Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Franziskus im Krankenhaus

Wie der Vatikan ohne Papst funktioniert

Das Heilige Jahr nimmt seinen Fortgang, Kurie sowie Governatorat beginnen ihre Exerzitien. Nach drei Wochen ohne Pontifex hat sich ein Zustand eingespielt, der noch lange andauern kann.
Leerer Stuhl im Petersdom
Foto: IMAGO/IPA/ABACA (www.imago-images.de) | Nein, eine richtige Sedisvakanz ist das noch nicht: noch trifft Franziskus wichtige Entscheidungen vom Krankenzimmer aus.

Ohne Unterbrechungen nimmt das Heilige Jahr in Rom seinen Lauf. Am kommenden Wochenende steht das „Jubiläum der freiwilligen Dienste“ auf dem Programm. Und mit einer Bußprozession auf dem Aventin-Hügel hatte am Aschermittwoch die diesjährige Fastenzeit begonnen. Von der Benediktinerkirche Sant‘Anselmo zogen die Kardinäle und Bischöfe am Sitz des Malteser-Ritterordens vorbei zur altehrwürdigen Basilika Santa Sabina, wo Kardinal Angelo De Donatis, seit vergangenem Jahr Präfekt der Apostolischen Pönitentiarie, die Messe feierte, in der auch das Aschenkreuz ausgeteilt wurde.

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Am Sonntag werden freiwillige Helfer aus aller Welt auf dem Petersplatz an einem Gottesdienst teilnehmen, der wie schon das Jubiläum der Diakone ohne den Papst stattfinden wird. Franziskus ist nun schon seit drei Wochen in der römischen Gemelli-Klinik. Ohne medizinische Unterstützung kann er nicht mehr selbstständig atmen, was eine stationäre Behandlung erforderlich macht – auch um Atemkrisen sofort behandeln zu können, wie dies schon drei Mal geschehen ist.

Der Alltag geht weiter

Dennoch hat Franziskus seit Beginn seines Krankenhausaufenthalts einige Rechtsakte gesetzt. Am 15. Februar, einen Tag nach seiner Einlieferung, hat er Schwester Raffaella Petrini zur Präsidentin der Päpstlichen Kommission für den Staat der Vatikanstadt ernannt. Das widerspricht zwar dem Grundgesetz des kleinen Kirchenstaats, das vorsieht, dass nur ein Kardinal aus der Päpstlichen Kommission für den Vatikanstaat in dieses Amt an der Spitze des Governatorats berufen werden kann. Aber als Inhaber der „obersten Souveränitätsrechte“ auch über den Vatikanstaat – und nicht nur über die Kurie als römische Zentrale der Weltkirche – kann sich der Papst über diese Regeln hinwegsetzen, was er dann am 25. Februar nochmals tat, als er zwei Generalsekretäre für den Vatikanstaat ernannte, obwohl das Grundgesetz nur einen vorsieht.

Am 25. Februar suchten Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin und der Substitut in der für die inneren Angelegenheiten zuständigen Sektion des Staatssekretariats, der venezolanische Erzbischof Edgar Peña Parra, den Papst in der Klinik auf. Franziskus gab für zwei Heiligsprechungen grünes Licht und kündigte ein Kardinalskonsistorium an, bei dem die neuen Heiligen verkündet werden sollen – allerdings fehlt bisher noch der genaue Termin. Am 2. Februar kamen die beiden führenden Kurialen dann nochmals zu ihm. Inzwischen hat Franziskus auf diesem Weg auch grünes Licht für einige Bischofsernennungen gegeben.

In „spiritueller Gemeinschaft“ mit dem Papst, wie es der Vatikan ankündigte, beginnen dann am Sonntag die fünftägigen Fastenexerzitien der Römischen Kurie. Alle Mitarbeiter des Vatikans und des Governatorats sind eingeladen, weshalb die Audienzhalle „Paolo VI“ als Ort vorgesehen ist, wo der „Prediger des Päpstlichen Hauses“, der italienische Kapuzinerpater Roberto Pasolini täglich zwei Meditationen halten wird. Zur festen Einrichtung ist inzwischen das abendliche Rosenkranzgebet für den erkrankten Papst geworden, dem abwechselnd einer der Kurienkardinäle um 21 Uhr auf dem Petersplatz vorsteht. 

Die Lage ist noch nicht kritisch

Es sind derzeit Wochen in Rom, in denen der Papst da ist und die notwendigsten Amtsgeschäfte führt, aber eben nicht sichtbar und im beständigen Kontakt mit Besuchern und Delegationen. Grundsätzlich kann dieser Zustand noch länger fortdauern: Die vatikanischen Dikasterien versehen ihren Dienst und notwendige Personalentscheidungen oder Rechtsakte segnet Franziskus von seinem Krankenhauszimmer aus ab. Kritisch wird die Situation nur dann, wenn auch die geistigen Fähigkeiten des Papstes eingeschränkt sind, etwa, wenn er in ein Koma fällt.

Für diesen Fall hat Franziskus ein Schreiben bei Staatssekretär Pietro Parolin hinterlegt, was aber bisher nur mündlichen Äußerungen des Papstes zu entnehmen war. Was in diesem Schreiben steht, ist unbekannt. Sollte sich das Befinden von Franziskus in diese Richtung hin entwickeln, müsste ein Konsistorium zumindest der in Rom anwesenden Kardinäle zusammentreten, um über den Fortgang der Kirchenleitung und die Ausrufung einer Sedisvakanz zu entscheiden – mit allen dann anfallenden Konsequenzen. Diesen Fall hat es in der Neuzeit noch nicht gegeben.

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