die Initiative „Freunde der Hedwigskathedrale“ ist der Ansicht, dass der geplante Umbau die traditionsreiche Kathedrale in ihrer ganz besonderen Bauweise zerstören würde. Die Pläne zum Umbau der Berliner Bischofskirche sehen unter anderem vor, die zur Unterkirche führende charakteristische Bodenöffnung unter der Kuppel der Kathedrale zu schließen.

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Streit eskaliert: Anzeige der "Freunde"

Nun eskalierte dieser Streit vor wenigen Tagen: Die „Freunde der Hedwigskathedrale“ erstatteten Anzeige gegen den Abriss des denkmalgeschützten Fußbodens aus Kapfenberger Marmor. Dieser verstoße gegen das Bauordnungsrecht. Das zuständige Bezirksamt Berlin-Mitte hat daraufhin alle „ungenehmigten beziehungsweise denkmalrechtlich nicht abgestimmten Abbrucharbeiten“ in der Kirche untersagt, berichtete der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB). Das Erzbistum Berlin erklärte gegenüber dem RBB, der Baustopp sei ohne Rücksprache mit dem Ordinariat erfolgt. Die Initiative der „Freunde“ sieht sich durch die Verfügung des Bezirksamts bestätigt und fügt hinzu, es könne von „Baustopp“ nicht die Rede sein, denn nichts  „kann gestoppt werden, was noch nicht einmal beginnen durfte“.

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Wie es nun weitergeht auf der Baustelle St. Hedwig, ist völlig offen. Eins ist unterdessen klar: Das juristische Tauziehen macht das Projekt weder kostengünstiger noch verkürzt es die Zeit der Schließung der Kathedrale. Teuer wird es ohnehin: Das Erzbistum Berlin entschied sich nach einem 2013 (noch unter Kardinal Woelki) ausgelobten Architekturwettbewerb Ende 2016 für die komplette Umgestaltung und verwarf damit die günstigere Option einer einfachen Sanierungsmaßnahme. Der Umbau der St.-Hedwigs-Kathedrale in der beschlossenen Planung soll rund 43 Millionen Euro kosten. Zusammen mit der Sanierung des benachbarten Bernhard-Lichtenberg-Hauses belaufen sich die kalkulierten Kosten auf 60 Millionen Euro – zwei Limburger Diözesanzentren.

DT/jobo

Die Hintergründe zu diesem Thema finden Sie in der Wochenausgabe der Tagespost.

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