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„Alte Messe“: Trendwende in Rom

Leo XIV. will zu den Anhängern des „Vetus Ordo“ Brücken schlagen. Seine Weisung an die Bischöfe Frankreichs weicht von der Linie seines Vorgängers ab.
Papst Leo will Brücken zu den Freunden des „Vetus Ordo“ schlagen
Foto: IMAGO / Catholicpressphoto | Dass Papst Leo nun Brücken zu den Freunden des „Vetus Ordo“ schlagen will, ist eine Trendwende in der Art und Weise, wie Rom seit Papst Franziskus die Freunde der „alten Messe“ behandelt hat.

Die französischen Bischöfe sollen „konkrete Lösungen“ suchen, „die es ermöglichen, die Menschen, die dem Vetus Ordo aufrichtig verbunden sind, großzügig einzubeziehen“. Diese Weisung von Papst Leo an die in Lourdes tagende Französische Bischofskonferenz klingt anders als der Ton, der bisher in Rom vorherrschte. Noch beim Konsistorium Anfang Januar stand auch die Liturgie auf dem Programm.

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Aus Zeitgründen wurde dieser Punkt auf ein späteres Treffen verschoben, aber das Papier, das Kardinal Arthur Roche, Präfekt des Liturgie-Konsistoriums, für diesen Programmpunkt vorbereitet hatte, gelangte dennoch an die Öffentlichkeit und unterstrich die ablehnende Haltung gegenüber der „alten Messe“: Es sei schwer vorstellbar, so Roche, dass jemand das Zweite Vatikanum bejahe, aber ausgerechnet die von diesem Konzil beschlossene Liturgiereform nicht annehmen wolle. Damit lag der Kardinal auf der Linie von „Traditionis custodes“ vom Juli 2021, dem Motu proprio, mit dem Papst Franziskus das Schreiben „Summorum pontificum“ von Benedikt XVI. kassiert und die Feier der Messe nach der außerordentlichen Form des römischen Ritus erheblich eingeschränkt hatte.

Einseitige Auslegung einer Umfrage

Zur Begründung verwies Franziskus damals auf die Auswertung einer Umfrage zu den Erfahrungen mit der Messfeier nach dem alten Ritus bei etwa 3.000 Diözesen in der Welt, auf die etwa 1.000 Antworten eingegangen waren und die den Papst damals angeblich alarmierten: Es habe sich gezeigt, dass sich die Liebe zur „alten Messe“ oft mit einer Ablehnung des Zweiten Vatikanischen Konzils insgesamt verbinde, weswegen die Kirche dazu zurückkehren müsse, im postkonziliaren Messbuch den „einzigen Ausdruck der ,lex orandi‘ des römischen Ritus“ zu sehen. Die Ergebnisse der Umfrage wurden damals nicht veröffentlicht. Erst im Sommer 2025 konnten die amerikanische Journalistin Diane Montagna und ihr italienischer Kollege Saverio Gaeta nachweisen, dass die Konsultation bei den Diözesen eher ein gutes Miteinander der ordentlichen und außerordentlichen Form des römischen Ritus belegt und von zumeist positiven Früchten der Zulassung der „alten Messe“ gesprochen hatte. 

Papst Leo indes, der sich bis dahin noch nicht explizit zur Frage der Messfeiern nach dem alten Ritus geäußert hatte, empfing am 5. März dieses Jahres die beiden Professoren Stephen Bullivant und Stephen Cranney, der eine Theologe und Religionssoziologe an der St. Mary’s University in London, der andere, Cranney, nicht katholisch, Forscher an einem religionswissenschaftlichen Institut an der Baylor University in Texas. Beide werden im kommenden Herbst ein Buch veröffentlichen, das bei Oxford University Press erscheint und den Titel „Trads. Latin Mass Catholics in the United States“ trägt. Es handelt sich dabei um die erste große soziologische Studie über Katholiken, die die Messe im alten Ritus schätzen. Ihre Befragungen unter Traditionalisten in den Vereinigten Staaten weisen nach – und Bullivant und Cranney haben zentrale Ergebnisse bereits auf „Sunstack“ veröffentlicht –, dass sich der Besuch der „alten Messe“ keineswegs mit einer Ablehnung des Zweiten Vatikanums insgesamt verbindet. 

Eine Trendwende in Rom

Laut den repräsentativen Umfragen und den Interviews, die die beiden Wissenschaftler unter traditionsverbundenen Katholiken durchgeführt haben, bilden diejenigen, die das Konzil akzeptieren, deutlich die Mehrheit. Auch wenn es sich um eine Minderheit handelt, ist der Anteil derjenigen, die sich mit dem Konzil nicht einverstanden erklären, nicht unerheblich. Bullivant und Cranney weisen jedoch darauf hin, dass aus den Interviews hervorgehe, dass sich die Ablehnung weniger gegen die Dokumente des Zweiten Vatikanischen Konzils als solche richtet, sondern vielmehr gegen die Art und Weise, wie sie in der Folge umgesetzt und ausgelegt wurden. Was die Grundpfeiler der katholischen Lehre betrifft, so würden sich die Anhänger der Messe im alten Ritus zudem als weitaus treuer als die Katholiken im Allgemeinen. 

Dass Papst Leo nun Brücken zu den Freunden des „Vetus Ordo“ schlagen will, ist eine Trendwende in der Art und Weise, wie Rom seit Papst Franziskus die Freunde der „alten Messe“ behandelt hat. Auf das nächste Konsistorium im Sommer, bei dem die Liturgie wieder auf dem Programm stehen könnte, darf man gespannt sein.

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Guido Horst Leo XIV.

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