Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Schreiben an Bischof de la Cruz

Glaubensdikasterium: Ledige Mütter nicht von der Kommunion ausschließen

Die Mutterschaft sei kein Hindernis für den Zugang zur Eucharistie, so der Leiter der Glaubensbehörde Kardinal Fernandez.
Mütter und Kinder bei einer besonderen Heiligen Messe.
Foto: Bastiaan Slabbers (imago stock&people) | Mütter und Kinder bei einer besonderen Heiligen Messe. Ledige Mütter sollen nicht vom Empfang der Kommunion ausgeschlossen werden, so Glaubenspräfekt Fernández.

Das Glaubensdikasterium Priester und Gemeindeleiter nachdrücklich aufgefordert, unverheiratete Mütter nicht vom Empfang der Kommunion auszuschließen. In einem am Donnerstag veröffentlichten Schreiben des Glaubenspräfekten Kardinal Víctor Fernández heißt es, dass es bei der pastoralen Arbeit klar sein müsse, dass die Mutterschaft einer unverheirateten Frau kein Hindernis für den Zugang zur Eucharistie sei. Es sei Fakt, so Fernández, dass immer wieder Priester und Gemeindemitglieder unverheiratete junge Mütter am Empfang der Kommunion hinderten.

Lesen Sie auch:

Dabei könne eine ledige Mutter wie alle Gläubigen nach der Beichte die Kommunion empfangen. Die Gemeinden sollten die Mütter dafür respektieren, sich für das Leben ihres Kindes entschieden zu haben, so Fernández. Zwar gebe es pastoral schwierige Situationen, so der Glaubenspräfekt, etwa, wenn junge Mütter versuchten, ihren Lebensunterhalt durch Prostitution verdienten. Fernández rief die Gemeinden dazu auf, in solchen Situationen alles dafür zu tun, dass Frauen nicht in diese Lage kämen, anstatt die Betroffenen zu verurteilen.

Franziskus: „Heuchler von heute“

Das Schreiben des Glaubenspräfekten ist an Bischof Ramon Alfredo de la Cruz in der Dominikanischen Republik adressiert. Dieser hatte beim Vatikan angefragt, was zu tun sei, wenn junge ledige Mütter sich aus Angst vor der Strenge der Geistlichen nicht zur Kommunion trauten. Der Glaubenspräfekt verwies auf eine Ansprache von Papst Franziskus während seiner Zeit als argentinischer Erzbischof. Franziskus habe damals erklärt, dass es Priester gebe, die die Kinder alleinstehender Mütter nicht tauften, weil diese nicht in der heiligen Ehe gezeugt worden seien. „Das sind die Heuchler von heute“, so der damalige Erzbischof Bergoglio. DT/sdu

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Meldung Erzbischöfe Papst Franziskus Víctor Manuel Fernández

Weitere Artikel

Die Texte, mit denen das Glaubensdikasterium auf die Bischofsweihen der Piusbruderschaft reagierte, sind mangelhaft. Aber den Präfekten scheint das nicht zu interessieren.
30.10.2026, 09 Uhr
Guido Horst
Wichtige Vatikan-Personalien fielen mit der Krebsdiagnose zusammen. Und bei der Wahl des philippinischen Kardinals Luis Antonio Tagle hat der Papst ein wenig nachgeholfen.
22.10.2026, 09 Uhr
Giulio Nova

Kirche

Es gibt ab Samstag neue US-amerikanische Selige: Fünf Franziskaner, die 1957 von Ureinwohnern in Georgia ermordet wurden. Der Grund: Sie verteidigten die monogame Ehe.
31.10.2026, 05 Uhr
Claudia Kock
Halloween wurde zum Filmthema – und machte den Grusel-Tag hierzulande populär. Ein Horrorfilm spiegelt gesellschaftliche Verhältnisse und hinterfragt Selbstverständliches.
31.10.2026, 11 Uhr
Fabian Bell
Ist es falsch, dass die Kirche sich gegen die Todesstrafe stellt? Nein, denn jeder Mensch hat eine unantastbare Würde. Und zwar nicht erst seit Papst Franziskus.
29.10.2026, 21 Uhr
Maximilian Welticke
Trotz Widerstand stellt der Kirchengemeinderat von St. Martin in Weingarten seine Pläne zur Neugestaltung des Altarraums vor. Doch es kommt zu einer überraschenden Wendung.
30.10.2026, 15 Uhr
Jakob Naser