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Bunte Sterne liefern uns neue Bischofsweisheiten

Katholische Bischöfe sprechen mit Illustrierten. Was bei diesen Interviews herauskommt ist an Banalität kaum noch zu unterbieten. Das sechste Gebot ist Geschichte.
Kardinal Reinhard Marx  gab jüngst der Illustrierten "Stern" ein Interview.
Foto: Armin Weigel (dpa)

Es ist mindestens gewöhnungsbedürftig, welche Magazine man inzwischen kaufen muss, wenn man wissen möchte, was ein katholischer Bischof zu sagen hat. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz sprach mit dem Promi- und Adels-Magazin "Bunte", und Kardinal Marx gab jüngst der Illustrierten "Stern" ein Interview. Beide Medien zeigten sich in der Vergangenheit nicht sonderlich kirchenaffin.

Die Inhalte von beiden Interviews sind erschreckend erwartbar. Im Kern geht es um eine Dekonstruktion des sechsten Gebots auf eine Bewertung von Sexualität, die jede nur denkbare eheliche, außereheliche, gleich- und verschiedengeschlechtliche Gestalt unter Cis- und Transmenschen in beliebiger Form als Bereicherung der menschlichen Sexualität bewertet. So in etwa, aber bitte in treuer Fürsorglichkeit, soll die neue katholische Sexualmoral aussehen.

Katechismus auf Papier

Während säkulare Medien schon immer die Prüderie aus der katholischen Ecke gestört hat und dieser neuen Pontifikalsexualität staunend huldigen, reiben sich Katholiken verwundert die Augen. Sexualität hat im nachsteinzeitlich übrigens tatsächlich auf Papier gedruckten und sogar online verfügbaren Katechismus ihren geordneten Ort in der Ehe zwischen Mann und Frau. Wahrheiten gelten unabhängig vom benutzten Medium. Man braucht gar nichts in Stein zu meißeln, um zu erkennen, dass und vor allem warum die menschliche Sexualität unbedingt in ein Sakrament eingebettet wird.

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Einerseits ist die Sexualität ein Mitwirken am Schöpfungshandeln Gottes und damit auch ein Mitwirken am Heilshandeln, wenn Leben und damit Glaube, Liebe und Hoffnung eine Generation weiter gereicht werden können. Andererseits ist eine fehlgeleitete Sexualität schlimmstenfalls ein Monster, wie es sich kein Gruselfilmautor ausdenken kann. Opfer sexuellen Missbrauchs in der Kirche können davon ebenso ein Lied singen wie vergewaltigte oder in Prostitution gezwungene Frauen. Himmel und Hölle liegen hier extrem nahe beieinander.

Der Ernst fehlt

Katholische Bischöfe täten gut daran, die katholische Sexualmoral mit allen Mitteln zu verteidigen. Wie es geht, hat Papst Johannes Paul II. gezeigt. Dass dieser Idealfall in der Wirklichkeit oft genug verfehlt wird, weiß jeder Beichtvater.

Doch auch das weiß jeder Beichtvater: Hat man einen Menschen in eine geordnete Lebensführung – auch und besonders in Fragen der Sexualität – zurückgeführt, ist der Glücksgewinn nicht zu unterschätzen.

Für eine Predigt über katholische Morallehre eignen sich allerdings weder der "Stern" noch die "Bunte". Wir lernen dort die bischöfliche Urlaubsbadehose kennen und erfahren, wo der Kardinal seine erste Zigarre geraucht hat. In einer Zeit der massiven Kirchenkrise, in der zudem die Christen in unserem Land nur noch eine Minderheit stellen, erwartet man von Bischöfen und Kardinälen eigentlich etwas mehr als eine illustrierte Pontifikalnabelschau.

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