Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kommentar um "5 vor 12"

Der Bock soll nicht länger gärtnern

Das Bistum Würzburg hat angekündigt, die Zusammenarbeit mit „Pro Familia“ beenden zu wollen. 
Beratung
Foto: Axel Heimken (dpa) | Eine Anlaufstelle außerhalb kirchlicher Strukturen ist sicher eine richtiges Angebot. Symbolbild: Beratung

Zu Recht ist die Kooperation des Bistums Würzburg mit der Organisation „Pro Familia“ im Bistum selbst, aber auch weit darüber hinaus, auf scharfe Kritik gestoßen. So begrüßenswert der Ansatz der Bistumsleitung ist, Menschen, die Opfer sexuellen Missbrauchs in der Kirche wurden, eine Anlaufstelle außerhalb kirchlicher Strukturen bieten und dafür zusätzliche Kosten tragen zu wollen, so falsch war es, anzunehmen, man könne sich dazu der vorhandenen Strukturen Pro Familias bedienen.

Lesen Sie auch:

Problematischen Positionierung zur Pädosexualität

Nicht nur, weil die Kirche damit eine Organisation finanzieren würde, die sich für die Legalisierung vorgeburtlicher Kindstötungen einsetzt. Nicht nur, weil Pro Familia Schwangerenkonfliktberatungsstellen unterhält, die jenen Schein ausstellen, der nach dem Willen des Gesetzgebers zu einer straffreien Abtreibung berechtigt. Nicht nur, weil Pro Familia zudem Einrichtungen unterhält, in denen Abtreibungen auch vorgenommen werden; mancherorts gar Tür an Tür mit den von ihr getragenen Beratungsstellen. Sondern auch, weil sich Vertreter von Pro Familia in der Vergangenheit derart problematisch in Sachen Pädophilie positionierten, dass nicht wenige Kritiker der Kooperation übereinstimmend äußerten, hier werde der sprichwörtliche „Bock“ doch tatsächlich einmal zum „Gärtner“ gemacht.

Offene Fragen bleiben

Nun hat das Bistum angekündigt, diesen Fehler korrigieren zu wollen. Zur Begründung wird auf ein Votum des Betroffenenbeirates im Bistum Würzburg verwiesen, „der auf Anschuldigungen gegen den Verband ,Pro Familia‘ aus den 1970er und 1990er Jahren bezüglich ,Entkriminalisierung von Pädosexualität‘ sowie dessen Haltung zur Abtreibung hingewiesen und um eine Beendigung der Zusammenarbeit gebeten“ habe.

Die Entscheidung des Bistums verdient durchaus Anerkennung und Respekt. Frei nach dem Motto: Fehler machen ist nicht schwer. Sie zu korrigieren dagegen sehr. Es erklärt allerdings nicht, wieso das Bistum „Pro Familia“ überhaupt für einen adäquaten Partner halten konnte.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Stefan Rehder Bistum Würzburg Diözese

Weitere Artikel

Am 28. Februar ist in Herne ein Harry-Potter-Gottesdienst geplant. Warum die Kirche Fernstehenden damit keinen christlichen Dienst erweist.
26.02.2026, 09 Uhr
Guido Rodheudt

Kirche

Ein Blick auf die Nuntiatur seit dem Ende des Krieges – 3. Teil der Geschichte der Nuntiatur in Deutschland.
12.05.2026, 15 Uhr
Michael Feldkamp
Auch ein harmonischer Katholikentag kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass zwei Konflikte das Verhältnis der Kirche in Deutschland zu Rom belasten.
12.05.2026, 11 Uhr
Guido Horst
Segensfeiern für homosexuelle Paare seien „gelebte Praxis", so die CDU-Politikerin. Die derzeitige Debatte sollte kein Anlass sein, „alles wieder zurückzudrehen“.
12.05.2026, 08 Uhr
Meldung
Eine der größten Begegnungen des Heiligen Vaters bei seinem Spanienbesuch im Juni findet im Olympiastadion von Barcelona statt. Erwartet werden bis zu 39.000 Menschen.
11.05.2026, 09 Uhr
José García
Weniger Katholiken, mehr Protestanten: Die neue Pew-Studie blickt auf Gewinner und Verlierer beim Religionswechsel.
10.05.2026, 17 Uhr
Barbara Stühlmeyer