Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Papst Leo XIV.

Bischöfe sollen „Fischer von Familien“ sein

In einer Botschaft ruft Papst Leo Hirten und Laien dazu auf, Orte zu schaffen, an denen Eltern und ihre Kinder Gott begegnen können.
Papst Leo XIV. beim Fest der Familien
Foto: IMAGO/Maria Grazia Picciarella (www.imago-images.de) | „Illusorische Lebensmodelle, in denen kein Platz für den Glauben ist“, würden viele Väter und Mütter, Kinder, Jugendliche und Heranwachsende von Gott entfremden, bemängelt Papst Leo.

Das Fest der Familien am Wochenende im Rahmen der Heilig-Jahr-Feiern ist vorbei – doch Papst Leo hat sich gleich wieder zu Wort gemeldet – mit einer Botschaft an ein zweitägiges Experten-Kolloquium im Dikasterium für Laien, Familie und Leben, bei dem es am Montag und Dienstag um die „Evangelisierung mit Familien heute und morgen“ und die entsprechenden ekklesiologischen und pastoralen Herausforderungen ging.

Lesen Sie auch:

Man erlebe gerade eine Zeit, heißt es in dem Text, die durch eine wachsende Suche nach Spiritualität gekennzeichnet sei, vor allem unter jungen Menschen, die sich nach authentischen Beziehungen und Lehrern des Lebens sehnten. Aber „illusorische Lebensmodelle, in denen kein Platz für den Glauben ist“, würden viele Väter und Mütter, Kinder, Jugendliche und Heranwachsende von Gott entfremden. Der Grund sei oft die verzerrte Nutzung von Medien, die an sich – wie die sozialen Medien – potenziell gut seien, aber oft zu einem Vehikel für irreführende Botschaften würden.

Ehen ohne Trauschein

Hier sei die Seelsorge gefragt, und vor allem ein beherztes Wirken der Bischöfe. Papst Leo sprach die „Ehen ohne Trauschein“ an: „Vielleicht brauchen viele junge Menschen, die sich heute für das Zusammenleben statt für die christliche Ehe entscheiden, tatsächlich jemanden, der ihnen konkret und verständlich zeigt, was das Geschenk der sakramentalen Gnade ist und welche Kraft es ihnen gibt; der ihnen hilft, die Schönheit und Größe der Berufung zur Liebe und zum Dienst am Leben zu verstehen, die Gott den Eheleuten schenkt.“

Ebenso bräuchten viele Eltern, die ihre Kinder im Glauben erziehen, Gemeinschaften, die sie dabei unterstützen könnten, die Bedingungen für die Begegnung mit Jesus zu schaffen. In diesem Zusammenhang, so der Papst, „ist es in erster Linie Aufgabe der Bischöfe, als Nachfolger der Apostel und Hirten der Herde Christi, das Netz ins Meer auszuwerfen, indem sie zu ,Fischern von Familien‘ werden. Aber auch die Laien sind aufgerufen, sich in diese Mission einzubringen, indem sie an der Seite der geweihten Amtsträger zu ,Fischern‘ von Paaren, Jugendlichen, Kindern, Frauen und Männern jeden Alters und jeder Verfassung werden, damit alle dem begegnen, der allein retten kann.“

Mehr als nur Vorschriften

Dabei gehe es nicht um Regeln, hob der Papst hervor, sondern um die Begegnung mit einer Person: „Der Glaube ist vor allem eine Antwort auf einen Blick der Liebe, und der größte Fehler, den wir als Christen begehen können, besteht darin, mit den Worten des heiligen Augustinus ,so zu tun, als bestünde die Gnade Christi in seinem Beispiel und nicht in der Gabe seiner Person‘. Wie oft haben wir in der vielleicht gar nicht so fernen Vergangenheit diese Wahrheit vergessen und das christliche Leben in erster Linie als eine Reihe von Vorschriften dargestellt, die es zu befolgen gilt, und die wunderbare Erfahrung der Begegnung mit Jesus, dem Gott, der sich uns schenkt, durch eine moralistische Religion ersetzt, die schwer, unattraktiv und in gewisser Weise in der Konkretheit des täglichen Lebens unerreichbar ist.“

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Guido Horst Apostel Bischöfe Der neue Papst: Leo XIV. Evangelisierung und Evangelisation Jesus Christus Leo XIV. Päpste

Weitere Artikel

Am 18. Juli 1566 starb Bartolomé de Las Casas. Der Dominikaner setzte sich nach der Eroberung Lateinamerikas als Missionar und Bischof für die Rechte der indigenen Bevölkerung ein.
18.07.2026, 05 Uhr
Josef Bordat

Kirche

Gott vergibt, die Natur nicht. Warum das Zeugnis der Kirche für die Würde des Menschen in bioethischen Fragen unverzichtbar ist.
30.09.2026, 06 Uhr
Stefan Rehder
Ausgerechnet Hamburgs Erzbischof Heße soll künftig die DBK-Kommission für Familie, Jugend und Erziehung leiten. In seinem Erzbistum tobt ein erbitterter Streit um genau diese Themen.
29.09.2026, 14 Uhr
Sina Alsayed
Mit 56 Jahren ließ César Ortiz-Echagüe seine Architektenkarriere hinter sich und wurde Priester. Nun ist der langjährige Opus-Dei-Regionalvikar in Deutschland mit 99 Jahren gestorben.
29.09.2026, 11 Uhr
José García