Pro Familia berät Missbrauchsopfer

Ein falsches Signal

Pro Familia soll im Bistum Würzburg Missbrauchsopfer beraten. Das ist aus mehreren Gründen zynisch, meint die Lebensrechtlerin Alexandra Linder.
Debatte um Pro Familia
Foto: Arne Dedert (dpa) | Ausgerechnet zu Pro Familia schickt das Bistum Würzburg seine kirchlichen Missbrauchsopfer, um eine „unabhängige“ Beratung zu gewährleisten.

Der „echte Pädophile“ gehe „außerordentlich vorsichtig“ vor, eine Schädigung der Kinder sei „sehr fraglich“, schrieb der Soziologe Rüdiger Lautmann 1995 im Pro Familia Magazin (siehe dazu: „Die Welt“ vom 8. Oktober 2013). Er forderte, zwischen Kindesmissbrauch und einvernehmlichem Sex zu unterscheiden. Es gebe auch eine „natürliche Willensübereinstimmung“ beim Sex zwischen Kindern und Erwachsenen.

Viele der Missbrauchsopfer erfuhren dort Gewalt

Der Rechtsanwalt Norbert Lammertz, 1985 im Bonner Pro Familia-Vorstand, beschrieb eine Neuordnung des Sexualstrafrechts und eine Form der Sexualität mit Minderjährigen, die „mit dem Willen des Kindes“ zustandekäme und „gewaltfrei“ sei. Ausgerechnet zu dieser Organisation schickt das Bistum Würzburg seine kirchlichen Missbrauchsopfer, um eine „unabhängige“ Beratung zu gewährleisten.

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Eine Organisation, die genau in der Zeit, wo viele der Missbrauchsopfer diese Gewalt erfuhren, Sex mit Kindern propagierte und weder die Kinder noch ihre Rechte in den Blick nahm. Eine Organisation, die möglicherweise schon früher von verzweifelten Opfern vergeblich aufgesucht wurde. Stattdessen tauschten sich „Pädophile (…) über ihre Seelenlage, ihre Sehnsüchte (…) aus. Sie erfuhren dabei in liberalen Kreisen Aufmerksamkeit und Solidarität“ (siehe dazu: taz, 8. Oktober 2013).

Der Körper als abgekoppelte Spielwiese

So liegt der erste Zynismus darin, die Opfer von damals zu ideologischen Förderern der Täter von damals zu schicken. Der zweite Zynismus liegt darin, diesen Menschen zu verwehren, was sie benötigen: ein ganzheitliches Konzept zur Heilung von Seele, Geist und Leib.

Pro Familia betrachtet den Körper als abgekoppelte Spielwiese, die für Sex mit jedem benutzt werden, durch künstliche Verhütung von der Fruchtbarkeit getrennt werden und durch Abtreibung von unerwünschten Folgen befreit werden will. Respektvoller Umgang mit Missbrauchsopfern sieht anders aus.


Die Autorin ist die Bundesvorsitzende des Bundesverbandes Lebensrecht

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