Welt&Kirche

Gerl-Falkovitz: Liebe braucht zwei Geschlechter

Zur Liebe seien zwei Geschlechter geschaffen, so die Religionsphilosophin Gerl-Falkovitz. Die vom Synodalen Weg entworfene Definition des Liebesbegriffs sieht sie kritisch.
Liebe braucht Polarität der Geschlechter
Foto: Patrick Pleul (dpa-Zentralbild) | "Der Mann wird nur an der Frau zum Vater, die Frau nur am Mann zur Mutter", betont Gerl-Falkovitz.

Die Religionsphilosophin Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz äußert sich in der Beilage „Welt&Kirche“ in der kommenden Ausgabe der Tagespost kritisch zu der vom Synodalen Weg erarbeiteten Vorlage zur Sexualmoral und betont, dass es der Polarität der zwei Geschlechter bedürfe, um zu lieben.

Frau ist bleibendes Geheimnis für den Mann, der Mann für die Frau

Zur Liebe seien zwei Geschlechter geschaffen, so Gerl-Falkovitz: „in gegenseitiger unergründlicher Fremdheit und Anziehung, sichtbar bis ins Leibliche hinein“. Transzendieren in die Andersheit des anderen Geschlechtes bedeute: „Frau ist bleibendes Geheimnis für den Mann, der Mann für die Frau. Und unabänderlich: Der Mann wird nur an der Frau zum Vater, die Frau nur am Mann zur Mutter.“ Dieses „zutiefst Andere“ habe die Sexualmoral zu schützen, nicht zu neutralisieren, so die Philosophin, die das Europäische Institut für Philosophie und Religion an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Benedikt XVI. in Heiligenkreuz bei Wien leitet.

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Auch die in der synodalen Vorlage skizzierte Definition des Begriffes der Liebe sieht Gerl-Falkovitz kritisch. So sei die Liebe „ein Wille zur Beziehung, die das Gegenüber in seiner Personalität, unabhängig von seiner Materialität, liebe und gelten lasse“. Es bedürfe nur des Einvernehmens zwischen Personen, also eines seelischen Aktes, nicht mehr aber der leiblichen Polarität, um zu lieben, schreibt die Religionswissenschaftlerin.

Die Person wurzelt in der Natur

Gerl-Falkovitz betont dagegen, dass die Person in der Natur wurzele, theologisch ausgedrückt „in der Fleischhaftigkeit der Schöpfung“. Personsein, so die 76-Jährige, meine ein Doppeltes: In-sich-Stehen (sich gehören, Selbstzweck sein) und Über-sich-Verfügen (über sich hinausgehen, sich einfügen). „Personsein ist Selbstgehörigkeit, aber nicht im stummen Selbstbesitz: Ich erwache in der Begegnung mit dem anderen Ich.“

Erst dann komme es zur Verwirklichung des Ich und zu seiner „entscheidenden, ja schicksalhaften Dynamik. Dann geht es über die Selbstbewahrung hinaus, die das neutrale Subjekt-Objekt-Verhältnis schirmt: Person wird auf Person resonant und von ihr her ins Antwortlose preisgegeben oder auch ins Unerschöpfliche geöffnet“. Dies aber geschehe über den Leib: Gerl-Falkovitz schreibt: „Nur in den fünf leiblichen Sinnen teilen wir uns einander mit, sind wir überhaupt füreinander da oder zerstören einander.“  DT/mlu

Leib ist keine Zuschreibung; Personsein gelingt menschlich nur in Fleischwerdung, meint die Religionsphilosophin Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz. Lesen Sie den ganzen Essay in der kommenden Ausgabe der Tagespost.

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