Wir Menschen haben uns angewöhnt, diejenigen glücklich zu preisen, die es im Leben zu etwas gebracht haben. Wir beglückwünschen die Erfolgreichen und die Arrivierten: im Alltag und im Geschäftsleben, in der Politik und im Sport – und oft genug auch in der Kirche. Wer es genau wissen will, wen unsere modernen „Seligpreisungen“ im Blick haben, braucht nur die Werbung in den Medien anzuschauen: Glücklich gepriesen werden da nicht die Gottsucher, sondern die Weltmacher.
Das Evangelium zeigt uns unmissverständlich, dass Jesus so nicht denkt. Er preist vielmehr die Armen und die Trauernden, die nach Gerechtigkeit Hungernden und Dürstenden, die Barmherzigen und Gewaltlosen selig. Er sendet sogar ein besonderes Glückwunschtelegramm an die um seines Namens willen Verleumdeten und Verfolgten. Von daher drängt sich die Frage auf, wie dieser Gegensatz zu unserem alltäglichen Verhalten zu verstehen ist.
Jesus war selber arm
Der Grund dafür wird sichtbar, wenn wir nicht nur die Adressaten der Seligpreisungen betrachten, sondern auch ihren Autor. Derjenige, der andere seligpreist, ist der, auf den diese Seligpreisungen in erster Linie zutreffen: Jesus war wirklich arm vor Gott, er hat nach Gerechtigkeit Hunger und Durst gehabt, er hat den wahren Frieden gestiftet, und er ist beschimpft und verfolgt worden, weshalb sein irdisches Leben mit der Hinrichtung am Kreuz zu Ende gegangen ist.
Wenn wir die ganze Kraft der Seligpreisungen auf uns wirken lassen, werden wir von selbst dessen inne, dass in den Seligpreisungen Jesu sein innerstes Geheimnis aufscheint. Papst Benedikt XVI. hat sehr schön gezeigt, dass die Seligpreisungen wie die innere Biografie Jesu, gleichsam „wie ein Porträt seiner Gestalt“ sind. Was es heißt, den Geist der Seligpreisungen zu leben, dies wird im Leben und Sterben Jesu in exemplarischer Weise deutlich.
Immer mehr Christus ähnlich werden
Das Evangelium legt nahe, dass es letztlich nur einen Seligen gibt, nämlich Jesus Christus. An ihm ist von Gott her bereits sichtbar geworden, was an uns Christen noch offenbar werden soll. Denn aufgrund der Taufe sind wir berufen, unser Denken und Leben immer mehr Christus anzugleichen, wozu uns Paulus auffordert: „Seid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus entspricht“ (Phil 2,5), nämlich jenem Christus, der sich „erniedrigt“ hat und gehorsam gewesen ist „bis zum Tod am Kreuz“ (2,8).
Die Seligpreisungen Jesu werden nur so auch unsere Seligpreisungen, dass wir uns seine Gesinnung zu eigen machen, dass wir wie er ganz in Gemeinschaft mit Gott, seinem Vater, leben. Denn Gott ist jene Wirklichkeit, die allein selig zu preisen vermag. Die Seligpreisungen sind so hilfreiche Wegweisungen für unsere Nachfolge Jesu, indem sie uns anleiten, unser Leben immer mehr Christus anzugleichen.
Zefanja 2, 3; 3,12–13
1. Korinther 1, 28–31
Matthäus 5, 1–12a
Zu den Lesungen des 4. Sonntags im
Jahreskreis (Lesejahr A)
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